• Hörhilfen und Hörverstärker – schädliche oder nützliche Alternative?

    Viele Menschen, die eine Hörbeeinträchtigung haben, tragen gar kein Hörgerät. Manche wollen nicht als „schwerhöriger Behinderter“ gelten, andere können sich die Preise leistungsstärkerer Hörgeräte nicht leisten. Und manche wollen sich auch kein Hörgerät leisten.

    Genau in diese Marktnische stoßen die Anbieter und Hersteller von Hörhilfen oder Hörverstärkern. Ein solches Gerät habe ich Ihnen in diesem Artikel über ein „Hörgerät aus China“ schon einmal vorgestellt.

    Hörhilfen sind Geräte die in ihrer Bauform an medizinische Hörgeräte angelehnt sind. Sie sehen ihnen zum Verwechseln ähnlich, kosten aber nur einen Bruchteil davon.
    Es handelt sich um nichtmedizinische Hörverstärker, die von ihrer Grundfunktion einem richtigen Hörgerät zunächst einmal ganz ähnlich sind.

    Detaillierte Erklärung zum inneren Aufbau einer Hörhilfe aus China

    Sie nehmen den Schall mit einem Mikrofon auf, verstärken diesen und geben ihn über einen Lautsprecher ans Ohr wieder ab.
    Dabei kann der Lautsprecher (Hörer) in der Hörhilfe selbst sitzen und der Schall wird durch einen Schlauch ins Ohr geleitet. Oder aber, was viel häufiger ist, es führt ein Kabel vom Hörverstärker zu einem Hörer im/am Ohr des Betroffenen.

    Ein Ein- und Ausschalter, Lautstärkeregler und natürlich ein Batteriefach vervollständigen diese Geräte.
    Sie kosten nicht viel. Ein Hersteller bot mir im Konvolut solche Hörhilfen für 57 US$ an.
    Nein, nicht pro Gerät, auch nicht für 10 Stück, sondern für 100.
    Für sage und schreibe 57 US-Cent, also für derzeit unter 0,50 € pro Stück!

    Dass man dafür nicht viel an guter Technik und an Verarbeitung erwarten kann, zeigt das obige Foto, auf dem ich für Sie einmal das Innenleben einer solchen Hörhilfe dargestellt habe.

    Es gibt auch deutlich bessere Geräte. Diese sind dann sogar digital und haben einige wenige Programme. Auch IdO-Geräte sind zu haben.

    An eine Anpassung an Ihre individuelle Hörbeeinträchtigung dürfen Sie natürlich ebensowenig denken, wie an die Anfertigung einer Otoplastik oder gar die Kostenübernahme durch die Krankenkasse.

    Solche Hörhilfen sind eben keine Hörgeräte. Zwar ist die Bezeichnungen ähnlich, der Unterschied ist aber hinsichtlich der Leistung enorm.
    Bei einem solchen Hörverstärker handelt es sich um eine nichtmedizinische Hörhilfe, die am Funktionsprinzip der klassischen Hörgeräte angelehnt ist.
    Das technische Grundprinzip ist dabei vergleichbar. Denn auch diese Hörverstärker/Hörhilfen verstärken akustische Signale aus der Umgebung und geben diese lauter weiter.

    Aber damit sind die Gemeinsamkeiten auch schon zu Ende. Sie benötigen für eine solche Hörhilfe keinen Hörgeräteakustiker und ein guter Akustiker wird solche Geräte auch kaum anbieten.
    Auch eine Verordnung vom HNO-Arzt benötigen Sie nicht. Die Geräte sind überall frei verkäuflich.

    Alles in allem kauft man sich mit einem solchen Gerät einen „Lautermacher“ von der Stange, ohne individuelle Anpassung und ohne die medizinische Überwachung.

    Kommen wir zur Kehrseite der Medaille. Eigentlich müsste jedes Gerät auf seine Sicherheit hin überprüft sein.
    Tatsächlich konnte ich jedoch beim vorliegenden Gerät noch nicht einmal eine Herstellerbezeichung, Typennummer, technische Daten oder gar ein CE-Zeichen finden.
    Eigentlich dürfte so ein Gerät gar nicht importiert werden.
    Aber es gibt auch zahlreiche Hörhilfen mit einem aufgedruckten CE-Zeichen, das die Produktsicherheit nach europäischem Standard kennzeichnen soll. Aber hier muss man ebenfalls vorsichtig sein, weil ich schon bei vielen Geräten gefälschte Ce-Kennzeichnungen gesehen habe.

    Bei den Hörhilfen kommt hinzu, dass die Geräte auch nicht auf das individuelle Krankheitsbild abgestimmt sind. Deshalb kann es sein, dass eine Hörhilfe zu stark oder zu schwach ist oder sogar der Schall als blechern oder unnatürlich empfunden wird. Es ist auch oft so, dass die nebenbei verstärkten Nebengeräusche kein besseres Sprachverständnis zulassen oder dass keines der angebotenen Hörprogramme wirklich zu einer angenehmen tatsächlichen Hörverbesserung führt.

    Bleibt also die Frage: Hörhilfe oder doch Hörgerät?

    Wer nur in einzelnen Situationen oder mal in Ausnahmefällen Probleme mit dem Hören oder Verstehen hat, kann so eine Hörhilfe ruhig mal ausprobieren.
    Die Hörverstärker taugen zum Ausprobieren. Wer jedoch eine stärkere Schwerhörigkeit hat, für den wird die Hörhilfe schlichtweg nicht ausreichend sein.
    Besser ist in jedem Fall der Gang zum Facharzt, der ein passendes Hörgerät verordnet.

    Dieses ist als medizinisches Produkt auf eine langfristige Hörverbesserung ausgerichtet und für den ständigen Gebrauch gedacht.
    Hier beteiligen sich die Krankenkassen an den Kosten, ja sie übernehmen bei zuzahlungsfreien Modellen den Preis sogar komplett.

    Gemeinsam mit einem Hörgeräteakustiker finden Menschen mit der ärztlichen Verordnung heraus, welche Bauform und welche Einstellungen in Frage kommen.
    Ein richtiges Hörgerät wird nicht rauschen, nicht fiepen und niemals zu laut werden. Das ist bei billigen Hörhilfen nicht gewährleistet.

    Für das dauernde Tragen sind Hörhilfen nicht geeignet. Sie können im ungünstigsten Fall durch Lautstärkespitzen das Gehör sogar noch schädigen.
    Zum Ausprobieren und Herausfinden, ob ein Hörgerät eine Verbesserung bieten kann, kann man so eine Billighörhilfe mal ausprobieren. Sie taugen auch etwas, wenn man im Notfall ein bereits vorhandenen Hörgerät (beispielsweise auf einer Auslandsreise) mal für einige Tage ersetzen muss.



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    Der nächste Schritt sollte dann aber immer zum Hörakustiker führen.

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