Es passiert schneller, als man denkt: Das Hörgerät fällt ins Waschbecken, landet versehentlich mit der Kleidung in der Waschmaschine oder wird bei einem kräftigen Regenschauer völlig durchnässt. Auch Schweiß beim Sport oder ein Sprung in den Pool mit eingesetzten Hörgeräten können zu einem Feuchtigkeitsschaden führen.
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Viele Betroffene geraten dann verständlicherweise in Panik. Muss das Hörgerät sofort ersetzt werden? Ist die Elektronik jetzt endgültig zerstört?
Die gute Nachricht lautet: Nicht jeder Wasserschaden bedeutet automatisch einen Totalschaden. Entscheidend ist jedoch, dass Sie jetzt richtig reagieren. Mit den folgenden Sofortmaßnahmen erhöhen Sie die Chancen erheblich, dass Ihr Hörgerät keinen bleibenden Schaden davonträgt.
Warum Wasser für Hörgeräte so gefährlich ist
Moderne Hörgeräte sind wahre Hochleistungscomputer im Miniaturformat. Im Inneren befinden sich winzige Mikrofone, Verstärker, Prozessoren, Lautsprecher und feinste elektrische Kontakte. Bereits kleinste Mengen Feuchtigkeit können Kurzschlüsse verursachen oder langfristig zu Korrosion führen.
Besonders tückisch ist dabei, dass ein Hörgerät zunächst scheinbar wieder problemlos funktioniert. Oft treten die eigentlichen Schäden erst Tage oder sogar Wochen später auf. Dann beginnen Kontakte zu korrodieren, Mikrofone fallen aus oder das Gerät schaltet sich plötzlich immer wieder ab.
Deshalb sollte jedes durchnässte Hörgerät ernst genommen werden – selbst wenn es nach dem Trocknen zunächst wieder einwandfrei arbeitet.
Soforthilfe auf einen Blick
- Hörgerät sofort ausschalten.
- Batterie entfernen bzw. Akkugerät keinesfalls laden.
- Mit einem weichen Tuch gründlich abtrocknen.
- Abnehmbare Teile entfernen und mehrere Stunden trocknen lassen.
- Idealerweise drei bis vier Durchgänge in einer elektronischen Trockenbox durchführen.
- Anschließend das Hörgerät vom Hörakustiker überprüfen und professionell nachtrocknen lassen.
Wichtig: Bitte niemals einen Föhn, die Heizung, den Backofen oder gar eine Mikrowelle zum Trocknen benutzen.
- Schritt 1: Sofort ausschalten
Die wichtigste Sofortmaßnahme lautet:
Schalten Sie das Hörgerät sofort aus.
Elektrischer Strom und Wasser vertragen sich bekanntlich nicht. Solange das Gerät eingeschaltet bleibt, kann Feuchtigkeit Kurzschlüsse verursachen und empfindliche Bauteile dauerhaft beschädigen.
Batteriegeräte
- Batterie sofort herausnehmen.
- Batteriefach geöffnet lassen.
Dadurch wird die Stromversorgung unterbrochen und gleichzeitig kann Feuchtigkeit besser entweichen.
Akkugeräte
Akkugeräte dürfen keinesfalls sofort in die Ladestation gestellt werden.
Auch wenn die Versuchung groß ist: Das Laden eines möglicherweise noch feuchten Hörgeräts kann weitere Schäden verursachen.
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Schritt 2: Hörgerät vorsichtig trocknen
Wischen Sie das Gerät zunächst mit einem weichen, fusselfreien Tuch sorgfältig trocken.
Dabei sollte möglichst viel Oberflächenwasser entfernt werden.
Je nach Bauform empfiehlt es sich anschließend, abnehmbare Teile zu entfernen.
Ex-Hörer-Hörgeräte
- Schirmchen (Dome) entfernen.
Hinter-dem-Ohr-Geräte (HdO)
- Otoplastik abnehmen.
- Schlauch entfernen, sofern möglich.
Im-Ohr-Geräte mit Domes
- Dome entfernen.
Maßgefertigte Im-Ohr-Geräte
Hier muss normalerweise nichts zerlegt werden.
Durch das Entfernen der Aufsätze kann eingeschlossene Feuchtigkeit leichter entweichen.
- Schritt 3: Das Hörgerät gründlich trocknen
Jetzt beginnt der wichtigste Teil der Rettungsaktion.
Ideal ist eine elektronische Trockenbox für Hörgeräte.
Diese Geräte erwärmen das Hörgerät schonend und entziehen ihm gleichzeitig die Feuchtigkeit. Hochwertige Modelle arbeiten zusätzlich mit UV-Licht zur Keimreduzierung.
Lassen Sie das Trockenprogramm nicht nur einmal laufen.
Empfehlenswert sind drei bis vier vollständige Trockenzyklen, insbesondere wenn das Hörgerät vollständig unter Wasser war.
Geduld zahlt sich hier aus.
Je gründlicher das Gerät trocknet, desto geringer ist das Risiko späterer Korrosionsschäden.
- Schritt 4: Silicagel als zusätzliche Hilfe
Falls Sie keine Trockenbox besitzen, können kleine Beutel mit Silicagel hilfreich sein.
Diese liegen häufig Verpackungen von Elektronikgeräten, Schuhen oder Taschen bei.
Legen Sie das Hörgerät zusammen mit mehreren Silicagel-Beuteln in eine gut verschließbare Kunststoffdose.
Das Trockenmittel nimmt nach und nach die Restfeuchtigkeit auf.
Der Reis-Trick funktioniert kaum
Im Internet liest man häufig den Tipp, nasse Elektronik einfach in eine Schüssel Reis zu legen.
Dieser Rat hält sich hartnäckig, hilft aber deutlich weniger als viele glauben.
Reis entzieht Feuchtigkeit nur sehr langsam und längst nicht so effektiv wie Silicagel oder eine richtige Hörgeräte-Trockenbox.
Allenfalls als absolute Notlösung kann Reis dienen. Eine professionelle Trocknung ersetzt er jedoch nicht.
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Schritt 5: Unbedingt zum Hörakustiker
Selbst wenn Ihr Hörgerät anschließend wieder völlig normal funktioniert, sollten Sie es möglichst am nächsten Werktag Ihrem Hörakustiker zeigen.
Dort stehen professionelle Trocknungsgeräte und Prüfgeräte zur Verfügung.
Außerdem kann überprüft werden,
- ob Mikrofone beschädigt wurden,
- ob der Lautsprecher korrekt arbeitet,
- ob Restfeuchtigkeit vorhanden ist,
- und ob bereits erste Korrosionserscheinungen auftreten.
Viele Feuchtigkeitsschäden entwickeln sich schleichend.
Eine frühzeitige Kontrolle kann spätere, teure Reparaturen verhindern.
- Schritt 6: Diese Fehler sollten Sie unbedingt vermeiden
Viele gut gemeinte Rettungsversuche richten mehr Schaden an als das Wasser selbst.
Verzichten Sie deshalb unbedingt auf folgende Maßnahmen:
- keinen Föhn benutzen,
- nicht auf die Heizung legen,
- nicht auf die Fensterbank in die pralle Sonne,
- niemals in den Backofen,
- niemals in die Mikrowelle.
Hohe Temperaturen können
- das Kunststoffgehäuse verformen,
- Dichtungen zerstören,
- Mikrofone beschädigen,
- Filter verformen,
- und insbesondere Akkus dauerhaft ruinieren.
Aus einem eigentlich noch reparablen Feuchtigkeitsschaden wird so schnell ein wirtschaftlicher Totalschaden.
Muss das Hörgerät jetzt repariert werden?
Das lässt sich leider nicht pauschal beantworten.
Manchmal hat ausschließlich der Lautsprecher (Hörer) Schaden genommen.
Vor allem bei Ex-Hörer-Geräten lässt sich dieser vergleichsweise einfach austauschen.
Praxistipp
Ist nur eines Ihrer beiden Hörgeräte nass geworden, können Sie testweise den funktionierenden Hörer der trockenen Seite auf das nasse Gerät setzen – sofern beide Geräte baugleich sind.
Funktioniert das Hörgerät anschließend wieder problemlos, liegt der Schaden vermutlich ausschließlich am Hörer.
Bleibt das Gerät dagegen stumm oder arbeitet unzuverlässig, sollte es unbedingt durch den Hörakustiker überprüft werden.
Bei klassischen Hinter-dem-Ohr-Geräten oder Im-Ohr-Geräten ist häufig eine professionelle Reparatur erforderlich.
Wie wasserdicht sind moderne Hörgeräte?
Die gute Nachricht:
Moderne Hörgeräte sind heute deutlich besser gegen Feuchtigkeit geschützt als noch vor einigen Jahren.
Viele aktuelle Modelle besitzen die Schutzklasse IP68.
Das bedeutet, dass sie gegen Staub weitgehend abgedichtet sind und auch ein zeitweiliges Eintauchen in Süßwasser überstehen können.
Trotzdem sollte man sich darauf keinesfalls verlassen.
Die Schutzklasse gilt nur unter genau definierten Laborbedingungen.
Im Alltag kommen häufig weitere Belastungen hinzu:
- Chlorwasser im Schwimmbad,
- Salzwasser am Meer,
- Seifenreste,
- Shampoo,
- Schweiß,
- Sonnencreme,
- Kosmetika,
- oder Schmutzpartikel.
Gerade Mikrofonöffnungen, Lautsprecher und Cerumenfilter bleiben empfindliche Bereiche.
Deshalb gelten die beschriebenen Erste-Hilfe-Maßnahmen grundsätzlich auch für moderne Premium-Hörgeräte.
So können Sie Wasserschäden vermeiden
Am besten ist natürlich, wenn es gar nicht erst zu einem Feuchtigkeitsschaden kommt.
Dazu helfen einige einfache Gewohnheiten:
- Hörgeräte vor dem Duschen immer herausnehmen.
- Vor dem Schwimmen grundsätzlich ablegen.
- Vor dem Haarewaschen vorher an die Hörgeräte denken.
- Nach starkem Schwitzen regelmäßig trocknen.
- Hörgeräte nachts grundsätzlich in einer Trockenbox lagern.
- Bei Regen möglichst eine Kapuze oder einen Schirm benutzen.
- Nach jedem Reinigungsvorgang auf Restfeuchtigkeit achten.
Gerade Menschen, die stark schwitzen oder viel Sport treiben, profitieren von einer täglichen Trocknung.
Mein persönlicher Rat
Ich kenne zahlreiche Fälle, in denen ein Hörgerät nach einem Wasserschaden scheinbar völlig unbeschadet war – nur um einige Wochen später plötzlich Aussetzer zu zeigen oder ganz auszufallen.
Lassen Sie sich deshalb niemals von einem ersten Funktionstest täuschen.
Je schneller das Hörgerät professionell getrocknet wird, desto größer sind die Chancen, dass es dauerhaft keinen Schaden nimmt.
Ein kurzer Besuch beim Hörakustiker kann Ihnen unter Umständen mehrere hundert Euro Reparaturkosten ersparen.
Häufige Fragen (FAQ)
Mein Hörgerät war nur kurz im Regen. Muss ich trotzdem etwas tun?
Ja. Trocknen Sie das Gerät gründlich ab und legen Sie es anschließend in eine Trockenbox. Oft genügt bereits eine Nacht, um Restfeuchtigkeit zuverlässig zu entfernen.
Funktioniert der Reis-Trick wirklich?
Nicht wirklich. Reis kann etwas Feuchtigkeit aufnehmen, arbeitet aber sehr langsam und ersetzt keine geeignete Trockenbox oder Silicagel.
Mein Hörgerät funktioniert wieder. Ist jetzt alles in Ordnung?
Nicht unbedingt. Korrosion entsteht häufig schleichend. Deshalb sollte jedes durchnässte Hörgerät vorsorglich vom Hörakustiker kontrolliert werden.
Kann ich mein Hörgerät mit einem Föhn trocknen?
Nein. Heiße Luft kann Gehäuse, Mikrofone, Dichtungen und insbesondere Akkus beschädigen.
Ist ein wasserdichtes Hörgerät unempfindlich gegen Wasser?
Nein. Auch Geräte mit Schutzklasse IP68 sollten möglichst trocken gehalten werden. Chlor, Salzwasser, Schweiß und Seifenreste können langfristig Schäden verursachen.
Bildquellen:
- wasserschaden_800x500: Peter Wilhelm














