• Gefrustet weil der Hörakustiker drängelt

    Hallo,
    gerade probiere ich das 3. Hörgerät aus. Ich habe verschiedene Marken getestet von 1200,- bis 1875,-.
    So richtig zufrieden bin ich mit keinem Gerät. Ich bin schon lange Höregeräteträgerin (seit 20 Jahren) und weiß, was mir wichtig ist.
    Der Klang, mich selbst und auch andere zu hören, ist alles sehr blechern und hohl. Auch die Einstellung ist immer viel zu leise, so daß ich es bis zum letzten Anschlag selbst regulieren muß.
    Meine Akustikerin (noch sehr jung) versteht es überhaupt nicht und erwartet nun eine Entscheidung von mir.
    Wieviel Hörgeräte kann man maximal ausprobieren, um die richtige Enscheidung zu treffen? Kann ich mir einen anderen Höregeräteakustiker suchen? Meine Überweisung hat sie gleich beim 1. Besuch an meine Krankenkasse geschickt.

    Sie sind eine erfahrene Hörgeräteträgerin. Deshalb:

    a) wissen Sie: auch das beste Hörgerät der Welt ersetzt kein gesundes Ohr
    b) wissen Sie, was Sie von einem Hörgerät erwarten dürfen.

    Gerade der letzte Punkt ist ja entscheidend. Sie waren ja bisher auch mit Hörgeräten versorgt. Wenn diese einen vollen Klang gebracht haben, ohne dass es blechern klingt und ohne, dass die eigene Stimme Sie stört, dann sind das doch gute Hörgeräte. Die Frage ist, ob Sie nicht mit diesen Geräten bereits so gut versorgt sind, dass Sie gar keine neuen benötigen. Jedenfalls hat es keinen Zweck, gut funktionierende Geräte gegen weniger gut funktionierende einzutauschen.

    Aber unabhängig davon sollte die Hörakustikerin in der Lage sein, auch die neuen Geräte so einzustellen, dass es für Sie angenehm klingt. Ein paar Abstriche müssen Sie machen, wenn Sie mit einer Otoplastik versorgt sind und das Testgerät keine solche hat. Mit einer gut sitzenden neuen Otoplastik verbessert sich das Ergebnis dann nochmals deutlich.
    Grundsätzlich aber dürfen Sie von der Alustikerin erwarten, dass Sie die Geräte bis zur Zufriedenheit anpasst.

    Obergrenze bei Geräten und Zeit?

    Es gibt keine Obergrenze, wieviele Geräte Sie testen können und es gibt auch keine zeitliche Grenze. Ich kenne Leute, die 18 Monate lang getestet haben. Wenn’s halt so lange dauert, dann dauert’s halt so lang.
    Natürlich ist ein Akustikerstudio kein Wohlfahrtsbetrieb, der Ihnen monatelang eine unbegrenzte Zahl von Geräten anpassen und leihen kann. Davon können Akustiker auch ein Lied singen. Denn es gibt Leute, die nehmen 20-50 Stunden Arbeitszeit kostenlos in Anspruch und holen sich dann ein Hörgerät ganz woanders. Arbeitszeit und Geld zu verschenken haben Hörgeräteakustiker auch nicht.

    Wenn ernsthafte Absichten bestehen

    Aber wenn eine ernsthafte Absicht dahintersteckt, dann wird man Ihnen bereitwillig 5-10 Geräte zeigen. Die am besten geeigneten probieren Sie durch mehrtägiges Testhören aus. Dann sollten Sie die wichtigsten Unterschiede gehört haben. Es bleiben dann vielleicht 2 Geräte übrig, die in die engere Wahl kommen. Und die konfiguriert Ihnen ein guter Akustiker so lange, bis Sie auch hier den einen Favoriten gefunden haben. Und genau den muß der Akustiker im Gespräch und nach Rückmeldungen von Ihnen so lange optimieren, bis es eben nicht mehr hohl und blechern klingt.

    Sind 3 testgeräte genug?

    3 Geräte, die Sie getestet haben sind also vielleicht noch nicht genug. Auf der anderen Seite ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass 3 Geräte verschiedener Hersteller alle mies klingen.
    Auch dass die Lautstärke (Verstärkung) als zu leise empfunden wird, kann gar nicht sein. Hier kann der Akustiker die Grundeinstellung so vornehmen, dass Sie nichts mehr nachregeln müssen.

    Verordnung gleich an die Kasse geschickt

    Dass die Akustikerin Ihre Verordnung (ich nehme an, das meinen Sie mit „Überweisung“) gleich bei der Kasse eingereicht hat, zeugt davon, dass die Frau einen starken Geschäftssinn hat. Vielleicht geht der in diesem Fall über den Sinn für eine gute Kundenberatung.
    Die Verordnung geht erst dann an die Krankenkasse, wenn Sie sich endgültig entschieden haben, ob Sie den Auftrag zur Versorgung mit Hörgeräten diesem Hörgeräteakustiker überhaupt geben wollen.



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    Deshalb mein Tipp: Geben Sie nur Kopien ab!

    Wenn Sie vom HNO-Arzt eine Verordnung für ein Hörgerät bekommen, machen Sie sich Kopien davon. Diese geben Sie beim Hörgeräteakustiker ab. Dann weiß er, was zu tun ist und kann Sie entsprechend beraten.
    Finden Sie dann dort kein passendes Hörgerät oder keine ausreichende Beratung, dann können Sie bequem zu einem anderen Akustiker gehen. Die Original-Verordnung geben Sie erst aus den Händen, wenn Sie sicher sind, dass Sie bei diesem Hörgerätestudio bleiben möchten.

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