• Signia Styletto – So siehts aus

    Hörgerätehersteller Signia (Siemens) präsentierte gestern in einem Global-Launch rechtzeitig zum EUHA-Kongress seine neue Weltneuheit, das Hörgerät Styletto.

    Und so sieht das Styletto aus

    Was sofort auffällt, es handelt sich um ein schlankes Hörgerät in einer unvergleichlichen Form.
    Damit hebt sich das Styletto deutlich von den Hörgeräten anderer Hersteller ab.
    Diese Form ist einerseits dem stabförmigen schlanken Lithium-Ionen-Akku geschuldet. Andererseits hat Signia in Marktuntersuchungen festgestellt, dass diese Form den potentiellen Kundenkreis erheblich mehr anspricht, als Hörgeräte in herkömmlicher Bauweise.

    Zielgruppe

    Die Zielgruppe sind jungegebliebene Ältere, Silverager, Menschen um die 50 und auch Jüngere.
    Mit der trendigen Form will Signia weg vom Image der Hörprothese.
    Die Botschaft lautet wohl: Dieses Gerät sieht nicht aus wie andere Hörgeräte und deshalb kann man es bedenkenlos als Lifestyleprodukt kaufen, ohne als alt und behindert angesehen zu werden.

    Akku-Technik

    Die münzförmige Knopfzelle wird hier im Styletto also abgelöst von einem Stiftzellen Lithium-Ionen-Akku.
    Der ist nicht nur mit für die schlanke, lange Form verantwortlich, sondern liefert eben auch die zeitgemäße Auflademöglichkeit der Hörgeräte.

    Sehr interessant und auf der Höhe der Zeit ist die Ladetechnologie des Styletto-Hörgeräts von Signia.

    Mitgeliefert wird eine Aufbewahrungsbox, die es in sich hat. Sie ist nämlich Powerbank zugleich. Das bedeutet: Sie laden die Powerbank auf und darin werden dann auch unterwegs Ihre Hörgeräte schnell wieder aufgeladen. Über Nacht geladen gibt diese Powerbank Strom für bis zu drei Tage Hörgerätebetrieb. Ein vollgeladenes Styletto hält bis zu 19 Stunden durch. Dazu muss es drei Stunden geladen werden.
    19 Stunden Laufzeit sind nicht die Welt, andere Hörgeräte können länger.
    Aber das ist für uns kein wirkliches Kriterium, denn der Tag hat nur 24 Stunden.

    Die beste Vorgehensweise ist also, seine Styletto über Nacht vollzuladen und dann bei längerer Abwesenheit die Power-Box mitzunehmen. Mit nur 30 Minuten Ladezeit holen Sie sich Strom für 5 Stunden in die Hörgeräte.

    Die Akkus sollen auch nach 2 Jahren noch 80% ihrer Leistung bringen.

    Technik

    Verbaut ist die bekannte und hochentwickelte NX-Plattform. Die steht für einen natürlichen Klang der eigenen Stimme bei bester Störschallunterdrückung.
    Aber auch die Konnektivität zum Smartphone ist gegeben.
    Gesteuert wird das über die Signia-App. Beim Feinjustieren der Geräte nach der Erstanpassung kann Signias Telecare-Konzept genutzt werden.
    So kann der Hörakustiker quasi immer mitgenommen werden, wenn man das mal so sagen will.

    Das Styletto ist ein Ex-Hörer-Gerät. Es hat keine äußeren Kontrollelemente. Es ist fernsteuerbar über die touchControl App oder über miniPocket-Zubehör.

    Werbebotschaft IP68

    Ein bißchen lustig finden wir die Werbebotschaft, dass mit der IP-Schutzklasse 68 „kein Hörgerät höher zertifiziert ist als das Styletto“.
    Auf den Werbegag hätte man auch verzichten können.
    Das ist etwa so, als ob Ferrari sagt: „Kein Formel 1-Auto hat mehr Räder als der Ferrari.“

    Die Schutzklasse IP-68 wird inzwischen von vielen Hörgeräte erreicht und entwickelt sich zum branchenweiten Standard.
    IP 68 hat beispielsweise auch das Kassenhörgerät Vitus von Phonak.
    Die nächsthöhere Schutzklasse IP69 bedeutet:

    Geschützt vor eindringendem Wasser aus jeder Richtung auch bei stark erhöhtem Druck gegen das Gehäuse. (Hochdruck-/Dampfstrahlreiniger, 80-100 bar)

    Und diese Schutzklasse ist derzeit von Hörgeräten noch nicht erreichbar, wobei auch fraglich bleibt, wofür man das bei einem Hörgerät benötigt.

    FAZIT: Tolles Design – Aber?

    Nichtsdestotrotz:

    Mit dem Styletto ist Signia ein großer Wurf gelungen. Kein Wunder, dass der Hersteller so lange wie möglich den Mantel des Schweigens über den Produktlaunch legen wollte. Die Technik des Hörgeräts ist zeitgemäß und bringt nichts Revolutionäres. Es ist hier vor allem das Design, das die Innovation bedeutet. Die Ladetechnologie ist spannend, aber Ähnliches sieht man schon bei anderen und wir glauben, dass das so auch zum Standard werden wird.

    Das Design ist umwerfend schön, die Anmutung erinnert an Apple-iPhones und das ist sicher auch so gewollt. Auch die Verpackung kommt in apple-likem Weiß daher. Die braune Pappschachtel gehört der Vergangenheit an. Jetzt beginnt das Erlebnis schon beim Auspacken.

    Wir haben es hier beim Styletto also einmal mit dem Designgrundsatz „Form follows function“ zu tun. Zum zweiten hat man aber auch eine Formgebung gefunden, die durch eigentlich recht wenige, aber clever umgesetzte Maßnahmen das Styletto so anders aussehen lässt als die üblichen Hörgeräte.
    Damit könnte Signia das Ziel erreichen, noch mehr potentielle Hörgeräteträger vom Tragen eines Hörgeräts zu überzeugen.

    Letztendlich muß man aber sagen, dass heutige Hörgeräte nahezu alle komplett hinterm Ohr verschwinden und damit so gut wie unsichtbar werden.
    Der Designvorteil spielt seinen Trümpfe also vor allem bei der Kaufentscheidung und in der ersten Zeit nach dem Kauf aus.
    Recht schnell wird das Styletto dann aber, wie jedes andere Hörgerät auch, genau das sein, was Hörgeräte sind, nämlich ein Hörgerät, das hinterm Ohr ein Alltagsbegleiter ist, über dessen Gestaltung man sich keine Gedanken mehr macht.

    Was uns auch auffällt, das Styletto wird ohne Konnektivität beworben. Wir entdecken keine Hinweise auf drahtlose Anbindungen an Bluetooth und Netzwerke. Das wäre wichtig, um Musik und Telefonate direkt von Telefon, MP3-Player oder Fernseher ohne Krücken ins Hörgerät streamen zu können.
    Ist das so, hätte Signia hier ein Produkt, dass sehr nach Lifestyle aussieht, aber den Lifestyle-Mehrwert noch nicht leistet.

    Um unschlüssige Kunden für Hörgeräte zu begeistern geht der Hörakustiker ja den Weg, den Kunden die Mehrwertfunktionen schmackhaft zu machen. Also alles das, was über gutes Hören und Verstehen hinausgeht. Also beispielsweise sich ohne Kabel und App-Zirkus oder am Körper getragene Zusatzgeräte mit Bluetooth-Quellen verbinden zu können.



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    Bilder: Signia/Siemens ©

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