• Wenn Medikamente Sie schwerhörig machen – Alles über ototoxische Medikamente

    Hätten Sie gedacht, dass Medikamente Ihr Gehör schädigen können?
    Und dabei handelt es sich zum Teil um ganz herkömmliche, frei verkäufliche Medikamente.

    Erfahren Sie in diesem Artikel alles Wissenswerte über diese ototoxische Medikamente und ihre möglichen Nebenwirkungen und was Sie als Patient bei der Einnahme eines ototoxischen Medikaments tun können, um Ihr Gehör zu schützen.

    Was sind ototoxische Medikamente?

    Medikamente, die das Gehör schädigen können nennt man ototoxische Medikamente.
    „Ototoxisch“ heißt wörtlich übersetzt „giftig für das Ohr“.
    Gemeint ist damit ein Wirkstoff, ein Medikament oder auch eine Chemikalie, die als unerwünschte Nebenwirkung Ihr Innenohr schädigen kann.
    Sie werden sich fragen, weshalb Ihr Arzt wissentlich ein Medikament verschreibt, das Ihr Gehör schädigen kann?
    Vermutlich hat er eine Risiko-Abwägung vorgenommen und die Vorteile die dieses Medikament bietet, überwiegen.
    Außerdem müssen Nebenwirkungen nicht zwangsläufig bei jedem Pazienten auftreten.

    Immerhin werden mehr als einhundert Medikamente als ototoxisch eingestuft.
    Im Folgenden haben wir Ihnen einige Beispiele für Medikamente aufgelistet, deren ototoxische Wirkung auch von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz bestätigt wurde. Darüberhinaus gibt es aber viele weitere Substanzen. Lesen Sie immer auch die Beipackzettel.

    • Antibiotika:
      • Aminoglycoside wie Streptomycin, Cihydrostreptomycin, Gentamycin, Amikacin
      • Sonstige: Antibiotika der Tetracyclin-Gruppe, Erythromycin, Vancomycin
    • Bestimmte Medikamente aus der Chemotherapie: Cisplatin, Carboplatin, Bleomycin
    • Bestimmte Diuretika, die zur Behandlung von Herzinfarkten, Leberzirrhosen, Bluthochdruck, Wasservergiftungen oder Nierenversagen eingesetzt werden: Furosemid, ethacrynische Säure, Piretanid, Bumetanid
    • Bestimmte Schmerz- und fiebersenkende Mittel: Salicylate, Quinine, Chloroquine

    Zu den Medikamenten, die eine rückbildungsfähige Innenohrschwerhörigkeit auslösen können, gehören

    • bestimmte Schmerz- und Rheumamittel wie Acetylsalicylsäure und nicht steroidale Antirheumatika. Studien zufolge kommt es dabei aber sehr auf die Einnahmedauer und die Dosierung an.
    • sogenannte Schleifendiuretika (Mittel zur Ausschwemmung von Wasseransammlungen im Körper).
    • Malariamittel, hier vor allem Chinin,
    • Zytostatika wie Cisplatin oder Carboplatin zur Behandlung von bösartigen Tumoren.

    Solche ototoxischen Medikamente können jeden Menschen betreffen. Wie oben bereits erwähnt, treten die Nebenwirkungen aber nicht bei jedem Patienten auf, der eines dieser Medikamente einnimmt. Allerdings bei chemotherapeutischen Substanzen ist die Wahrscheinlichkeit gehörbezogener Nebenwirkungen größer, bei anderen Medikamenten hingegen wesentlich geringer.

    Symptome bei ototoxischen Medikamenten

    Hörverlust ist eine der häufigsten unerwünschten Reaktionen auf ototoxische Medikamente.

    Obwohl Wissenschaftler noch nicht ergründen konnten, was den Hörverlust letztendlich auslöst, handelt es sich ihrer Meinung nach wahrscheinlich um eine Schallempfindungsschwerhörigkeit. Die Schallempfindungsschwerhörigkeit ist die am häufigsten auftretende Form des Hörverlusts und kann viele Ursachen haben. Sie tritt auf, wenn die empfindlichen Haarzellen im Innenohr beschädigt werden.

    Regeneriert sich das Gehör nach Abschluss der Behandlung, wenn das Medikament wieder abgesetzt wird? Leider ist dieser Hörverlust in vielen Fällen dauerhaft und irreparabel. Er lässt sich aber behandeln.

    Was Sie tun können

    Bewahren Sie Ruhe. Geraten Sie nicht in Panik, wenn Sie eines der ototoxischen Medikamente einnehmen sollen.
    Ihr Arzt weiß, was er tut. Sprechen Sie ggfs. über Ihre Bedenken mit ihm. Je kürzer der Einnahmezeitraum dieser Medikamente ist, umso geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass die unerwünschte Nebenwirkung eintritt.

    Sofern Sie über einen längeren Zeitraum ein Präparat einnehmen müssen, von dem bekannt ist oder vermutet wird, dass es ototoxisch ist, sollten Sie unbedingt Ihr Gehör regelmäßig prüfen lassen.
    Gehen Sie vor Beginn der Behandlung zu einem Härakustiker oder HNO-Arzt und lassen Sie einen Hörtest machen.
    So haben Sie Vergleichswerte, die Ihnen sagen, ob sich Ihr Hörvermögen im Laufe der Therapie verändert hat.
    Wiederholen Sie diesen Test in regelmäßigen Abständen.

    Vorsicht beim Zusammenwirken mit Lärm

    Oft löst ein ototoxisches Medikament nicht direkt einen Hörverlust aus. Stattdessen macht es macht das Ohr nur anfälliger für einen durch Lärm ausgelösten Hörverlust. Aus diesem Grund sollten Sie Ihr Gehör besonders schützen, indem Sie entweder laute Umgebungen meiden oder einen Gehörschutz tragen.

    Gehen Sie unbedingt zum Arzt, wenn Sie Klingelgeräusche im Ohr hören oder auf einmal bestimmte Töne nicht mehr richtig hören.
    Aber selbst wenn eine Arznei ototoxisch ist, hat Ihr Arzt es Ihnen aus gutem Grund verschrieben.
    Bitte setzen Sie Medikamente nie ohne Rücksprache mit Ihrem Arzt ab.

    § Hinweis:

    Diese Einschätzung beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und gibt ausschließlich meine Meinung wieder. Zu Rechts-, Steuer- und medizinischen Themen sollten Sie immer einen ausgewiesenen Fachmann fragen. Das ist oft günstiger als man denkt. Verlassen Sie sich nie auf Erkenntnisse, die Sie sich nur im Internet zusammengefischt haben!



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    Bild: Pexels / Pixabay
    Tabelle Medikamente: https://blog.medel.com/de/was-sie-ueber-ototoxische-medikamente-wissen-sollten/

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