• Gebrauchte Hörgeräte – wertlos oder wertvoll?

    Moderne digitale Hörgeräte machen Schwerhörige wieder leichthörig. Hörgeräte sind toll, sagen die Betroffenen.
    Die kleinen Hörwunder werden für gesetzlich Versicherte von der Krankenkasse bezahlt. Man erhält dann sehr gute Geräte, die den ganz normalen Bedarf eines Menschen mit Hörbeeinträchtigung abdecken.

    Wie bei allem im Leben, hat man aber auch bei Hörgeräten die Wahl zwischen VW-Polo und Mercedes 500.
    Wer mehr Komfort wünscht oder mehr Einstellmöglichkeiten, der kann für seine Hörhelfer auch locker um die 6.000,– € loswerden.

    Gesetzlich Versicherte haben nach 6 Jahren erneut Anspruch auf eine Folgeversorgung. Dann, so sagen die Hersteller, seien die Hörgeräte abgenutzt und die Zeit gekommen, sich neue anpassen zu lassen. Auch wenn Hörgeräte mitunter wesentlich länger halten, gehen deshalb viele Hörgeräteträger alle 6 Jahre zum Hörakustiker, um neue Geräte zu bekommen.
    Das gilt nicht nur für diejenigen, die den Anspruch auf ein Kassenhörgeräte wahrnehmen, sondern auch für die Leute, die vor 6 Jahren mehrere tausend Euro zugezahlt haben.

    Da kommt natürlich so mancher Hörgeräteträger auf die Idee, seine alten, gebrauchten Geräte noch zu Geld zu machen.
    Im Internet tauchen dann Kleinanzeigen oder Ebay-Angebote auf, in denen Hörgeräte, die ehedem 5.400 € gekostet haben, nun für 1.750,- € gebraucht verkauft werden sollen.

    Logischerweise denkt so manch einer, der an einem Hörverlust leidet, und der sich keine teuren Geräte leisten kann, er könne hier ein gutes Schnäppchen machen.

    Doch stimmt das? Lohnt sich einerseits der Verkauf? Und lohnt sich andererseits der Kauf solcher Geräte?
    Wir haben die Antworten.

    Grundsätzlich ist die Idee nicht schlecht. Der Verkäufer bekommt einen Teil seiner teuren Investition zurück. Der Käufer kommt in den Besitz von Geräten, die er zum vollen Preis nicht erwerben könnte.

    Allerdings gibt es mehrere Dinge, die Sie beachten müssen.

    1. Hörgeräte sind individuell angepasste Medizinprodukte
    2. Sie können nicht einfach das Hörgerät einer anderen Person kaufen und in die Ohren stecken. Sie werden damit nicht gut hören. Ein eventuell vorhandenes Ohrstück wird Ihnen nicht richtig passen. Die Geräte müssen vielmehr von einem Hörakustiker auf Sie eingestellt werden; die Ohrpassstücke müssen für Sie individuell gefertigt werden.

    3. Hörakustiker arbeiten nicht gerne mit gebrauchten Geräten
    4. Die Hörakustiker verdienen am Verkauf der Geräte. Sie erhalten von der Kasse und den Kunden Beträge für Beratung, Reparatur und Wartung.
      Wenn Sie mit einem gebrauchten Gerät zum Hörakustiker kommen, hat er keinen Verdienst. Sie werden dann für die Beratung, Anpassung und die Reparaturen voll bezahlen müssen. Das kann im Laufe der Jahre sogar den Wert der Hörgeräte übersteigen.

    5. Sie haben keinerlei Garantie
    6. Die Garantie für Hörgeräte ist nach so vielen Jahren längst abgelaufen. Sie haben somit keinerlei Garantie- oder Gewährleistungsansprüche gegen den Hersteller oder Händler.
      Das kann bei Reparaturen ganz schön ins Geld gehen.

    7. Die Ersatzteillage kann unbefriedigend sein
    8. Wenn Hörgerätehersteller neue Serien herausbringen, werden nach einer gewissen Zeit die alten Ersatzteile weitestgehend vernichtet.
      Es besteht daher die Möglichkeit, dass Sie zwar schöne und noch gut funktionierende Gebrauchthörgeräte kaufen, aber im Falle eines Falles keine Reparatur mehr möglich ist.

    9. Die Geräte können ihr Lebensende erreicht haben
    10. Die Krankenkassen gewähren nicht ohne Grund alle 6 Jahre neue Geräte. Nach diesen 6 Jahren sind die Hörgeräte bereits über 26.000 Stunden in Betrieb gewesen!
      Es sind keine Freizeitartikel, die nur ein paar Stunden pro Woche gelaufen sind. Nein, sie sind nach 6 Jahren schon über 1,5 Millionen Minuten gelaufen.
      Auch wenn die Geräte optisch noch einwandfrei sind und zum Zeitpunkt des Kaufs noch gut funktionieren, können sie nach kurzer Zeit schon komplett ausfallen.

    11. Die Hörgeräte können für Sie ungeeignet sein
    12. Es gibt rund 2.000 verschiedene Hörgeräte auf dem Markt. Nicht für jeden Schwerhörigen ist jedes Hörgerät geeignet.
      Ohne eine fachliche Beratung durch einen Hörakustiker können Laien nicht feststellen, ob die zum Verkauf angebotenen Gebrauchtgeräte überhaupt geeignet sind.

    Es ist also fraglich, ob Sie als Käufer solcher Geräte glücklich werden können.
    Unterm Strich raten wir vom Kauf gebrauchter Hörgeräte eher ab.



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    Ein bißchen anders sieht es aus, wenn sich ein Verwandter neue Hörgeräte geleistet hat und dann verstirbt.
    Wenn Sie die Herkunft der Geräte kennen und auch über die geringe Nutzung Bescheid wissen, dann kann eine Weiterverwendung der teuren Geräte durchaus mal eine Möglichkeit sein.

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