• Pro und Contra – Domes und Schirmchen

    otoplastik

    Viele Hörgeräteträger erhalten besonders am Anfang ein Hörgerät mit einem sogenannten Schirmchen.
    Es muss kein massgeschneidertes Ohrstück hergestellt werden, sondern der Kunde kann sich das Hörgerät gleich hinter das Ohr und in das Ohr stecken. Passt!

    Schirmchen bieten viele Vorteile

    Diese Schirmchen sind klein, weich und anschmiegsam. sie verschwinden im Gehörgang und sind nahezu unsichtbar. Die Akzeptanz bei den Neu- oder Wiederversorgten steigt enorm. Denn der Tragekomfort der auch Domes genannten Schirmchen ist groß.

    Bei leichtem bis mittelstarken Hörverlust lassen sich die Schirmchen auch sehr gut vom Hörakustiker anpassen. Das bezieht sich nicht auf die Passform der Schirmchen, sondern auf die Einstellungen des Hörgerätes.
    Bei stärkerem Hörverlust treten dann bei einer reinen Schirmchenversorgung zunehmend Anpassschwierigkeiten auf.

    Wir beobachten, dass es vier Lager unter den Hörakustikern gibt:

    • Der Hörakustiker versorgt alle Neulinge erst mit Schirmchen, läßt aber keinen Zweifel daran, dass nach der Entscheidungsphase eine Otoplastik obligatorisch ist. Er berät die Kunden über die großen Vorteile einer Otoplastik.
    • Der Akustiker überläßt es weitestgehend dem Kunden, ob er mit den Schirmchen zurechtkommt. Er läßt es wahlweise bei den Schirmchen oder bietet eine Otoplastik an.
    • Der Hörgeräteakustiker ist ein Schirmchenfan. Er ist von dieser leichten Lösung überzeugt. Bei Problemen mit Rückkopplungen dreht er so lange an den Einstellungen, bis nichts mehr pfeift.
    • Der Hörakustiker ist ein Schirmchengegner. Schirmchen gibt es bei ihm nur zum Probetragen und schon beim ersten Besuch wird eine Ohrabformung gemacht.

    Schirmchen haben aber auch Nachteile

    So gut die Schirmchen auch sein mögen, sie sind ein Hilfsmittel in einer Übergangsphase.
    Gut, es gibt Hörgeräteträger, die sind von dieser offenen Versorgung so begeistert, dass sie niemals etwas anderes haben möchten.
    So lange diese Menschen mit den Domes hinkommen und keine Probleme haben, muss da auch nichts geändert werden.

    Ansonsten aber muss man sich auch mal die Nachteile anschauen.

    • Die Schirmchen bieten eine recht offene Versorgung. Gerade beim Hochtonhörverlust sind sie offen genug, um die tiefen Frequenzen noch ans Ohr zu lassen. Diese offene Bauweise hat aber auch einen ganz entscheidenden Nachteil: Es dringt Schall aus dem Gehörgang nach außen. Das kann zu Rückkopplungen führen. Regelt der Hörakustiker hier immer fröhlich nach, beschneidet er letztlich die Frequenzen, die der Kunde eigentlich zum Hören und Sprachverstehen benötigt.
    • Der Hörakustiker bemüht sich, ein möglichst optimales Klangbild einzustellen. Dieses soll auch am Trommelfell des Kunden ankommen. Bei einer Schirmchenversorgung ist es aber mitunter ein Glücksspiel, was ans Trommelfell gelangt und was wieder nach außen abfließt.
    • Für die optimale Klangeinstellung ist es wichtig, dass der Schall von einer immer wieder reproduzierbaren Stelle im Gehörgang ans Trommelfell abgegeben wird. Schirmchen sind locker und verschiebbar. Ein immer gleicher Sitz ist niemals gewährleistet. Deshalb kann das Hörergebnis beim Kunden trotz gleichbleibender Einstellungen an verschiedenen Tagen vollkommen unterschiedlich sein.
    • Die weichen Schirmchen haben nur eine begrenzte Lebensdauer und es besteht immer die Gefahr, dass sie sich von Schlauch oder RIC lösen und im Ohr stecken bleiben. Eine massgefertigte Otoplastik sitzt fest.

    Der Kundenwunsch ist berechtigt

    Immer wieder werden uns Otoplastiken gezeigt, die in unseren Augen schon fast an Körperverletzung grenzen.
    Dickschalige, groteske Formen, die nur annähernd ins Kundenohr passen und an manchen Stellen unangenehm spitz und scharfkantig sind.
    Man muss allerdings sagen, dass es sich hierbei vor allem um ältere Otoplastiken handelt.
    Neuere sind besser.
    Trotzdem kann ich verstehen, dass Menschen Angst vor solchen Ohrpassstücken haben, die aussehen, als habe sie Frankensteins Monster im Keller mit der Kettensäge gehobelt.

    Bei Schirmchen bleibt der Okklusionseffekt weitestgehend aus, die Belüftung des Ohres ist besser und sie drücken und kneifen nicht.
    Wenn ich da höre, dass mir ein Mann am Telefon erzählt, er benötige täglich eine Viertelstunde, um „den gräßlichen Zapfen ins Ohr zu schrauben“, was ihm auch weh tue und den ganzen Tag unangenehm drücke, dann verstehe ich, dass die Leute eine anschmiegsame Schirmchenversorgung bevorzugen.

    Vor allem beim Probetragen der Hörgeräte sind die Schirmchen heute unverzichtbar. In 2 Minuten hat der Kunde sein Hörgerät am Ohr.

    Die Otoplastik ist die beste Lösung

    Wenn wir uns die oben beschriebenen Nachteile der Schirmchenversorgung anschauen, dann dürfte ein verantwortungsvoller Hörakustiker eigentlich keinen Kunden auf Dauer ohne Otoplastik lassen.
    Auch diese können heute so toll gefertigt werden, dass der Kunde ein angenehmes Tragegefühl hat. Klein, skelettiert und farbig oder im Edelmetall-Look, Otoplastiken gibt es in unglaublich vielen Varianten. Hier sind die Hörakustiker gefordert, die nicht nur Standard anbieten sollten, sondern über den Tellerrand schauen müssen, um dem Kunden eine wirklich optimale Otoplastik-Versorgung anbieten zu können.



    Anzeige


    Wenn Otoplastiken bequem sind, wenn sie ins Ohr schlüpfen ohne zu drücken, wenn sie dem Kunden angenehm erscheinen und dazu auch noch kaum sichtbar sind, dann steigt auch die Akzeptanz für die Otoplastik.

    Keine Kommentare möglich

    Lesen Sie auch

    Hörgerät – Otoplastik – Angst vor der Abformung

    Hallo, liebe Redaktion von Hörgeräte-Info! Ich soll am Samstag Otoplastiken angefertigt be…