Macht die Rückkopplungsunterdrückung die dichte Otoplastik überflüssig?

titanohrstück

Seit Jahren trage ich beidseitig Hörgeräte. Da ich eine große Verstärkung brauche, habe ich immer Probleme mit Rückkopplungen gehabt. Ein wahrer Segen sind meine neuen Hörgeräte, die ich seit Mitte Februar habe. Die verfügen über eine elektronische Rückkopplungsunterdrückung. Um den bisherigen Rückkopplungsproblemen entgegenzuwirken hatte der Hörgeräteakustiker mir sehr dichte und recht große Otoplastiken angefertigt.
Die haben mich aber aufgrund ihrer Starrheit vor allem beim Kauen und Schlucken immer gestört.

Kann ich jetzt auf leichtere Otoplastiken gehen und eventuell sogar mit Schirmchen auskommen. Das wäre superelegant für mich. Wie ist denn Ihre geschätzte Meinung dazu?

Übrigens: Ganz großes Lob für Ihre sehr informative Seite, auf der sich auch mein Hörgeräteakustiker immer wieder Anregungen holt.

Die offene Versorgung mit Schirmchen oder Domes ist eine praktische Sache, die viele Hörgeräteträger am Anfang gerne mögen. Sobald aber ein größerer Schalldruckpegel ins Spiel kommt, machen diese Dinger Probleme.
Eigentlich möchten wir das Zerrbild der ständig pfeifenden und nie richtig funktionierenden Hörgeräte ausrotten. Es ist nicht mehr zeitgemäß, da die digitalen Hörgeräte soviel besser geworden sind. Mit der bequemen Schirmchenversorgung holen wir uns aber genau dieses Problem oft wieder zurück. Schirmchen sind was für den ganz leichten Hörverlust und zum Probieren, finden wir.

Eine perfekte Rundumversorgung mit Hörsystemen umfasst immer auch die Anfertigung von individuellen Ohrpassstücken.
Nur so kann effektiv gesteuert werden, was am Trommelfell ankommt. Bei offenen Schirmchen wird das weitestgehend dem Zufall überlassen und es wird dann an unerwünschten Symptomen herumgedoktert, die gar nicht aufgetreten wären, hätte man von Anfang an vernünftige Otoplastiken verwendet.

Auch Otoplastiken können offen gestaltet werden. Die Bauart muss nicht immer die komplette Ohrmuschel ausfüllen, es gibt auch skelettierte Ausführungen, bei denen man fast nichts mehr in der Ohrmuschel trägt.
Bei den Materialien können Sie explizit auch mal nach weichen Stoffen fragen. Es muss nicht immer ein starres Material sein.
Gerade beim Schlucken, Kauen und Sprechen kommt es zu einer Volumenveränderung des Gehörkanals. Starre Ohrstücke können das nicht mitmachen, während darauf abgestimmte weiche Materialien hier nachgeben können.

Sie haben natürlich Recht. Mit der elektronischen Rückkopplungsunterdrückung lassen sich unerwünschte Pfeifgeräusche heute auch dann wegbekommen, wenn die Otoplastik offener gestaltet ist oder gar Schirmchen auf Dauer getragen werden. Aber das ist ehrlich gesagt nur eine Notlösung. Was den Tragekomfort anetrifft, bin ich ganz Ihrer Meinung. Schirmchen sind easy zu tragen und man spürt sie kaum.
Aber in der Hörakustik ist es wichtig, dass der Platz an dem der Schallaustritt ist (Schlauch oder RIC), genau definiert werden kann. Nur so kann der Hörakustiker bestimmen, wo der Schall im Ohr austritt. Daraufhin werden dann alle Parameter des Hörgerätes optimiert. Wichtig ist also, dass der Schall an immer der gleichen Stelle im Ohr exponiert wird.

Bei Schirmchen ist das nicht gewährleistet. Sie sitzen mal tiefer im Gehörgang, mal rutschen sie wieder etwas heraus und dann sitzen sie mal schräg nach unten und beim nächsten Nachdrücken schräg nach oben.
Im Falle eines geringen Schalldruckpegels mag das keine sehr große Rolle spielen, wenn auf diese Weise ein immer unterschiedliches Verstärkungsergebnis geliefert wird.
Ist aber mehr Druck erforderlich, müssen die Hörakustiker genau kanalisieren können, wieviel von außen nach innen und von innen nach außen dringen darf. Und das geht nur mit maßgefertigten Otoplastiken.

Ist dann noch eine gewisse Rückkopplungsneigung vorhanden, dann kann der Rückkopplungsmanager diese wegmachen.
Aber mit dem Einsatz des Rückkopplungsmanagers ist immer auch ein Eingriff in die übermittelten Frequenzen verbunden. Vereinfacht gesagt: Je mehr vorne gefiltert und im Gerät umgerechnet werden muss, umso weniger korrekte Schallinformationen gelangen ans Trommelfell. Durch modernste Elektronik wird das weitestgehend minimiert, aber jede Rückkopplungsunterdrückung hat letztlich gewisse Schattenseiten. Hier gilt: Weniger ist mehr.

Bild: © Wilhelm



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