• Hörgerät: Was ist von Billigangeboten aus dem Netz zu halten?

    Liebes Team von Hörgeräte-Info.net,

    ich finde immer wieder Hörgeräte (auch auf Internetportalen) für 150 – 200 Euro. Diese werden in der Ohrmuschel getragen.
    Auf was für einer Technik basieren sie und was ist davon grundsätzlich zu halten?
    Lohnt es sich denn, diese in die engere Wahl zu ziehen und zu testen?
    Mein Vater soll ein Hörgerät bekommen. Er ist altersschwerhörig mit 70% Hörverlust bei 65dB insbesondere bei hohen Frequenzen (beide Ohren) und normal bei tiefen Frequenzen. Das vom Akustiker derzeit zum Test angebotene Hinterohrgerät liegt bei ca. 1200 – 1800 Euro. Können Sie mir auch etwas zu Kassen-Geräten sagen?

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort

    Deshalb benötigen Sie ein Hörgerät vom Hörgeräteakustiker

    Eine Hörminderung, wie Sie sie beschreiben, bedarf einer sachgerechten Versorgung mit einem geeigneten Hörgerät.
    Dieses muss vom Ohrenarzt verordnet und von einem Hörgeräteakustiker angepasst werden.
    Es muss eine exakte Abstimmung hinsichtlich der Verstärkung und der Frequenzen erfolgen.
    Die Anpassung ist auch keine einmalige Sache. Zunächst einmal muss gemeinsam mit dem Akustiker das geeignete Hörgerät gefunden werden. Danach muss dieses in mehreren Sitzungen, die sich über Monate hinziehen können, individuell auf den Kunden und sein Hörprofil angepasst werden.
    Nur so kann das gewünschte Ergebnis auch erreicht werden.

    Welche Kosten übernimmt die Krankenkasse?

    Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für ein geeignetes Hörgerät in voller Höhe.
    Zum einen kann Ihr Vater ein Hörgerät auswählen, dass so viel kostet, wie die Kasse grundsätzlich bezahlt. Wir sprechen hier von einem Kassenhörgerät.
    Zum anderen kann Ihr Vater auch die Übernahme von deutlich höheren Kosten verlangen, wenn nachgewiesen wird, dass mit nur mit diesem Hörgerät das Hören wieder ermöglicht wird. Der zweite Weg ist aber ein umständlicher und dorniger Weg.

    Diese Varianten gibt es beim Hörgerätekauf

    Deshalb entscheiden sich die meisten Kunden für eine der folgenden beiden Varianten:

    – Sie wählen ein Kassengerät. Diese Geräte sind modern und leistungsfähig. Sie reichen in den meisten Fällen auch aus. Das gilt auch, wenn der Hörakustiker anfangs etwas anderes sagt. Klar, es gibt Hörminderungen, die den Einsatz dieser Kassenhörgeräte nicht zulassen. Aber nur die wenigsten Patienten haben solche gravierenden Hörbeeinträchtigungen. Der Nachteil: Viele dieser Kassengeräte sind nicht sehr elegant und sie sind auch meist nicht so klein, wie etwas teurere Hörgeräte.

    – Der Patient kauft ein teureres Hörgerät mit einem kleineren Formfaktor und mehr Funktionen. Hierzu zählen mehr Programme und Kanäle und beispielsweise eine Bluetooth-Anbindung ans Handy. Den Betrag von der Kasse nimmt man dann als Zuschuss und bezahlt den Rest selbst. Der Vorteil: Der Akustiker hat eine größere Auswahl an Geräten, die er anbieten kann und die Geräte sind meist schöner und kleiner. Einige sind sogar fast unsichtbar. Der Nachteil: Man hat einen z.T. nicht unerheblichen Kostenfaktor zu berücksichtigen.

    Was ist von Billigalternativen zu halten?

    Wir unterschieden grundsätzlich 3 Formen von günstigen Hörgeräte-Angeboten.

    Alternative 1: gebrauchte Hörgeräte

    Zum einen werden beispielsweise bei ebay auch gebrauchte Geräte angeboten. Das ist grundsätzlich keine schlechte Idee. Denn die einst sehr hochpreisigen Geräte werden manchmal nach kurzer Zeit durch noch leistungsstärkere ersetzt. Es gibt ja genug Leute, die über solche Kosten nicht nachdenken müssen.
    Manchmal verstirbt ein Hörgeräteträger aber auch, und die Erben verkaufen die vor kurzer Zeit erst angeschafften Hörgeräte.

    Die Idee der Gebrauchtgeräte ist also grundsätzlich mal nicht verkehrt. Versetzt sie doch Menschen mit weniger Geld in die Lage auch an hochwertigere Hörgeräte zu kommen.
    Allerdings gilt auch für diese Hörgeräte, dass sie gründlich an den neuen Träger angepasst werden müsse. Einfach so ins Ohr, das geht nicht.
    Und dann muss man erst einmal einen Hörakustiker finden, der bereit ist, diese Anpassung vorzunehmen. Viel Begeisterung dürfen Sie da nicht erwarten, ist das Kerngeschäft der Hörstudios doch der Verkauf der Geräte.

    Zu berücksichtigen ist auch, dass Hörgeräte so intensiv genutzt werden, wie kaum andere Geräte. Bei einer regelmäßigen Tragezeit von 10 Stunden am Tag, ist so ein Gerät im Jahr 3.650 Stunden im Einsatz. Nach 6 Jahren durchschnittlicher Tragezeit sind das 21.900 Stunden.
    Nach nur 3 Jahren sind das auch noch über 10 Stunden. Es wäre also verkehrt, bei einem an sich nach nur 3 Jahren noch neuwertig erscheinenden Hörgerät wirklich von „neu“ zu sprechen. Es hat eben doch schon über 10.000 Betriebsstunden auf dem Buckel.

    Alternative 2: Angebote von Hörakustiker-Ketten

    Große Kettenbetriebe mit vielen Filialen locken die Kunden mit besonderen Angeboten. Da werden zahlreiche Geräte zum Nulltarif angeboten. Hier lohnt sich echt ein Preisvergleich. Denn oft genug habe ich Geräte, die bei anderen Akustiker sehr viel Geld kosten, dort schon für 0 Euro Zuzahlung (außer 10 Euro „Rezeptgebühr“) gesehen.

    Wenn eine Filiale dieser Anbieter in Ihrer Nähe ist und Sie sich dort gut beraten und aufgehoben fühlen, ist das eine echte Alternative. Machen Sie auch bei Hörgeräten einen Preisvergleich. Bleiben Sie nicht unbedingt beim ersten Akustiker und schon gar nicht beim erstbesten Akustiker hängen.
    Informieren Sie sich, lassen Sie sich Angebote machen und fragen Sie dann bei anderen Unternehmen die Preise ab. Sie werden staunen!

    Alternative 3: Billiggeräte aus Fernost

    Die vom Fragesteller angesprochenen Geräte für 100-150 Euro aus dem Internet sind keine Hörgeräte im Sinne des Medizinproduktegesetzes. Sie werden nicht von einem Akustiker angepasst und auch von der Kasse nicht beZuschusst. Es handelt sich hier um allereinfachste, meist analoge Technik. Auch wenn diese Geräte sehr vollmundig beworben werden, sind es nur Hörhilfen. Diese können nur Schall aufnehmen, lauter machen und wieder abspielen.



    Anzeige


    Es gibt kaum Einstellmöglichkeiten, keine Frequenzregelung und kaum Schutzvorrichtungen, etwa gegen gefährliche Lautstärkepegel. Viele dieser Geräte tragen nicht einmal ein CE-Zeichen. So etwas gibt es auch schon als Hinter-dem-Ohr-Gerät für 10 Euro.
    Sie können so etwas mal ausprobieren, ob Ihnen eine Hörverstärkung überhaupt etwas bringt. Auch als Ersatz für die Trekking-Tour oder so, kann das mal geeignet sein.
    Aber Hörgeräte sind das nicht. Ist eine dauernde Versorgung mit einem Hörgerät geplant, sind diese Billiggeräte, die nicht individuell angepasst werden können, kein Ersatz.

    Keine Kommentare möglich

    Lesen Sie auch

    Hörgeräte Aqua-Jogging

    Ich bin 66 Jahre alt und mein Arzt hat mir geraten, Aqua-Jogging zu machen. Mein Mann lach…