• Hörgeräte: Hinter dem Ohr Geräte HdO

    Hinter-dem-Ohr-Geräte

    Hinter-dem-Ohr-Geräte (abgekürzt HdO) sind heutzutage die am meisten verwendete Art von Hörgeräten.
    Sie haben eine Gehäuseform, mit der das Gerät von oben hinter die Ohrmuschel aufgesetzt werden kann.
    Der größte Teil des Gehäuses liegt dabei hinter der Ohrmuschel auf.

    Entweder sitzt der Lautsprecher (Hörer) im Hörgerät selbst und der Schall wird über einen Schallkanal durch einen Schlauch ins Ohr geleitet.
    Der Schallkanal besteht dabei genauergesagt aus Hörwinkel, Schallschlauch und Otoplastik (Ohrpassstück).

    Oder aber der Hörer wird als externer Hörer (Exhörer, Ex-Hörer) ausgeführt. Dabei fällt der Schallwinkel weg und der Hörer befindet sich nicht mehr im Hörgerät, sondern ist mit diesem über ein dünnes Kabel verbunden und steckt direkt im Ohr.

    Da durch die Bauform und Trageweise bei HdO-Geräten genug Platz für Batterie, Elektronik und Schallwandler vorhanden ist, können mannigfaltige technische Optionen sowie hohe Verstärkungsleistungen realisiert werden.

    Bunte HdO-Geräte für Kinder. Quelle: Von Biha – Bundesinnung der Hörgeräteakustiker KdöR – biha – Bundesinnung der Hörgeräteakustiker KdöR, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org

    Bei einer notwendigen großen Verstärkung bei starken Hörminderungen wird durch den großen Abstand zwischen Hörgerätemikrofon und der Schallaustrittsöffnung nahe am Trommelfell die Rückkopplungsanfälligkeit verringert. Diese führt zu einem lästigen Pfeifen, das beispielsweise bei nicht korrekt sitzendem Ohrpassstück, verlegtem Gehörgang oder undichtem Schallschlauch auftreten kann.

    Haben Sie nur eine leichte oder mittelgradige Hörminderung in Bezug auf hohen Frequenzen, kann der Gehörgang möglichst offen belassen werden.
    Damit können die nicht oder nur gering von einem Hörverlust betroffenen Frequenzen weiterhin natürlich ins Ohr gelangen.
    Das erreicht der Hörakustiker durch Verwendung eines offenen Slim-Tube Endstücks oder einer Otoplastik mit einer größtmöglich offenen Bauweise oder Belüftungsbohrung (Venting).

    Wie bereits gesagt, kann es je nach der Verstärkung in unterschiedlichen Frequenzbereichen zu einer Rückkopplungsneigung kommen.
    Lässt sich diese nicht über die Steuerung des Hörsystems ausgleichen, kann eine weitere Verringerung der Rückkopplungsneigung durch einen teilweisen Verschluss des Gehörgangs erfolgen. Das macht der Akustiker z.B. durch eine Verkleinerung des Durchlasses oder der Bohrung in der Otoplastik oder Verwendung eines entsprechenden Slim-Tube Endstücks.

    Sie haben dadurch mit einer möglichst offenen Versorgung zumeist ein angenehmeres, natürlicheres Hörempfinden, da der vin Ihnen selbsterzeugte Körperschall nicht mehr an der dem Trommelfell zugewandten Seite der Otoplastik reflektiert wird. Durch diese Reflexionen kann nämlich ein unangenehmes, „dumpfes“ Hörgefühl entstehen, da der niederfrequente Körperschall nicht über den offenen Gehörgang „abfließen“ kann und somit verstärkt wahrgenommen wird. Dazu zählen auch der Grundton der eigenen Stimme sowie Kau-, Schluck- und Trittgeräusche.

    Beim derzeitigen Stand der Technik (2018) wird diese Art der „offenen Versorgung“ zunehmend durch Einführung von Mini-HdO-Geräten mit dünnen Schallschläuchen auch ganz ohne Otoplastik durchgeführt.
    Diese modernen Geräte ermöglichen eine kosmetisch äußerst unauffällige Hörgeräteversorgung.

    Bei stärker gekrümmten Gehörgängen ist aber auch hier – trotz digitaler „Rückkopplungs-Manager“ – manchmal eine rückkopplungsfreie Anpassung nicht möglich, weshalb dann die Anfertigung einer Maßotoplastik mit definierter Zusatzbohrung sinnvoll ist.



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    Bei besonderen kosmetischen Ansprüchen des Hörgeräteträgers können spezielle Gehörgangs-Otoplastiken angefertigt werden, die von außen praktisch nicht sichtbar sind. Für die dünnen Schallschläuche hat sich der Fachausdruck „Slim-Tube“ durchgesetzt.

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