• Karls Weg zum Hörgerät – Teil 3 –

    Neuer Hausarzt

    Im Januar 2011 musste ich mich bei meinem neuen Hausarzt vorstellen, da mein bisheriger aus finanziellen Gründen aufgeben musste. Der neue Doktor baute letztendlich mein hohes Misstrauen gegen die Hörgeräte ab, und zwar mit folgenden Argumenten: Mit Schwerhörigkeit bekommte man das Ein oder Andere nicht mit, dass ist aber nicht das Schlimme. Schlimmer ist, dass man dadurch beginnt, sich so langsam vom Umfeld innerlich abzukapseln. Man redet sich ein, das Gehörte war vermutlich doch nicht so wichtig, was soll’s. Man verliert den Mut, immer noch mal nachzufragen. Zuletzt sagt man sich, warum soll ich denn da überhaupt noch hingehen oder teilnehmen, ich kriege ja ehe nur die Hälfte mit. Mit anderen Worten: der psychologische Faktor ist bei weitem gravierender als die physische Beeinträchtigung. Aus diesm Blickpnkt hatte ich es so noch nie betrachtet, aber es leuchtete mir ein. Das erinnerte mich irgendwie an die Zeit, als ich Mitte Vierzig war, und mir erst nach langen Zögern eine Brille zulegte. Die neue Brille verhalf mir nicht nur zum besseren Lesen, sondern befreite mich auch von Unlust zu Lesen und erhöhte mein gesamtes Wohlbefinden. Also auf zum Hörgeräte-Akustiker!

    Auswahl des Hörgeräte-Akustikers

    Durch die Fernseh-Berichterstattung vorgewarnt, wollte ich mich erst mal im Internet schlau machen. Hier bekommt man eine ungefähre Preisvorstellung, ohne jedoch zu wissen, welches Hörgerät denn nun wirklich zu einem passt. Bei den „guten“, d.h. hochpreisigen Geräten konnte man da schon einen Preisunterschied von bis zu € 400.- herausfinden, allerdings ohne Angabe der zwingend notwendigen Zusatzleistungen. Ich habe im Netz auch nur zwei Akustiker-Firmen gefunden, die konkrete Preisangaben gemacht haben. Allerdings waren die Beiden über 100 km entfernt, also kamen die nicht Frage. Also ging ich einfach zu dem nächst gelegenen Laden, der einer größeren Akustiker-Kette gehört. Die Nähe spielt insoweit eine Rolle, da man öfters den Service in Anspruch nehmen muss, bis das Gerät tatsächlich optimal eingestellt ist.

    Hier wurde ich sehr kompetent beraten und noch mal genau untersucht. Bei der zweiten Sitzung hatte ich bereits ein passables Gerät (Siemens Pure 501) mit extra für meine Ohren hergestellten Passstücke, sog. Otoplastiken. Nach der dritten Sitzung hatte der Akustiker eigentlich alles optimal eingestellt, nachdem ich ihm meine Wünsche vorgebracht hatte. Es war zwar nicht perfekt, ich musste mich an den etwas blechernen Klang erst gewöhnen, aber bei den „Meetings“ konnte ich ein erhebliche Verbesserung feststellen.

    Die vorläufige Rechnung

    Es wurde danach eine vorläufige Rechnung erstellt, die mir nach der 4. Sitzung ausgehändigt wurde. Hier staunte ich nicht schlecht, obwohl ich so etwas befürchtet hatte: Es waren satte € 5600.-, wobei über € 4000.- Eigenanteil für mich dabei waren.

    Kostenvoranschlag beim Hörgeräte-Akustiker 1
    © Karl, http://dk5ec.de/Hoergeraet/hoergeraete.htm

    Kostenvoranschlag beim Hörgeräte-Akustiker 1

    Den optionalen Schutzbrief kann man hier evtl. noch abziehen, da gewisse Service-Leistungen in den Service-Pauschalen enthalten sind. Ich besprach die ganze Sache noch mal meiner Frau, und überdachte meine augenblickliche finanzielle Situation. Ich hatte vor einigen Wochen mit größeren Renovierungsarbeiten begonnen, für die meine gerade flüssigen Mittel eigentlich schon verbraucht waren. Also was tun? Also noch mal eine Internet-Recherche, und fand eine andere Kette, die eigentlich eher für Brillen bekannt ist, aber neuerdings auch Hörgeräte anbietet. Na, dachte ich, fragen kost‘ nix, und rief mal an. Ich erfragte den Preis für das o.a. Siemens Pure 501, und erfuhr da, dass das Ganze mich bei ihm gute € 1000.- weniger kosten würde. Dieser Akustiker 2 fragte, ob es denn unbedingt dieses Pure 501 sein müsste, da es doch gleichwertige Geräte gäbe, und wo ich ggf. nur insgesamt 1200.- Eigenleistung hinblättern müsste.

    Das ist doch ein Angebot, dachte ich, und machte gleich einen Termin aus. Der große Nachteil hierbei war allerdings, dass dieser Akustiker 2 nicht zu Fuß zu erreichen war, sondern knappe 50 km entfernt war. Ich rechnete hin und her, Spritkosten für jede Sitzung, Zeitwand und so weiter. Zeit war für mich als Rentner eigentlich kein Argument, und für die fast € 3000.- Minderkosten würde ich sogar bis nach Südafrika fahren können. Ich machte mich dann am nächsten Tag zum Akusstiker 1 auf, und gab ihm die noch nicht gekauften Geräte zurück. Zugegebener Maßen hatte ich dabei ein bisschen ein schlechtes Gewissen, der er sich wirklich um mich bemüht hatte, aber bei dem Preisunterschied hatte ich eigentlich keine andere Wahl. Er bot mir dann zwar noch ein preiswerteres Gerät an, aber dann wollte ich nicht mehr, weil ich mich ein bisschen verarscht fühlte.

    Letztendlich verursachte die Entscheidung für den 50 km entfernten Akustiker 2 doch kaum Spritkosten. Im Gegenteil, es war für meine Gesundheit förderlich, da zwischen meinem Wohnort und Akustiker 2 die schönste Fahrradstrecke in der Region liegt. Aus den 2×50 km Autofahrt (je 1 Stunde) wurden 2x 38 km Fahrrad-Tour (gut je 2 Stunden) , die ich sehr genoss. Wie gesagt, ich bin Rentner, und habe unendlich viel Zeit. Im Zielort Bad Neuenahr kehre ich zu Mittag ein, und mache an Ahr und Rhein einige Male Halt, um den Fischreihern oder Schiffen zuzuzsehen. Akustiker 2 war also ein willkommener Anlass, meinen inneren Schweinehund zu überwinden und jedes mal eine längere, aber herrliche Fahrradtour in Angriff zu nehmen. Bis jetzt war mir das Wetter auch immer gut gesonnen.



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    Dieser mehrteilige Erfahrungsbericht erschien zuerst auf Karls Webseite: http://dk5ec.de/Hoergeraet/hoergeraete.htm. Wir dürfen seine Erfahrungen mit freundlicher Genehmigung hier wiedergeben. Bitte besuchen Sie auch die Webseite des Autors. Die hier gemachten Angaben, abgegebene Empfehlungen und geäußerten Meinungen sind allein Aussagen des Autors Karl
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