• Hörgeräte: Im-Ohr-Gerät ITE ITC CIC IIC IDO

    Im-Ohr-Geräte

    Diese Art von Hörgerät wird komplett „im Ohr“ getragen (in dem Ohr = IdO). Die Elektronik ist standartisiert und extrem klein. So gibt es noch genügend Raum, damit der Hörgeräteakustiker außen herum eine Hohlschale anpassen kann. Diese wird anhand einer Abformung des Gehörgangs vom Hörakustiker maßgefertigt.
    Diese IdO-Hörgeräte können im Gegensatz zu HdO-Geräten (hinter dem Ohr) die anatomischen Vorteile des Außenohres nutzen.

    By Biha – Bundesinnung der Hörgeräteakustiker KdöR – biha – Bundesinnung der Hörgeräteakustiker KdöR, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org

    Im-Ohr-Hörsysteme werden in folgende Typformen untergliedert:

    1. ITE: „In-The-Ear“ Das Gehäuse des Hörsystems füllt die Ohrmuschel (Concha) komplett aus. Das System ist allerdings sehr auffällig. Aus kosmetischen Gründen kann die Oberfläche sogar der Hautfarbe angepasst und/oder mit feinen Linien („Äderchen“) versehen werden. Mit der fortschreitenden Miniaturisierung der Hörgerätetechnik sind ITE-Geräte heutzutage nur noch sehr selten anzutreffen. Sie stellten vor Jahren den ersten Schritt zur Miniaturisierung dar.
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    2. ITC: „In-The-Canal“ Das Gehäuse dieses Hörsystems schließt mit der Vorderkante des Gehörgangs ab. Dabei wird die Frontplatte so weit wie möglich nach hinten gekippt, damit das Gerät möglichst nicht für andere sichtbar ist. Die Ohrmuschel bleibt dabei frei. Diese Bauform bietet im Bereich aller hier vorgestellten IdO-Geräte den besten Kompromiss aus Unauffälligkeit, technischer Ausstattung (Mehrmikrofontechnik) und Batterielebensdauer.


    3. CIC: „Completely-in-the-Canal“ Bei diesem Hörgerät endet das Gehäuse im äußeren Teil des Gehörganges und ist dadurch von außen so gut wie nicht zu sehen. Diese Geräte verfügen meist über einen Nylonzugfaden, um sie wieder aus dem Gehörgang ziehen zu können. Hier kommen relativ kleine Batterien mit dementsprechend geringer Lebensdauer zum Einsatz. Wegen der miniaturisierten Baugröße muss meist auch auf ein zweites Mikrofon und/oder eine Funkspule und damit auf einen Teil der Funktionalität verzichtet werden. Mit fortschreitender Entwicklung leisten aber auch diese Geräte immer mehr.
      By Alphasg1 – Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18007724
    4. IIC: „Invisible in the canal“ Einige Hörgerätehersteller bieten auch extrem kleine Bauformen an, die tief im Gehörgang im Bereich der zweiten Gehörgangskrümmung sitzen. Die Geräte besitzten ebenfalls einen Nylonzugfaden, um das Gerät entnehmen zu können. Diese Hörgeräte sind von außen auch wenn man genau hinschaut nicht sichtbar.

    Diese Bauform hat aber auch Nachteile. Schweiß- und Ohrenschmalzbildung können zu einer höheren Reparaturanfälligkeit führen.
    Dann kann es zum sogenannten Verschlusseffekt oder Okklusionseffekt kommen. Dieser Effekt wird von den betroffenen Hörgeräteträgern als „dumpfes Mitschwingen“ der eigenen Stimme beschrieben. Der Okklusionseffekt entsteht übrigens durch Vibrationen des Unterkiefers beim Sprechen und Gehen. Diese Vibrationen setzen sich über den Unterkiefergelenkkopf in den Gehörgang fort.

    Da bei diesen extrem kleinen Bauformen der Schallweg aus dem Ohr verschlossen ist, wird der in den Gehörgang eindringende Körperschall als Luftschall viel stärker als ohne Hörgerät zum Trommelfell geleitet.
    So wird beispielsweise die eigene Stimme ca. 20 dB lauter gehört. Dieser Effekt ist im Tieftonbereich stärker ausgeprägt und besonders die stimmhaften Laute versetzen den Unterkiefer in Schwingungen.
    Entgegenwirken kann der Akustiker diesem Effekt mit einer kleinen Bohrung („Vent“) im Gehäuse des Hörgerätes.
    Dadurch wird dann ein Teil des Schalls nach außen geleitet wird. Extrem tief sitzende IIC-Geräte haben diesen Nachteil übrigens nicht, da das Gerät im Gehörgangsteil hinter dem Unterkiefergelenk platziert wird.

    Noch vor wenigen Jahren waren Im-Ohr-Geräte-Versorgungen nur für leichte bis mittelgradige Hörverluste möglich. In diesen kleinen Geräten konnte die notwendige Technik für stärkere Hörverluste nicht untergebracht werden. Außerdem war die Rückkopplungsneigung zu hoch oder der Ausgangsschallpegel des Hörers zu schwach.
    Durch die Miniaturisierung der Hörgerätekomponenten und der technischen Weiterentwicklung (Digitalisierung) sind inzwischen auch hochgradige Hörverluste mit IdO-Geräten sehr gut versorgbar.

    Eine neue Entwicklung seit etwa 2010 ist ein Gerät, das komplett sehr tief in den Gehörgang bis nahe vor das Trommelfell eingeführt wird. Es kann dort dauerhaft bis zu mehreren Monaten verbleiben.
    Es wird nur eine viel geringere Schallenergie nötig, da das Gerät sehr nah am Trommelfell sitzt.

    Leider ist bei dieser Bauart die Batterie unlösbar mit dem Hörgerät verbunden.
    Äußerlich besteht das Gerät aus zwei mit Gelenk verbundenen Hülsen. In der vorderen (dem Trommelfell zugewandt) befindet sich der Lautsprecherteil. In der hinteren das Mikrofon, die elektronische Steuerung und die Batterie.

    Um das Gerät zu bedienen, wird ein kleiner Spezialmagnet benötigt. Mit Hilfe dieses speziell geformten Magneten, den man an den Gehörgang halten muss, kann das Gerät ein- und ausgeschaltet sowie in der Lautstärke geregelt werden.

    Die Größenanpassungen werden bei diesem Hörsystem durch Auswahl aus mehreren unterschiedlich großen Typen vorgenommen.
    Die auditive Grundanpassung erfolgt wie immer nach einer Gehörmessung (Audiogramm) und durch digitale Programmierung beim Hörgeräteakustiker.
    Wenn die Batterie zur Neige geht, also bei Nachlassen der Batterieleistung (Entladung) wird das ganze Gerät aus dem Gehörgang geholt und fachgerecht entsorgt.

    Es wird also nicht das alte Gerät mit einer neuen Batterie versehen, sondern es wird ein komplettes neues Gerät eingesetzt.
    Das kostet Geld! Zur Finanzierung ist deshalb laut dem bisher einzigen Anbieter (Stand 2011) ein Jahres-Abonnement mit festem Kostenbetrag pro Monat und Ohr vorgesehen.



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