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Phonak Virto R Infinio im Test: Endlich ein Im-Ohr-Hörgerät mit Akku und Bluetooth

Viele Menschen wünschen sich ein Hörgerät, das möglichst unsichtbar ist. Zwar sind moderne Hinter-dem-Ohr-Geräte inzwischen erstaunlich unauffällig, doch der Wunsch nach einem Hörgerät, das komplett im Ohr verschwindet, ist nach wie vor groß. Bisher mussten Interessenten allerdings Kompromisse eingehen: Im-Ohr-Hörgeräte arbeiteten meist mit kleinen Wechselbatterien und boten nur selten Bluetooth oder komfortables Streaming.

Mit dem Virto R Infinio möchte Phonak genau diese Lücke schließen. Das individuell angepasste Im-Ohr-Hörgerät kombiniert Akku, Bluetooth und modernes Design. Wir haben uns angesehen, wie gut das im Alltag funktioniert.

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Der erste Eindruck

Das Virto R Infinio unterscheidet sich deutlich von klassischen Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten. Das komplette Gehäuse sitzt im äußeren Gehörgang. Dadurch entfällt das Gerät hinter dem Ohr mitsamt Schallschlauch.

Optisch erinnert das Virto eher an hochwertige In-Ear-Kopfhörer wie Sonys WF-Serie als an ein klassisches Hörgerät. Allerdings ist das Gehäuse etwas schlanker ausgeführt.

Ganz unsichtbar bleibt das Hörgerät dennoch nicht. Akku und Bluetooth benötigen Platz, sodass das Gehäuse seitlich durchaus sichtbar ist. Wer sehr genau hinsieht, erkennt das Gerät.

Verwechslungsgefahr mit Kopfhörern

Im Alltag ergibt sich daraus eine interessante Besonderheit.

Nicht wenige Gesprächspartner halten das Virto zunächst für einen kabellosen In-Ear-Kopfhörer. Manche könnten deshalb den Eindruck gewinnen, ihr Gegenüber höre während des Gesprächs Musik oder telefoniere – was schnell als unhöflich empfunden wird.

Im Bekanntenkreis lässt sich dieses Missverständnis leicht aufklären. Schwieriger wird es bei Menschen, denen man zum ersten Mal begegnet. Dieses kleine Risiko sollte man kennen.

Besonders interessant für Brillenträger

Gerade Brillenträger profitieren vom Konzept des Virto R Infinio.

Wer täglich eine Brille trägt, kennt das Problem: Hinter dem Ohr konkurrieren Brillenbügel und Hörgerät um den begrenzten Platz. Nach mehreren Stunden kann das drücken oder scheuern.

Auch große Over-Ear-Kopfhörer sitzen oft angenehmer, wenn sich hinter dem Ohr kein weiteres Gerät befindet. Das Virto schafft hier deutlich mehr Platz und erhöht den Tragekomfort spürbar.

Maßanfertigung statt Standardlösung

Vor der Fertigung erstellt der Hörakustiker einen Abdruck des Gehörgangs. Dazu wird eine weiche Silikonmasse ins Ohr eingebracht, die innerhalb weniger Minuten aushärtet.

Auf Grundlage dieses Abdrucks fertigt Phonak jedes Hörgerät individuell an. Dadurch sitzt das Virto sehr präzise und sicher im Ohr.

Diese Maßanfertigung sorgt gleichzeitig für eine nahezu vollständige Abdichtung des Gehörgangs.

Der Okklusionseffekt ist reine Gewöhnungssache

Diese dichte Passform bringt allerdings einen bekannten Nebeneffekt mit sich: den sogenannten Okklusionseffekt.

Direkt nach dem Einsetzen wirkt die eigene Stimme ungewöhnlich laut und dumpf. Auch Kaugeräusche oder andere Bewegungen des Kiefers werden deutlich stärker wahrgenommen.

Der Grund ist einfach erklärt: Normalerweise können diese Körperschallanteile aus dem Gehörgang entweichen. Ist dieser jedoch durch das Hörgerät verschlossen, werden die Schallwellen reflektiert.

Viele beschreiben das Gefühl so, als hätten sie Wasser im Ohr oder trügen Ohrenstöpsel.

Die gute Nachricht: Die meisten Nutzer gewöhnen sich innerhalb weniger Tage weitgehend daran.

Gerade bei stärkerem Hörverlust ein Vorteil

Die vollständige Abdichtung hat auch erhebliche Vorteile.

Menschen mit stärkerem Hörverlust – insbesondere im Tieftonbereich – profitieren oft deutlich stärker von einer geschlossenen Versorgung als von offen angepassten Hinter-dem-Ohr-Geräten.

Bei klassischen Hörgeräten entweicht ein Teil des verstärkten Schalls wieder aus dem Ohr. Das verbessert zwar das natürliche Hörgefühl, begrenzt aber die maximale Verstärkung.

Das Virto kann hier wesentlich effizienter arbeiten und ermöglicht dadurch häufig ein besseres Sprachverstehen.

Im Alltag angenehm unkompliziert

Im täglichen Gebrauch sammelt das Virto R Infinio viele Pluspunkte.

Das Einsetzen gelingt erstaunlich schnell. Hörgeräte aus dem Ladeetui nehmen, ins Ohr einsetzen – fertig. Das funktioniert fast genauso unkompliziert wie bei modernen In-Ear-Kopfhörern.

Das Ladeetui wirkt hochwertig verarbeitet. Die Hörgeräte werden magnetisch sicher gehalten und laden zuverlässig.

Bluetooth überzeugt im Alltag

Ein echtes Highlight ist die Bluetooth-Funktion.

Telefonate werden direkt über die Hörgeräte geführt und funktionieren im Test ausgesprochen komfortabel.

Auch die Bedienung gefällt. Die kleine Taste am Gehäuse lässt sich überraschend treffsicher bedienen. Mit ihr können Gespräche angenommen sowie die Lautstärke geregelt werden.

Gerade im Vergleich zu manchen Hinter-dem-Ohr-Geräten mit ihren schmalen Lautstärkewippen gelingt die Bedienung hier oft einfacher und sicherer.

Die Phonak-App steht ebenfalls zur Verfügung. Im Alltag wird sie allerdings nur gelegentlich benötigt, da sich die wichtigsten Funktionen direkt am Hörgerät erledigen lassen.

Preise

Preislich bewegt sich das Virto R Infinio auf dem Niveau hochwertiger Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte.

Je nach Leistungsstufe beginnen Angebote häufig bei rund 2.500 Euro pro Paar und reichen bis etwa 4.500 Euro für die leistungsstärksten Varianten.

Wie bei anderen Hörgeräten beteiligen sich die gesetzlichen Krankenkassen – je nach Versorgung – mit einem Zuschuss von bis zu etwa 1.500 Euro.

Für wen eignet sich das Phonak Virto R Infinio – und für wen eher nicht?

Das Virto R Infinio eignet sich besonders für:

  • Menschen, die ein möglichst unauffälliges Hörgerät wünschen.
  • Brillenträger, die den Platz hinter dem Ohr frei halten möchten.
  • Nutzer, die Wert auf Bluetooth-Telefonie und Audio-Streaming legen.
  • Menschen mit mittelgradigem bis hochgradigem Hörverlust, bei denen eine geschlossene Versorgung Vorteile bietet.
  • Personen, die ihre Hörgeräte schnell einsetzen und herausnehmen möchten.
  • Alle, die sich ein individuell angefertigtes Hörgerät wünschen.

Weniger geeignet ist das Virto R Infinio für:

  • Menschen, die den Okklusionseffekt als besonders störend empfinden.
  • Nutzer, die möglichst kleine, vollständig im Gehörgang verschwindende Hörgeräte erwarten.
  • Personen, die häufig mehrere Tage ohne Lademöglichkeit unterwegs sind. Das Ladeetui besitzt keine integrierte Powerbank.
  • Menschen, die befürchten, mit Trägern von In-Ear-Kopfhörern verwechselt zu werden.
  • Nutzer, deren Hörverlust oder anatomische Gegebenheiten eine andere Bauform sinnvoller erscheinen lassen. Hier entscheidet letztlich der Hörakustiker anhand der individuellen Hörmessungen.

Unser Tipp: Probetragen ist Pflicht. Kein Hörgerät eignet sich für jeden Menschen gleichermaßen. Erst im Alltag zeigt sich, ob Bauform, Klang und Tragekomfort wirklich zu den eigenen Bedürfnissen passen.

Vorteile und Nachteile des Phonak Virto R Infinio auf einen Blick

Vorteile Nachteile
Sehr unauffällige Im-Ohr-Bauform Nicht vollständig unsichtbar
Individuelle Maßanfertigung für optimalen Sitz Okklusionseffekt kann anfangs störend sein
Wiederaufladbarer Akku Ladeetui ohne integrierte Powerbank
Bluetooth für Telefonie und Audio-Streaming Kann optisch mit In-Ear-Kopfhörern verwechselt werden
Ideal für Brillenträger Nicht jede Ohrform ist geeignet
Angenehme Bedienung über Taste am Gerät Maßanfertigung benötigt etwas Produktionszeit
Sehr gutes Sprachverstehen bei geschlossener Anpassung Regelmäßige Eingewöhnung wegen des Okklusionseffekts erforderlich
Kein Gerät hinter dem Ohr – angenehm mit Brille, Mützen und Over-Ear-Kopfhörern Regelmäßiges Aufladen erforderlich

Technische Daten im Überblick

Bauform Im-Ohr-Hörgerät (ITE), individuell gefertigt
Stromversorgung Wiederaufladbarer Lithium-Ionen-Akku
Bluetooth Ja, für Telefonie und Audio-Streaming
Bedienung Taste am Hörgerät und Phonak-App
Anpassung Individuell nach Ohrabdruck
Ladeetui USB-C, ohne integrierte Powerbank
Preis Je nach Leistungsstufe etwa 2.500 bis 4.500 Euro pro Paar (vor Krankenkassenzuschuss)

Unser Fazit

Das Phonak Virto R Infinio gehört derzeit zu den interessantesten Im-Ohr-Hörgeräten auf dem Markt. Es verbindet eine diskrete Bauform mit moderner Bluetooth-Technik und einem leistungsfähigen Akku. Besonders Brillenträger und Menschen, die häufig Kopfhörer tragen, profitieren davon, dass hinter dem Ohr kein Gehäuse sitzt.

Abstriche müssen Nutzer lediglich beim Ladeetui machen, das leider keine integrierte Powerbank besitzt. Außerdem sollte man den Okklusionseffekt und die leichte Sichtbarkeit des Geräts einkalkulieren.

Gesamtbewertung: ★★★★☆ 4,6 von 5 Sternen

Mit dem Virto R Infinio ist Phonak ein bemerkenswerter Schritt gelungen. Endlich gibt es ein modernes Im-Ohr-Hörgerät, das Akku, Bluetooth und individuelles Design miteinander verbindet.

Besonders Brillenträger und Menschen, die häufig Kopfhörer tragen, profitieren vom Verzicht auf ein Gehäuse hinter dem Ohr. Das schnelle Einsetzen, die komfortable Bluetooth-Telefonie und die sehr gute Sprachübertragung sprechen ebenfalls für das System.

Der unvermeidliche Okklusionseffekt erfordert etwas Eingewöhnung, gehört aber konstruktionsbedingt zu nahezu allen dicht sitzenden Im-Ohr-Hörgeräten. Schade ist lediglich, dass das Ladeetui keine integrierte Powerbank besitzt.

Wer Wert auf ein möglichst unauffälliges Hörgerät legt, ohne auf moderne Technik verzichten zu wollen, sollte das Phonak Virto R Infinio unbedingt beim Hörakustiker Probe tragen. Es gehört derzeit zu den interessantesten Im-Ohr-Hörgeräten auf dem Markt.

Bildquellen:

  • phonak_800x500: Phonak

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(©si)