• Phonak Audeo Marvel – erste Eindrücke

    Mit der Marvel-Plattform präsentiert der weltweit marktführende Schweizer Hörgerätehersteller Sonova in seiner Sparte Phonak eine ganz neue und durchaus revolutionäre Hörgerätetechnologie.

    Alles was es an Hörgerätetechnik gibt in einem Gerät

    Ich sage es gleich vorneweg: Das was die Schweizer können, das können andere auch, zumindest teilweise.
    Doch wir haben auf dem EUHA-Kongress in diesem Jahr kein anderes Hörgerät gesehen, das alles, was es an modernster Hörtechnik gibt, in einem Gerät vereint.
    Mit anderen Worten: Jeder Hörgerätehersteller hat sein Highlight. In den Marvel-Geräten von Phonak sind sie aber alle vereint.

    Hörgerät einfach ins Ohr stecken? Geht nicht!

    Ich sage immer wieder, dass es eine Illusion ist, sich ein Hörgerät zu kaufen, es einfach ins Ohr zu stecken und dann gut damit zu hören.
    Jedes Hörgerät erfordert eine umfangreiche und manchmal langwierige Anpassung, sonst klappt es mit dem guten Hören nicht.

    Aber jetzt muss ich sagen: Vielleicht geht das doch.

    Denn ich habe die Phonak Audéo M-R in der Technikstufe 90, also die Spitzengeräte aus dem Hause Phonak mit der neuen hauseigenen Anpassstrategie anpassen lassen und ich habe den WOW-Effekt erlebt.

    Natürliche Stimmen

    Ich bin als Fachjournalist und Hörexperte nicht leicht zu beeindrucken. Aber diese Hörgeräte begeistern mich.
    Nach langer Zeit habe ich meine eigene Stimme zum ersten Mal wieder natürlich wahrgenommen.
    Fast konnte ich mich nicht mehr daran erinnern, wie das früher geklungen hat, und deshalb klang das im ersten Moment sehr fremd für mich.

    Aber schon nach ganz kurzen Stunden war ich in diesen neuen Klang regelrecht verliebt.
    Auch die Stimmen anderer Personen klingen satter, voller, nicht mehr spitz und blechern, sondern eben einfach natürlicher.

    Stresstest im Restaurant Störgeräusch

    Mein erster Weg mit den neuen Marvel-Hörgeräten führte mich in ein Restaurant.
    Das ist für mich immer der Hörgeräte-Stresstest Nummer Eins. Denn Geschirrgeklapper, Gläserklirren, rauschende Kaffeemaschinen, Stimmengewirr und Hintergrundmusik bringen jedes Hörgerät an seine Grenzen.

    Erst letzte Woche habe ich meine bisherigen Hörgeräte in einer solchen Situation voll ausgereizt. Irgendwann war ein klares Sprachverstehen nicht mehr möglich.

    Mit der aktuellen Marvel-Technologie ist das anders. Selbst aus 5 verschiedenen Stimmen konnte ich die meines Gesprächspartners deutlich heraushören. AutoSense OS 3.0 macht es möglich. Neben den Programmen Verstehen im Störgeräusch und Komfort im Störgeräusch bietet es jetzt auch die Funktion „Verstehen im lauten Störgeräusch“. Dabei bilden die Mikrofone einen Richtfokus nach vorne. das heißt, man hört weniger von hinten und von der Seite, aber deutlich mehr aus einer gezielten Richtung, die der Blickrichtung entspricht.

    3 individuelle Programme sind möglich

    Ich habe mir das Programm „Verstehen im lauten Störgeräusch“ auch auf einen manuell wählbaren Programmplatz legen lassen.

    Übrigens: Freie Programmplätze gibt es nur noch 3, bei den B-direkt-Geräten waren es noch 4. Das ist der verbesserten Streamingfunktion für Musik und Telefon geschuldet.

    Aber, ich habe festgestellt, dass ich gar nicht mehr so oft manuell hin und her schalte (obwohl ich das ja am Anfang schon aus Testzwecken tue), weil AutoSense 3.0 noch schneller und besser auf verschiedene Hörsituationen eingeht.

    Formfaktor: Nix Neues, aber spitze

    Der Formfaktor der Hörgeräte hat sich so gut wie nicht geändert. Warum auch? Denn die bisher gefundene Form war schon sehr gut.
    Der Bauch der Hörgeräte ist etwas schlanker geworden und die Akku-Geräte sind einen Hauch länger, als meine bisherigen B-direkt.
    Damit liegen sie sehr gut hinterm Ohr und ich habe sie nach wenigen Minuten schon vergessen, denn man spürt sie als altgedienter Hörgeräteträger noch weniger, als die vorherigen.
    Das wird auch die Akzeptanz bei Hörgeräte-Neulingen steigern.

    Mit nur 2,2 Gramm (gemessen auf der Präzisionswaage) haben die Hörgeräte einfach kein nennenswertes Gewicht.
    Da zieht und drückt absolut nichts.

    FAZIT: Der erste Eindruck – spitze

    Einfach klasse! Natürlicher Klang, sehr gutes Herausfiltern von Störgeräuschen, kristallklares Sprachverstehen.
    Und das alles ohne eine aufwendige Anpassung, sondern nur mit dem First-Fit von Phonak1. Lediglich den Rückkopplungsmanager haben wir drüberlaufen lassen und die Gesamtlautstärke angepasst, die war mir zu niedrig. Schon damit klingen die „Marvels“ super. Natürlich folgt noch die individuelle Anpassung an mein Hördefizit.

    1 Genügt die eigene Anpassstrategie der Hörgerätehersteller?

    Jeder Hersteller bietet eine Anpasssoftware für Hörakustiker. In denen kann der Hörakustiker die Werte eingeben, die für den jeweiligen Kunden notwendig sind, damit die Hörgeräte optimal auf ihn eingestellt sind.
    In einem Hörgerät können hunderte, ja tausende von Parametern verändert und angepasst werden.
    Um das Rad nicht jedesmal neu erfinden zu müssen, gibt es die sogenannten Anpassformeln.

    Leser Sie hier eine tolle Erklärung zum Thema Anpassformeln von Dr. Rodin Riemenschnayder:

    Es gibt verschiedene Wege, um die grundlegenden Einstellungen eines Hörgeräts vorzunehmen. Die einen Akustiker schwören auf die eine Anpassformel und andere Hörakustiker bevorzugen eine andere. Das Ergebnis ist letztlich immer: Gutes Hören.
    Die Hersteller entwickeln aus den Standard-Anpassformeln aber stets noch eigene Abwandlungen, die ganz besonders auf die Features ihrer Produkte eingehen.
    Und genau diese Anpassformel, die Phonak für die Marvel-Geräte den Akustikern an die Hand gibt, meine ich mit dem „First fit“.

    Man muss, wenn diese Formel verwendet wird, wie ich schon sagte, das Rad nicht neu erfinden und an zig „Stellschrauben“ in der Software drehen, um ein gutes Stück voran zu kommen.
    Selbstverständlich ersetzt dieses Firstfit nicht die akkurate Arbeit des Hörakustikers, der die individuelle Hörproblematik des einzelnen Kunden berücksichtigen muss.



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    Bilder: hoergeraete-info.net

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