• Wie lange soll ich meine Hörgeräte tragen?

    Meiner Meinung nach sollten Sie Ihre Hörgeräte immer tragen. Also morgens nach dem Aufstehen einsetzen und erst abends vor dem Zubettgehen wieder rausmachen.
    Sie haben eine Hörbeeinträchtigung, deshalb wurden Ihnen Hörgeräte verordnet. Diese wurde aufwendig angepasst und von Ihnen und der Krankenkasse teuer bezahlt.
    Diese Hörbeeinträchtigung geht vermutlich auch nicht mehr weg. Und diesen Hörverlust haben Sie nicht nur an wenigen Stunden pro Tag und auch nicht nur wenn Sie in Gesellschaft sind.

    Hören ist eine komplexe Angelegenheit. Über die außenliegende Ohrmuschel fangen wir Töne auf, diese werden durch den Gehörgang zum Trommelfell geleitet und im Innenohr geschieht quasi die analog-digital-Wandlung. Über die Gehörknöchelchen wird der mechanisch auf das Trommelfell einwirkende Schall in Sinnesreize übersetzt und dann vom Hörnerv an das Gehirn zur weiteren Verarbeitung geleitet. Hier findet das Verstehen statt.

    An irgendeiner Stelle dieses Systems ist Ihr Gehör gestört. Ein zwischengeschaltetes Hörgerät schafft hier Abhilfe. Es macht nicht nur den Ton lauter. Das glauben ja viele. Aber das ist nicht die Aufgabe eines Hörgerätes. Lauter hören können Sie auch mit einem billigen Hörverstärker für 10 Euro.
    Nein, ein Hörgerät ist individuell auf Sie und Ihr Gehör bzw. auf Ihren Hörverlust abgestimmt.

    HNO-Arzt und Akustiker haben genau festgestellt, wo es bei Ihnen hapert. Dazu gehört die genaue Analyse, in welchem Frequenzbereich Sie nicht mehr gut hören und die Ermittlung, in welchen Umgebungen Sie welche Art von Hörverbesserung benötigen.

    Hierauf wurde Ihr Hörgerät abgestimmt und moderne Geräte stellen sich vollautomatisch auf die verschiedenen Umgebungen ein, um stets ein gutes bis perfektes Klangerlebnis zu produzieren.

    Nun tritt Schwerhörigkeit in den seltensten Fällen urplötzlich auf. Meist ist das ein sehr schleichender Prozess. Viele Patienten hören so gesehen bereits seit 20, 30 oder gar 40 Jahren schlecht, bevor sie zum Hörgeräteakustiker gehen.
    Ja manche leben 7 Jahre oder länger mit einer sehr starken Hörbeeinträchtigung, ohne das wirklich zu merken.
    Das liegt daran, daß unser Gehirn sehr leistungsfähig ist und wir Weltmeister in der Selbsttäuschung sind.

    Um in der Urzeit überleben zu können, hat unser Gehirn die Fähigkeit, uns und unser Verhalten an veränderte gesundheitliche Situationen anzupassen.
    Ein schleichender Hörverlust wird vom Gehirn im Laufe der Zeit immer mehr ausgeglichen. Es bezieht dann seine Informationen vom noch besser hörenden Ohr, veranlasst uns von den Lippen abzulesen oder beim Hören die Hand wie einen Trichter ans Ohr zu legen.

    Folgt dann der Gang zum Akustiker und die Versorgung mit Hörgeräten, ändert sich alles. Was sich nicht ändern wird: Sie werden nicht schlagartig nur durch den Einsatz eines Hörgerätes wieder so hören, wie als junger Mensch. Kein Hörgerät der Welt kann eine Hörbeeinträchtigung wegzaubern, schon gar nicht schlagartig.

    Im Laufe der Zeit dürfen Sie aber damit rechnen, wieder gut hören und vor allem gut verstehen zu können.

    Meine Aussage hierzu lautet: Mit einem Hörgerät hören Sie besser als vorher, aber niemals so, wie mit gesunden Ohren.

    Warum ist das so?
    Das Gehirn und die gesamte Hörstruktur hat sich an Ihre Schwerhörigkeit gewöhnt. Das geht soweit, dass bestimmte Hirnareale mit Hörreizen gar nicht mehr richtig umgehen können.
    Das ist wie mit einem nicht trainierten Muskel. Er baut ab und „verlernt“ seine Funktion.

    Mit einem Hörgerät sind aber auf einmal wieder Sinneseindrücke da.
    Jetzt ist es wichtig, das Hörgerät so oft und so lang wie möglich zu tragen.
    Nur so können Sie Ihr Hörsystem wieder auf Vordermann bringen und ausreichend trainieren.
    Deshalb ist gerade in der Anfangszeit der ständige Kontakt zum Hörgeräteakustiker sehr wichtig.
    Mit zunehmendem gewöhnungseffekt wird Ihnen Ihr Hörgerät nach kurzer Zeit als unpassend eingestellt vorkommen.
    Das liegt aber nicht daran, dass sich das Gerät verstellt hat, sondern daran, dass Ihre Hörleistung wieder erwacht. Nein, sie gewinnen verlorene Hörleistung nicht zurück und können nicht auf Ihr Hörgerät verzichten, aber Ihr Gehirn kommt jetzt wieder besser mit dem Tonumfeld klar. Und darauf muss das Hörgerät laufend angepasst werden.



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    Schall dringt den ganzen Tag an unsere Ohren. Somit sollten Sie das zwischengeschaltete System auch ständig tragen.
    Nur so ist gewährleistet, dass die dafür zuständigen Areale im Gehirn auch ständig etwas zu tun haben. Das beugt nach neuesten Erkenntnissen auch Alzheimer und Demenz vor.

    9 Kommentare

    1. […] Ihr ständiges Feedback an den Akustiker wichtig und eine möglichst konsequente und lange Tragezeit der […]

    2. […] dass Hörgeräte so intensiv genutzt werden, wie kaum andere Geräte. Bei einer regelmäßigen Tragezeit von 10 Stunden am Tag, ist so ein Gerät im Jahr 3.650 Stunden im Einsatz. Nach 6 Jahren […]

    3. […] den Tisch zu hauen.Immerhin verspricht sich der Hörgeräteakustiker nach Ablauf von rd. 6 Jahren Tragezeit ein […]

    4. […] Hörgeräte: Höhere Akzeptanz durch lange Tragezeit […]

    5. […] durchschnittliche Tragezeit, die die Geräte auslesbar für den Akustiker protokollieren, von 12,5 Stunden/Tag zeigt, dass Frau […]

    6. […] Das tut auf Dauer richtig weh. Im Sommer, wenn ich etwas schwitze, habe ich nach kurzer Tragezeit gerötete Abdrücke in den Ohren, die wund […]

    7. […] Ihnen auf diese Weise helfen, den Restaurantbesuch genießen zu können.Wichtig ist, dass Sie die Tragezeit Ihres Hörgerätes hoch halten und es vor allem auch in diesen schwierigen Situationen konsequent […]

    8. […] erstens haben wir es wieder einmal mit einem klassischen Fall von nicht ausreichender Tragezeit zu tun. Dazu gehört nicht nur, dass Sie Ihre Hörgeräte möglichst lange und oft tragen, sondern […]

    9. […] während der ersten Tragezeit eine Eingewöhnung eintritt und das Gehirn sich auch wieder an die verlorengegangenen […]

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