• Hörgeräte in den USA – Amerika

    In Deutschland geht man zum HNO-Arzt und läßt sich nach einem Hörtest ein Hörgerät verschreiben. Mit dem Rezept gehen Sie dann zum Hörakustiker, der die gesamte weitere Betreuung vornimmt. Die Kosten hierfür können komplett von der Krankenkasse übernommen werden. Ein einfaches und kostengünstiges Verfahren.

    In den USA sieht es vor der Hand zunächst nicht viel anders aus, bei näherer Betrachtung ist es das aber.
    Vorweg gesagt: Der Weg zum Hörgerät ist komplizierter und vor allem teurer.
    Das ist mit ein Grund, weshalb in den USA sehr viele Senioren mit einfachen Hörhilfen herumlaufen, die sie für wenig Geld in Supermärkten oder im Online-Handel erwerben können.

    Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt

    Der HNO-Arzt in den USA. Mehr Chirurg und Behandler als Hörgerätespezialist

    Auch in den USA kann der erste Weg zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt führen.
    Dieser hat aber in Amerika eine andere Funktion als bei uns. Er wirkt an der Hörgeräteversorgung nicht weiter mit.
    Er führt Operationen und Behandlungen am Ohr durch und verschreibt Medikamente.
    Findet der HNO bei einer Untersuchung eine Schwerhörigkeit überweist er zu einem Audiologen.

    Der Audiologe

    Der Audiologist in den USA. Mehr Arzt als Techniker.

    Sie müssen wissen, dass der medizinische und akustische Teil der Hörgeräteversorgung in den USA streng von der handwerklichen Einstellung der Hörgeräte getrennt ist. Ersteres übernimmt ein studierter Audiologe und Letzteres ein lediglich handwerklich ausgebildeter Hörgeräteakustiker/-techniker.

    Audiologen haben ein Hochschulstudium absolviert und oft auch promoviert.
    Der Ausbildungsgang nennt sich Audiology. Er dauert 4 Jahre, also 8 Semester. Voraussetzung ist die Studienberechtigung. Weitere Vorbildungen sind nicht nachzuweisen.
    Nach dem Grundstudium schließen die Audiologen das Studium mit dem Bachelor und dann dem Masterdiplom ab. Wollen sie promovieren, dauert das weitere vier Jahre.

    Der Hörakustiker

    Der Hörgeräteakustiker in den USA. Mehr Handwerker als Berater

    Die amerikanischen Hörakustiker sind nur sehr grundlegend in Bezug auf Hörgerätetechnik ausgebildet. Ihr Aufgabe besteht zumeist ausschließlich in der technischen Umsetzung der Vorgaben eines Audiologen. Das heißt der Audiologe gibt exakt vor, wie die Geräte eingestellt sein sollen und der Hörakustiker stellt die Geräte typenbezogen entsprechend ein.
    Hörakustiker wird man in den USA nach dem Besuch der entsprechenden Schule durch einige kurze Praktika.
    Ein Verkauf der Hörgeräte erfolgt nur auf Anweisung des Audilogen. Hörtests führt der Hörakustiker nicht durch.

    Der Audiologe ist der Wichtigste

    Wir erkennen, dass in den USA der studierte Audiologe der Dreh- und Angelpunkt bei der Hörgeräteversorgung ist.
    Wie in den USA bei Fachärzten üblich, sind die Praxen gut und teuer ausgestattet und die Honorare nicht billig.
    Der Audiologe ist ausgebildet in Audiometrie, Anatomie, Pathologie, Physiologie, Hörgeräteanpassung, Pädakustik, Hörtraining, Hörübungen, Tinnitusberatung, Tinnitusversorgung und Methoden zur Schwindel- und Nystagmusdiagnose.

    Das geht weit über den Tätigkeitsbereich unserer Hörakustiker hinaus. Der Audiologe übernimmt damit in weiten Teilen Tätigkeiten, die bei uns der HNO-Arzt übernehmen würde.

    Die Kosten – alles privat

    Wenn der Kunde keine spezielle private Versicherung hat, die dafür aufkommt, und die haben die wenigsten, muss er die gesamte Hörgeräteversorgung aus eigener Tasche bezahlen. Kein Wunder, dass Audiologen und Kliniken extra Insurance-Hunter (Versicherungsjäger) beschäftigen, die die Policen der Kunden durchforsten, um Beihilfemöglichkeiten zu finden.

    Der Regelfall ist aber, dass die Kunden alles selbst bezahlen müssen.
    Die Kosten der Hörgeräteversorgung sind also privat zu tragen, und das gilt selbst bei einer Kinderversorgung.
    Die US-amerikanischen Krankenversicherungen beteiligen sich nämlich bei der Hörgeräteversorgung prinzipiell nicht.

    Entsprechend buhlen Audiologen um die Gunst der Kunden und bieten mannigfaltige Finanzierungs- und Kreditmöglichkeiten an.

    Hörgeräteversorgung

    Der gesamte Ablauf gleicht dem bei uns. Der Audiologe führt eine ton- und sprachaudiometrische Messung durch. Der US-Sprachtest ist ähnlich unserem Freiburger Sprachtest.

    Probetragen können die Kunden die Geräte zwischen 1 Woche und etwas anderthalb Monaten. Dann wird die Kaufentscheidung fällig.
    Beim Einstellen und Programmieren setzt man vorzugsweise auf das “Speach–Mapping”.
    Bei diesem Verfahren kann der Audiologe bildlich darstellen, wie ein Hörsystem die Sprache oder Geräusche verarbeitet.
    Aufgrund der bildlichen Darstellung können die Kunden auch technische Features des Hörsystems – wie Rauschunterdrückung oder Störschallunterdrückung – deutlich selbst erkennen.

    Die Hörsysteme

    Die Hörgeräte sind weitestgehend mit unseren vergleichbar oder identisch. Erstaunlich ist die weite Verbreitung von HdO-Systemen.
    90 % der Hörgeräteträger haben RIC oder Slimtube-Systeme.
    Der Anteil an IdO-Geräten ist mit 10% äußerst gering.
    Es gibt in den USA keine analogen Hörgeräte mehr.
    Deutlich höher ist dort aber die Versorgung mit TV-Lösungen, FM-Anlagen und Lichtsignalanlagen.



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    Bild: Free-Photos / Pixabay

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