Muss ich nach dem Hörtest was kaufen?

Wie oft ist es Ihnen schon passiert, dass Sie ohne Kaufabsicht in einem Geschäft waren, und dann doch etwas gekauft haben, weil man sich so nett und so lange gut um Sie gekümmert hat? Kommen Sie! Das ist Ihnen doch auch schon mal so gegangen, oder?

Ja, wir neigen dazu, andere belohnen oder entschädigen zu wollen. Wenn uns jemand Freundlichkeit entgegenbringt, sehr viel Zeit für uns aufwendet und uns Zuneigung oder Zuwendung schenkt, dann wäre es doch unhöflich, das ohne eine Gegenleistung geschehen zu lassen.
Das meinen viele Menschen und vor allem Senioren denken so. Das ist auch überhaupt nicht schlimm.

Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass wir in Geschäften immer bestens trainierten Profis gegenüberstehen. Gute Verkäufer werden zwar immer weniger und meistens treffen wir auf Aushilfen, die uns sagen „Keine Ahnung!“, aber wenn wir auf gutes Personal treffen, dann weiß das genau, wo unsere Schwachpunkte liegen.

Und das Wiedergutmachenwollen ist so ein kleiner Schwachpunkt. Sehr gut habe ich das selbst einmal bei einem Urlaub in der Türkei beobachten können.
Wie das so üblich ist, wurden die Reisegäste mit einer Führung durch eine Teppich-Manufaktur beglückt.
Eine knappe Stunde lang durfte man zuschauen, wie Wolle gesponnen und gefärbt und dann in kunstvolle Teppiche verwandelt wurde.
Sie wissen was kommt: Am Ende stand natürlich das Verkaufsgespräch. Ziel der Veranstaltung war es selbstverständlich, die Menschen in Urlaubs- und Geberlaune zum Kauf eines Teppichs zu überreden.

Dutzende von Verkäufern nahmen sich der Kunden an. Jede Einzelperson und jedes Ehepaar bekam seinen eigenen Verkäufer, der sie in einen separaten Raum führte.
Etwas Tee, etwas Limonade, Gebäck und nette Folkloremusik aus dem Lautsprecher und ein superhöflicher Mann im Anzug.
Er spricht hervorragend Deutsch, kennt natürlich die Stadt aus der man stammt, hat vielleicht schon da gearbeitet, oder sein Bruder/Cousin/Onkel tut es.

Der Mann wendet sich den Gästen zu, schenkt ihnen Aufmerksamkeit, opfert viel Zeit und bewirtet sie. Von Teppichen ist lange nicht die Rede.
Erst dann kommt er auf diese zu sprechen.

Ich glaube, 50% der Menschen haben mindestens einen Teppich gekauft.

Das ist eben genau der Effekt, den ich Ihnen oben beschrieben habe. Man möchte sich für die Zuwendung revanchieren und greift dann zu.

Was hat das alles mit Hörgeräten zu tun?

Nun, bei einem guten Hörakustiker wird es nicht anders sein. Sie werden höflichst behandelt und er wird Ihnen sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit schenken.
Es wird ein Hörtest mit Ihnen gemacht, ein Verstehenstest und bei alledem geht es auch noch um Ihre Gesundheit.

Sehr schnell tritt da der gleiche Effekt ein, wie oben beschrieben.
Sie können in die Gemütslage kommen, dass sie meinen, nun auch in diesem Geschäft zu einem Kauf verpflichtet zu sein.

Nun gut, wenn Ihnen das Geschäft und der Hörakustiker zusagen, dann spricht auch nichts dagegen, dort als Kunde zu bleiben.
Aber: Sie sind nicht dazu verpflichtet!

Sehr empfehlenswert ist es aus unserer Sicht, wenn Sie sich mehrere Hörakustikergeschäfte anschauen.
Aus der Erfahrung wissen wir, dass es oft erst der zweite oder dritte „Laden“ ist, in dem man dann wirklich Kunde werden möchte.
Möglicherweise kommen Sie aber auch zu dem Schluß, dass es beim Ersten doch am besten für Sie war.

Ohne einen Vergleich können Sie das aber niemals wissen.

Es ist also vollkommen egal, wieviel Aufwand bei einem Hörtest oder einem unverbindlichen Beratungsgespräch oder gar bei der Ausprobe von Hörgeräten getrieben wurde.
Sie haben jederzeit die Möglichkeit ohne Nachteile zu sagen: „Dankeschön, das war’s, ich denke darüber nach.“

Übrigens: Das gilt jederzeit. Auch wenn Sie bereits Kunde bei einem Hörakustiker sind, kann es eventuell ganz sinnvoll sein, mal über den Tellerrand zu schauen und einen anderen Hörakustiker auszuprobieren. Niemand wird Ihnen deshalb den Kopf abreißen.

Bild: Pixabay



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