• Ich schäme mich wegen meines Hörgerätes

    Lieber Herr Wilhelm,

    ich bin 37 Jahre alt (weiblich) und stehe mitten im Beruf. Mein Job in der Finanzwelt erfordert starke, zupackende Persönlichkeiten.
    Unsere Vorgesetzten achten viel auf Fitness, Wellness und sportives Verhalten.

    Jetzt hat der HNO mir ein Hörgerät verschrieben. Ich muss nur rechts eins tragen. Ich scheue aber den Schritt zum Hörgerätegeschäft. Ich will nicht mit 37 jahren schon wie eine alte Frau einen dicken rosafarbenen Propfen aus Plastik im Ohr haben aus dem ein dicker, gelblicher Schlauch hinters Ohr führt.

    Ja, ich gebe es zu, ich schäme mich dieses Hörgerätes.
    Ich will noch nicht als alt und behindert gelten.

    Was raten Sie mir? Soll ich die Hörschwierigkeiten verheimlichen oder doch den ganz ins Ohrenstudio wagen?

    Oh, wie gut ich Sie verstehe!
    Aber Ihre Befürchtungen sind vollkommen unbegründet. Und zwar aus folgenden Gründen:

    1. Die von Ihnen beschriebenen Hörgeräte gibt es in dieser Form kaum noch. Sie werden beim Hörakustiker zahlreiche Geräte gezeigt bekommen, die so winzig sind, dass sie gar nicht mehr auffallen. Einige davon sind so klein, dass sie komplett im Gehörgang verschwinden. Die sieht niemand mehr.

    2. Es ist heutzutage keine Schande mehr (und war es noch nie) mit einer Behinderung zu leben. Sie können ganz offensiv dazu stehen, wie es viele junge Frauen tun. Sie tragen farbige Hörgeräte hinter dem Ihr und im Ohr eine kleine Ex-Hörer-Versorgung, die kaum auffällt. Seien Sie mutig und gehen Sie mit einem guten Beispiel voran.

    3. Es gibt überhaupt keinen Grund, sich zu schämen. Sie schämen sich doch auch nicht eine Brille zum Lesen/Autofahren oder wenigstens eine Sonnenbrille bei Sonne aufzusetzen. Auch das sind Hilfsmittel. Und ein Hörgerät ist nur ein kleines technisches Hilfsmittel, um wieder richtig hören zu können.

    4. Moderne Hörgeräte haben Bluetooth, können Siri, übertragen den Fernsehton und Musik direkt ins Ohr und Sie können ohne weitere Hilfsmittel mit dem Hörgerät telefonate führen.

    5. Mir ist außerdem eine junge Frau, die sich mit einem modernen Hörsystem helfen läßt, tausendmal lieber, als eine, die ständig zurückfragen muss oder „Häh?“ sagt.

    6. Ein Hörgerät hat überhaupt nichts mit alt zu tun. Selbst Kinder können an Schwerhörigkeit leiden. Eine Hörbeeinträchtigung kann jeden in jedem Alter treffen.

    Schauen sie sich folgendes Bild an:

    Trägt diese junge Dame ein Hörgerät?

    Na, was meinen Sie?

    Man kann es nicht wissen, denn man kann es nicht sehen. Vielleicht trägt sie eins tief im Gehörgang, vielleicht trägt sie eines hinter dem Ohr.

    Moderne Hörsysteme sind winzig klein, fallen kaum auf und sind vom Tragekomfort her wunderbar.



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    Gehen Sie den Schritt zum Hörgeräteakustiker!

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