Outen Sie sich als schwerhörig

Immer wieder erreichen uns Klagen und Beschwerden von Hörgeschädigten, die sich aufgrund ihrer Hörbeeinträchtigung benachteiligt fühlen.
Damit es zu weniger Problemen kommt, sollten Sie sich stets rechtzeitig als hörbehinderte Person bemerkbar machen. Da sich viele nicht mit der Problematik auskennen, können Sie dann sagen, was Sie stört. Nur wenn andere Ihre Beeinträchtigung kennen, können diese auch darauf eingehen. Kommt man dann normal vorgetragenen und erfüllbaren Bitten nicht nach, gibt es wirklich Grund zur Beschwerde.

Eine Schwerhörigkeit kann man nicht sehen. Wenn jemand mit einem Rollstuhl kommt, sind oft andere behilflich, beispielsweise indem sie eine Rampe aufstellen usw.
Dass auch eine Schwerhörigkeit eine durchaus schwerwiegende Behinderung darstellt, ist vielen nicht bewußt. Es ist immer schwierig, die Begriffe Schwerhörigkeit und Behinderung zusammen zu erwähnen. Viele Schwerhörige fühlen sich als behindert und vermeiden diesen Ausdruck. Aber Tatsache ist, dass ein nSchwerhöriger aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht in vollem Maße an alle Aktivitäten teilnehmen kann. Das gilt auch für Schwerhörige, die mit einem Hörgerät versorgt sind.

Genau hier beginnt eine Denkfalle der Nichtbetroffenen. Sie denken oft, dass Hörgeräte diese Art von Behinderung vollkommen ausgleichen. Das ist aber nicht so. Mit keinem Hörgerät kann ein Schwerhöriger so gut hören, wie ein junger Mensch mit nicht beeinträchtigten Ohren.

Die Nachteile, die uns Betroffene trotz guter Hörgeräte bleiben, müssen wir aber thematisieren, damit andere ein Verständnis dafür bekommen.
Dazu gehört z.B. dass man im Restaurant darum bittet, einen Platz fernab der Lautsprecher zu bekommen, oder dass die Musik etwas leiser gedreht wird.
An der Theaterkasse oder bei der Platzwahl im Kino darf man ohne weiteres auf seine Hörbehinderung hinweisen, möglicherweise gibt es besonders gut geeignete Plätze.
Sagen Sie ruhig Sätze wie: „Ich bin schwerhörig, bitte sprechen Sie deutlich. …bitte schauen Sie mich beim Sprechen an. …bitte sprechen Sie lauter…“

Ein No-Go ist das rabiate Auftreten als Behinderter. Das erlebe ich tagtäglich und fremdschäme mich dann.
Ein älterer Herr auf Krücken kommt zu einem Vortrag. Er läuft recht rasant bis zur ersten Reihe und setzt sich auf einen der reservierten Plätze. Als die VIP-Gäste kommen wird er gebeten, sich woanders hinzusetzen. Der Mann zückt seinen Schwerbehindertenausweis und beginnt ein peinliches Zetern.

Selbstverständlich sollte man seine Wünsche als Bitte formulieren und dabei freundlich sein. In den seltensten Fällen wird man dann auf Schwierigkeiten stoßen.



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