• Binaurale Hörgeräte erklärt

    Eine Hörschädigung führt immer zu einem Verlust von Lebensqualität. Es gibt erhebliche Einschränkungen in der Kommunikation.
    Moderne, digitale Hörgeräte sind hier eine echte Hilfe und können die verlorengegangene Lebensqualität wieder zurückbringen.
    Dabei ist es aber entscheidend, dass Sie sich für die richtigen Hörgeräte entscheiden.

    Wo ist das Problem?

    In vielen Fällen ist nämlich das räumliche Hören durch den Hörverlust stark eingeschränkt. Sie können dann nicht mehr genau orten, aus welcher Richtung ein Geräusch oder eine Stimme an Ihr Ohr dringt. Darunter leiden auch die Fähigkeit Stereo zu hören und bei einer Heimkinoanlage den 5.1-Sound zu genießen.
    Besonders im Straßenverkehr kann aber der Verlust des räumlichen Hörens dazu führen, dass Sie falsche Entscheidungen treffen, wenn Sie Geräuschquellen nicht richtig verorten können.

    Genau an dieser Stelle spielen binaurale Hörgeräte eine Rolle. Sie ermöglichen auch Menschen mit einem Hörverlust die Lokalisation.

    Tiere können meist ihre Ohren in unterschiedliche Richtungen drehen. Wir können das nicht.

    Was sind Lokalisation und binaurales Hören?

    Unter dem Begriff Lokalisation verstehen wir Erkennen der Richtung und der Entfernung einer Schallquelle.
    Wir nennen das Richtungshören und Entfernungshören. Fachleute sprechen auch von Richtungslokalisation und Entfernungslokalisation.

    Die Lokalisation ist also ein passiver Vorgang, den wir nicht aktiv beeinflussen können.
    Insofern ist die Bezeichnung „orten“ aus den obigen Abschnitten auch nicht ganz korrekt, denn ein Orten ist ein aktiver Vorgang, zum Beispiel beim Sonar.
    Wir bleiben hier aber, der Einfachheit halber, auch beim Wort orten.

    Die Lokalisation von Schallquellen erfolgt in erster Linie durch beidohriges (binaurales) Hören.
    So können wir die Entfernung von Geräuschen abschätzen und die Richtung, aus der der Schall kommt.

    So helfen Ihnen binaurale Hörgeräte?

    Die Hörgeräte-Hersteller arbeiten schon lange an entsprechenden Lösungen. Das Ergebnis der Entwicklung sind binaurale Hörgeräte.
    Sie sind mit einer Technik ausgestattet, die Fähigkeit zum räumlichen Hören wieder deutlich zu verbessern.
    Erreicht wird das durch einen Datenaustausch und -abgleich zwischen zwei Hörgeräten.
    Dieser Datenabgleich würde bei normalem Hören auch durch die Ohren im Gehirn vorgenommen. Da das aber aufgrund eines Hörverlusts nicht mehr richtig funktioniert, greifen hier binaurale Hörsysteme ein.

    Binaurale Hörgeräte sind per Funk miteinander gekoppelt. Sie stimmen sich aufeinander ab. Informationen vom einen Ohr werden innerhalb von Bruchteilen von Millisekunden an das andere Ohr gefunkt.
    So werden dem Hörgeräteträger ein räumliches Hören und die Lokalisation wieder ermöglicht.

    Sogar das Hören unabhängig von Ihrer Blickrichtung, werden durch binaurale Hörgeräte ermöglicht. Sie können ihre Mikrofone automatisch ausrichten, dass auch Schall empfangen wird, der hinter Ihnen oder schräg seitlich entsteht. Das wird durch eine clevere Verarbeitung der Signale mehrerer Mikrofone erreicht.
    So ist es möglich, zu erkennen, aus welcher Richtung ein Signal kommt.

    Auch beim Telefonieren mit einem gekoppelten Smartphone bieten solche Hörgeräte gewisse Vorteile.
    Ein Ohr empfängt die Tonsignale des Handys und leitet diese via Funk an das andere Hörgerät weiter.

    Fazit

    Binaurales Hören ermöglichen beispielsweise die 800er Geräte der Serie Moxi all von Unitron. Aber auch die anderen Hersteller sind mit im Spiel.
    Binaurale Hörgeräte sind nicht als Kassenhörgerät erhältlich. Sie gehören zur Oberliga der Hörgeräte und kosten entsprechend mehr.
    Das bedeutet auf der anderen Seite aber auch, dass Personen, die nur ein Hörgerät benötigen, sich keine binauralen Hörgeräte kaufen müssen.
    Das gilt ebenso, wenn der Hörverlust beider Ohren in etwa gleich ist, und mit herkömmlichen Hörgeräten schon ein Richtungserkennen möglich ist.
    Deshalb gilt umsomehr: Pobetragen, probetragen, probetragen!



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    Bilder:
    Pferd: Capri23auto / Pixabay
    Hörgeräte: © Phonak
    Titel: hearphenix

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