Zuschauer verstehen den Phonak-Spot nicht

Phonak Marvel Werbung

Seit Januar läßt Hörgeräte-Weltmarktführer PHONAK erstmals TV-Spots für seine Hörgeräte Werbung machen. Wer nur bei den Privatsendern herumzappt, wird die Spots aber kaum finden. Sie werden vorzugsweise in den öffentlich-rechtlichen Sendern zur Primetime ausgestrahlt, also dann, wenn die etwas ältere Zielgruppe vor den Geräten sitzt.

Für viele Zuschauer bedeutet das, dass sie zum ersten Mal eine TV-Werbung sehen, die konkret für ein bestimmtes Hörgerät Werbung macht, das Phonak Marvel.
Hörgerätewerbungen gab es vorher schon, aber da wurde dann eher -wie beim Opa von Kind- das Hörgerätetragen allgemein thematisiert.

Aber das wiederum bedeutet, dass einige Zuschauer mit dem Thema überhaupt nichts anfangen können. Es bleiben viele Verständnisfragen offen.
Konkret ging es um diesen Werbespot:

Dazu schreibt ein User der TV-Foren:

Werbung Hörgeräte -versteh ich nicht

(Der Spot) wird ja nun öfter gezeigt und ich habe es auch schon öfter gesehen. Aber irgendwie bin ich zu blond und versteh den ganzen Spot nicht. Kann mir mal bitte jemand den Erklärbär machen.

Für die Qualität des Forums spricht, dass gleich die erste Antwort eines anderen Nutzers die richtige Antwort gibt:

(Da) geht’s um die Gerätetechnik (Anpassung an unterschiedliche akustische Gegebenheiten, damit man Sprache immer noch ordentlich raushören soll).

Und genau hier liegt ein wenig das Problem. PHONAK zeigt in seinen Spots, wie toll die Marvel-Hörgeräte sind und greift dafür verschiedene Aspekte auf. In diesem konkreten Spot geht es um die schnelle automatische Anpassung des Hörgeräts an verschiedene Hörumgebungen, einmal im Haus das Gespräch mit der „besten Freundin“ und dann draußen auf der Terrasse in einer lockeren Partyumgebung.

Die allermeisten Zuschauer tragen vermutlich keine Hörgeräte und denken bei diesem Spot dann: „Na und?“
Denn es ist vollkommen normal, dass der Mensch in allen Situationen gut hört und sich schnell an wechselnde Situationen anpasst.
Dass das mit Hörgeräte anders ist, wissen viele Zuschauer gar nicht.

Hörgeräte haben Mikrofone, die den gesamten Umgebungsschall aufnehmen. Ein Mikrocomputer im Inneren des Hörgeräts rechnet nun aus diesen Schall den Nutz- und Störschall heraus, verstärkt die wichtigen Signale, verändert sie in den Frequenzen und gibt das Ergebnis in Echtzeit ans Trommelfell ab.

Was aber nun Störschall und was Nutzschall ist, hängt ja von der jeweiligen Situation ab. Lautes Hupen ist draußen Störschall, in einer Kirche ist aber ein Ton in gleicher Lautstärke und Tonhöhe von einer Orgel abgespielt, ein Nutzsignal.
Darauf muss ein Hörgerät eingehen können.
Phonak zeigt in der Fernsehwerbung, dass das Marvel-Hörgerät den Wechsel von einer in die andere Hörsituation perfekt beherrscht.

Dass es hier für Hörgeräteträger mit anderen oder älteren Hörgeräten Probleme gab, wissen aber viele Zuschauer nicht. Deshalb erkennen sie auch die positive Botschaft nicht sofort.

Deshalb ist es für Phonak besonders wichtig, genau die richtige Sendezeit und die richtigen Sender für die Ausstrahlung der Spots zu wählen.
Sie müssen eben dann laufen, wenn eine besonders große Zahl an vermuteten Hörgeräteträgern vor den Apparaten sitzt.



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