• Karls Weg zum Hörgerät – Teil 6 –

    Die neuen Hörgeräte in der Praxis

    Wie die Messergebnisse im vorherigen Teil dieser Serie eindeutig belegen, wurde die theoretische Sprachverständlichkeit durch die Hörgeräte erheblich verbessert. Aber wie bewährten sich die Hörgeräte in der Praxis? Wie kann ich die Verbesserung zu Hause messen? Kann ich jetzt tatsächlich alles besser verstehen?

    Der einfache Test mit dem Fernseher

    Ein einfacher Test lässt sich mit dem Fernseher machen. Mit den Hörgeräten regelte ich die Lautstärke des Fernsehers soweit herunter, dass ich die Sprache gerade noch einwandfrei verstehen konnte. Dann nahm ich die Hörgeräte heraus, und verglich die Verständlichkeit. In der Tat konnte ich dann nur noch Bruchteile verstehen. Allerdings ist das kein echtes k.o.-Kriterium, man könnte ja die Lautstärke des Fernehers wieder heraufdrehen. Also für den Fernseher bräuchte ich die Hörgeräte eigentlich nicht, obwohl sich meine Familie nun freut, dass die Lautstärke jetzt wieder von „schwerhörig“ auf „normal“ heruntergedreht werden kann.

    Das eigentliche „k.o.-Kriterium“ war eigentlich die bessere Sprachverständlichkeit bei den Sitzungen meiner verschiedenen Ehrenämter und Vereinstreffen. Anfänglich hatte ich tatsächlich Zweifel, ob sich hier die Situation erheblich verbessert hat, da ich in manchen Situationen einige Leise-Sprecher immer noch nicht richtig verstehen konnte. Aber wie finde ich das heraus? Dann machte ich den gleichen Test wie mit dem Fernsehen, ich nahm während der Sitzungen die Hörgeräte mal für einige Minuten heraus und verglich die Verständlichkeit. Und hier konnte ich in der Tat eine frappante Verbesserung der Verständlichkeit feststellen. Ohne Hörgeräte konnte ich nur die wenigen ganz lauten Sprecher bzw. meine Sitznachbarn verstehen, der Rest ging unter. Also bin ich eigentlich mit meinen Billig-Geräten sehr zufrieden. Ich sehe ein, dass ich damit kein perfektes Hören erlangt habe, aber eine erhebliche Verbesserung.

    Vogelgezwitscher!

    Mit dem besseren Hören verbesserte sich auch mein allgemeines Befinden. Mit Freude konnte ich feststellen, dass ich jetzt den Vogelgesang richtig wahrnehmen kann. Vorher vermutete ich, dass in meinem großen Garten eigentlich zu wenige Vögel sind, vermutlich weil meine halbwilde Katze da kräftig wildert. Ich hörte die Vogelstimmen einfach nicht. Jetzt kann ich stundenlang auf der Terrasse sitzen, nur um das muntere Vogelgezwitscher zu hören. In der Tat bin ich irgendwie jetzt wieder mehr „dabei“, ich nehme meine Umwelt positiver war. Da musste ich meinem neuen Hausarzt tatsächlich recht geben, als er mich auf das verbesserte allgemeine Wohlbefinden mit Hörgeräten hinwies.

    Anfänglich erschien mir der Klang mit dem Hörgeräten etwas blechern bzw. unnatürlich. Das ist vermutlich aber nur ein subjektives Empfinden, da jetzt auch die höheren Töne hörbar sind, und somit ein völlig anderes, noch ungewohntes Klangbild vorherrscht. Das Ohr braucht hier einige Wochen Training, bis es sich an das neue Klangbild gewohnt hat. Der Akustiker rät hier zu Recht, das Hörgerät wegen des Lerneffekts eigentlich immer zu tragen, ausgenommen während der Nachtruhe.

    Bemerkungen zu den Otoplastiken

    Der Tragekomfort der beiden Geräte ist gut. Sie machen sich so gut wie nicht bemerkbar und sind nicht lästig. Die kleineren Tulpeneinsätze, die ich vorher getestet hatte, erzeugten teilweise einen leichten Juckreiz, während dieses bei den Otoplastiken überhaupt nicht auftritt. Hier muss einschränkend gesagt werden, dass die Otoplastiken bei Akustiker 1 besser saßen. Die Otoplastiken von Akustiker 2 rutschen teilweise heraus, wobei das Hörgerät sich nur durch den Schlauch noch am Ohr hält. Einmal beim Beerenpflücken verlor ich sogar das rechte Gerät, vermutlich weil ich einen Zweig mit dem rechten Ohr streifte. Ich bemerkte es nicht sofort, aber konnte das Gerät nach einiger Zeit wieder finden, da ich mich nur auf wenigen Quadratmetern inzwischen bewegte.

    Aber die Sache musste ich doch mit einem erheblichen Schreck und 15 min Suchen mit Graßbüschel-Herausreißen bezahlen. Inzwischen habe ich auch herausgefunden, wenn ich die Brille zwischen Hörgerät und Ohr, also außen, aufsetze, ist es mit dem Herausrutschen weniger kritisch. Beim normalen „Brillen-Aufsetzen“ klemmen sich die Bügel normalerweise zwischen Kopf und Hörgerät, so dass letztere außen liegen. Aber bei der Nachuntersuchung nach 6 Wochen wurde das Prolem auch gelöst: die Otoplastik wurde mit einem vermutlich raueren Speziallack eingepinselt, und seitdem sitzt das Ding ordentlich.

    Nachtrag 1 Jahr später nach der ersten Sitzung:

    Diese Woche ist es nun 1 Jahr her seit dem ersten Anpassen, und ich war diese Woche beim Akustiker 2 zur fälligen Inspektion. Hier wurde ein erneuter Gehörtest (ohne Geräte) durchgeführt mit dem Ergebnis, dass sich mein natürliches Gehör geringfügig verbessert hat. Eigentlich hatte ich das Gegenteil erwartet, da man ja schließlich ein Jahr älter geworden ist. Akustiker 2 erklärte mir das und meinte, dass durch das Tragen der Hörgeräte bestimmte Reize im Ohr entstehen, die die Haarzellen im Innenohr (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Ohr) teilweise regenerien. Da beim Hörtest festgestellt wurde, dass die Gehörkurve nur sehr geringfügig anders verlief als vor einem Jahr, wurde das Gerät nicht neu eingestellt.

    Vor einigen Monaten verlor ich das rechte Hörgerät, konnte es aber am nächsten Tag auf einem Gehweg wiederfinden. Mindestens 1 mal wurde auf das Gerät getreten, und die Otoplastik wurde dabei in viel Splitter „zerlegt“, während das Hörgerät selbst und die inner Elektronik das Getrampel unbeschadet überstand. Bei meiner nächsten Sitzung beim Akustiker B hatte ich die Wahl, mir (vermutlich kostenlos bzw. von der Krankenkasse erstattet) eine neue Otoplastik anfertigen zu lassen, aber ich entschied mich für die einfachen Tulpeneinsätze auf beiden Ohren. Das funktionierte ganz gut, aber der Rückkopplungseffekt nahm doch erheblich zu, zumindest wenn ich meine warme Winterjacke mit hohen Kragen trug, oder bei bestimmten Stellungen im Fernsehsessel.

    Bei dieser 1. Jahresinspektion teile ich das dem Akustiker 2 mit, und er empfahl mir eine ganz neuartige Doppeltulpe, die es in 2 verschiedenen Größen gibt. Und siehe da, die Doppeltulpe brachte 3 erhebliche Verbesserungen: 1. Der Rückkopplungseffekt war total verschwunden, ist sogar noch effektiver als bei den aufwändigeren Otoplastiken, 2. die Hörgeräte sitzen jetzt sehr gut und wandern nicht von selbst nach außen, 3. die Lautstärke wurde als stärker empfunden, sodass ich mit dem 2. Programm bzw. Kanal auskomme, der die Lautstärke um 6 dB dämpft. Allerdings habe ich die größere Tulpe für die tolle Verbesserung nehmen müssen, da bei der kleineren Doppeltulpe der Rückkoplungseffekt auch stark bemerkbar war. Verglichen mit der kleinen Tulpe saß die große vermutlich besser, d.h. sie schloss den Gehörgang dichter ab.

    Am Ende dieser doch erfolgreichen Sitzung drückte Akustiker 2 mir ein ein große Packung Batterien in die Hand, sowie Reinigungstücher und 4 Ersatzschläuche, und das alles kostenfrei. Den Service lasse ich mir gefallen! Was mir nicht gefiel, war das Wetter an diesem Tag. Ich konnte bis jetzt immer mit dem Fahrrad fahren und das schöne Rhein- und Ahrtal genießen, aber aufgrund des Aprilwetters seit Jahresbeginn musste ich widerwillig das Auto nehmen.

    Die neue Doppeltulpe, sowie die vorherige Einzeltulpe, verursachten anfangs einen geringfügigen Juckreiz, der sich aber nach einigen Stunden Tragen immer geringer wurde. Vielleicht erzeugen die neuen Tulpen bzw. der Kunsstoff irgendwelche Ausdünstungen, die sich dann aber verlieren.



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    Weiterer Nachtrag 18 Monate nach erster Sitzung: Die Doppeltulpe war für das linke Hörgerät, das ja einen recht hohen Verstärkungsgrad haben muss, doch nicht so gut, es gab doch wieder Rückkopplungseffekte. Der Akustiker 2 verpasste mir da wieder eine Otoplastik, die diesmal hervorragend saß. Er nahm meine Beanstandungen für die ersten Otoplastiken wohl ernst, welche m.E. viel zu groß geraten waren und deswegen immer heraus rutschten.

    Dieser mehrteilige Erfahrungsbericht erschien zuerst auf Karls Webseite: http://dk5ec.de/Hoergeraet/hoergeraete.htm. Wir dürfen seine Erfahrungen mit freundlicher Genehmigung hier wiedergeben. Bitte besuchen Sie auch die Webseite des Autors. Die hier gemachten Angaben, abgegebene Empfehlungen und geäußerten Meinungen sind allein Aussagen des Autors Karl
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