Das Gehirn muss sich an das Hörgerät gewöhnen

Mit einem Informationstag will am Sonnabend, dem 27. April, der Sächsische Landesverband der Schwerhörigen und Ertaubten auf die Gefahren von Lärm fürs Gehör aufmerksam machen.

Dabei wird der Verband von Experten des Cochlea-Implantat-Zentrums Leipzig unterstützt. „Beim Sächsischen Hörtag geht es vor allem um Informationen, welche Möglichkeiten aus medizinischer Sicht den Betroffenen bei Schwerhörigkeit oder gar Ertaubung angeboten werden können“, so Prof. Dr. Michael Fuchs, Ärztlicher Leiter des Leipziger Cochlea-Implantat-Zentrums am Universitätsklinikum.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht in diesem Jahr die Rehabilitation für Hörgeschädigte. „Es gibt sehr gute technische Möglichkeiten, den Betroffenen apparativ oder operativ zu helfen“, sagt Prof. Fuchs, der am Universitätsklinikum Leipzig die Sektion Phoniatrie und Audiologie leitet. Zum einen arbeiten die Hörgeräte immer besser, zum anderen steht mit dem Cochlea-Implantat eine Lösung für besonders schwere Hörschädigungen bereit, die in Leipzig schon vielen Patienten half.

In beiden Fällen zugleich ist es aber wichtig, dass sich das Gehirn an die Hörhilfe gewöhnen muss – und dafür ist es eine sorgsame, oft langwierige Rehabilitation nötig. „Bei Patienten mit Cochlea-Implantat muss nach den medizinischen Leitlinien eine Hörrehabilitation stattfinden“, so der Leipziger HNO-Arzt. „Die dauert in der Regel immerhin zwei Jahre, bei Kindern sogar drei Jahre. Da ist es aus meiner Sicht eine Ungerechtigkeit, dass Hörgeräte-Patienten nicht die kleinste Reha bekommen, um sich an die neue Technik zu gewöhnen.

Dabei würde es einigen dieser Patienten sehr gut helfen.“ Zugleich wird Prof. Fuchs am Hörtag darauf aufmerksam machen, dass viele Patienten sich auch mit 60 Jahren für „noch zu jung“ halten, um ein Hörgerät zu benutzen. „Wenn der Arzt ein Hörgerät empfiehlt, macht er das doch aus gutem Grund. Diesen Rat aus einer gewissen Eitelkeit beiseite zu wischen, kann sich rächen. Denn nach unseren Erfahrungen haben Patienten, die zu lange mit der Hörgeräteversorgung warten, große Schwierigkeiten, sich später an die Technik zu gewöhnen.

Meine Bitte deshalb: Hören Sie auf Ihren Arzt, probieren Sie zumindest eine Versorgung mit einem Hörgerät, wenn er sie verschreibt.“ Auf besonderes Interesse beim Hörtag stoßen sicher die Vorträge der beiden Chefärzte aus medizinischen Einrichtungen, die sich auf Hörrehabilitation spezialisiert haben. Die Kliniken in Bad Grönenbach und Bad Berleburg widmen sich nicht nur Patienten mit allen Hörstörungen, sondern auch denen mit Tinnitus.

Info:

8. Sächsischer Hörtag in Leipzig

27.04.2019, 10 bis 16.15 Uhr
Universitätsklinikum Leipzig
Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Liebigstr. 12, Haus 1

Universitätsklinikum Leipzig AöR
Das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) blickt gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät als zweitältester deutscher Universitätsmedizin auf eine reiche Tradition zurück. Heute verfügt das Klinikum mit 1450 Betten über eine der modernsten baulichen und technischen Infrastrukturen in Europa. Zusammen mit der Medizinischen Fakultät ist es mit über 6000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Stadt Leipzig und der Region. Jährlich werden hier über 400.000 stationäre und ambulante Patienten auf höchstem medizinischen Niveau behandelt. Diese profitieren von der innovativen Forschungskraft der Wissenschaftler, indem hier neueste Erkenntnisse aus der Medizinforschung schnell und gesichert in die medizinische Praxis überführt werden.

PRESSEMITTEILUNG



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BILD: Pixabay

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