• Hörbehinderungen: Gehörlos, taub, schwerhörig

    Menschen, die nicht richtig hören können, haben eine Hörbehinderung.
    Unter diesem Oberbegriff sind aber mehrere weitere Bezeichungen zusammengefasst, die sich nach dem Grad des Hörverlustes bemessen.

    Hörbehinderung ist aber nicht gleich Hörbehinderung

    Es gibt natürlich völlig verschiedene Formen der Hörbehinderung. Personen, die bereits gehörlos oder mit einer starken Hörbeeinträchtigung geboren wurden, haben Probleme beim Spracherwerb. Personen, die erst später schwerhörig werden oder ertauben sind ebenso mit dem Begriff schwerhörig gemeint, wie Personen, die aufgrund des Alters die hohen Frequenzen nicht mehr gut hören.

    Das Panorama reicht also von leichten Hörverlusten über hochgradige Schwerhörigkeit bis hin zu völliger Taubheit.

    Hörbehinderung medizinisch gesehen

    Aus HNO-ärztlicher bzw. aus audiologischer Sicht gibt es einige Abstufungen bei der Hörbehinderung, je nach durchschnittlichem Resthörvermögen, auch mittlerer Hörfrequenzbereich genannt. Der jeweilige Hörverlust wird mittels eines Audiogramms bei verschiedenen Tonfrequenzen ermittelt.

    Welche Formen gibt es?

    • Unter Schwerhörigkeit wird ein mittlerer Hörverlust bei etwa 50 Dezibel (dB) verstanden. Betroffene hören erst ab dieser dB-Schelle die Töne. Zudem gibt es leichte Schwerhörigkeit (20 bis 40 dB Hörverlust) sowie die hochgradige Schwerhörigkeit (60 bis 80 dB Hörverlust).
    • Resthörigkeit beschreibt einen Hörverlust ab etwa 90 Dezibel. Das wird auch „an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit“ genannt.
    • Gehörlos beziehungsweise taub ist eine Person, wenn der Hörverlust mehr als 120 dB beträgt.

    Was ist damit gemeint?

    Eine Uhr am Arm tickt mit etwa 20 Dezibel. Eine normale Unterhaltung misst 55 Dezibel.
    Verkehrslärm bringt es auf etwa 75 Dezibel und die Hupe eines PKW ist mit einem hochgradigen Hörverlust von rund 110 Dezibel akustisch noch wahrnehmbar.

    Hilfen für hörbehinderte Menschen

    Das weitverbreitetste Hilfsmittel ist das Hörgerät.
    Moderne digitale Hörgeräte können einen großen Teil des Hörverlusts ausgleichen.
    In den Powervarianten geht das auch für eine Schwerhörigkeit, die an Taubheit grenzt.

    Beim Cochlea Implantat (CI) – einer Innenohrprothese, werden Elektroden in einer Operation in die Hörschnecke eingeführt. Es bringt bessere Hörresultate bei einer größeren Bandbreite wahrnehmbarer Frequenzen.

    Außerdem gibt es zahlreiche elektronische Hilfsmittel. Diese wandeln akustische Signale in visuelle oder taktile Signale um, sodaß hörbehinderte Menschen Audiosignale sozusagen sehen können. Dazu zählen: Lichtklingel, Vibrationswecker sowie Untertitelung im Fernsehen.

    Gehörlose Menschen, die mit anderen über die Gebärdensprache kommunizieren, können für Gespräche mit nicht hörbehinderten Menschen, die die Gebärdensprache nicht verstehen, Gebärdensprachdolmetscher hinzuziehen.

    Ursachen der Hörbehinderung

    Gehörlosigkeit vererbt worden sein. Das betrifft aber nur rund 5% aller hörbehinderten Menschen.
    Wesentlich häufiger wird die Hörbeeinträchtigung durch eine Erkrankung entweder vor, während oder nach der Geburt erworben.

    Ansonsten ist der Anteil der altersschwerhörigen Menschen sehr groß. Die Wissenschaftler sind sich noch uneins ob das eine reine Alterserscheinung ist oder das Ergebnis der Summe aller überlauten Höreindrücke eines Lebens. Wenn man allerdings sagt, dass Schädigungen durch Lärm sich aufsummieren und im Alter zu einer Presbyakusis führen können, sagt man nichts Falsches.



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    Taub oder taubstumm?

    Die meisten gehörlosen Menschen ziehen den Ausdruck „taub“ gegenüber „gehörlos“ vor. Bei taub wird das Defizit nicht so in den Fokus gerückt. Garnicht gerne mögen die Betroffenen den Ausdruck „taubstumm“, da er Sprachlosigkeit (damit ist nicht das Sprechen, sondern die Fähigkeit, sich auszudrücken, gemeint, etwa über die Gebärden- oder die Schriftsprache) suggeriert.
    Außerdem steht er etymologisch dem Wort „dumm“ nahe. Deshalb wird dieser Ausdruck von den meisten hörbehinderten Menschen als Diskriminierung empfunden.

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