• Kassenhörgeräte nur ohne Ex-Hörer?

    Kassenhörgeräte sind Hörgeräte, die Ihnen als Sachleistung der Krankenkasse über einen Hörakustiker ohne Zuzahlung für eine Selbstbeteiligung von 10 € überlassen werden. Das sind robuste, digitale Hörgeräte, die alle Anforderungen an eine Basisversorgung einer Schwerhörigkeit erfüllen.

    Jeder Hörakustiker sollte Ihnen mindestens ein solches Gerät vorstellen und zum Probetragen anbieten.
    Bei der ganz überwiegenden Zahl von Hörakustikern wird das auch ganz genau so gemacht.
    Sie geben dem Kunden die Chance, so ein Gerät kennenzulernen und sich eine Meinung zu bilden.
    Kommt der Kunde auf Anhieb damit klar, dann hat er ein gutes und für ihn nahezu kostenloses Gerät gefunden.

    Anderenfalls wird der Hörakustiker Alternativen aus dem Bereich der zuzahlungspflichtigen Hörgeräte anbieten.

    Allerdings scheitert die Versorgung mit Kassenhörgeräten oft an der Optik, weil einige Hörakustiker nur recht große Hörgeräte mit Schallwinkel, dickem Schallschlauch und einer recht großen Otoplastik (Ohrstück) vorlegen. Das schreckt viele Kunden ab. Als Alternative werden dann winzige Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO) mit Ex-Hörer und Schirmchen angeboten.

    Beim Ex-Hörer-Hörgerät (RiC) sitzt der Lautsprecher nicht im Hörgerät, sondern direkt im Gehörgang vom Kunden. Und statt einer Otoplastik kann hier sehr gut eine unauffällige offene Versorgung mit kleinen Schirmchen aus Silikon erfolgen. Die spürt der Hörgeräteträger kaum, sie lassen sich leicht einsetzen und werden allgemein als bequem und schön empfunden. Entsprechend hoch ist die Akzeptanz beim Kunden.
    Dass diese offene Schirmchenversorgung auch akustische und technische Nachteile hat, haben wir oft genug diskutiert.

    Damit verbindet sich die Frage, weshalb nur ganz wenige Hörakustiker auch im zuzahlungsfreien Segment Ex-Hörer-Geräte anbieten.
    Nun, das hat unseren Untersuchungen zur Folge mit der Bezahlung zu tun.

    Bei Geräte, für die der Kunde etwas hinzuzahlen muss, darf er später auch bei notwendig werdenden Reparaturen einen Teil der Reparaturkosten selbst bezahlen.
    Das ist so, weil die Krankenkassen sagen, man habe ein komplizierteres Gerät als das Kassenhörgerät genommen, und Reparaturen, die über die Reparatur eines Basisgerätes hinausgehen, muss man eben selbst tragen.

    Jetzt ist aber der Ex-Hörer ein ganz winziger stäbchenförmiger Lautsprecher, der erfahrungsgemäß leicht kaputtgehen kann.
    Manche Hörgeräteträger haben Ex-Hörer, die zwei, drei Jahre durchhalten werden, andere werden vielleicht nie Probleme damit haben.
    Aber die Erfahrung lehrt, dass es eben auch eine nicht kleine Zahl von Kunden gibt, die 2-3 mal im Jahr über den Ausfall des Ex-Hörers klagen
    So schlimm das für die Betroffenen im ersten Moment ist, der Hörakustiker kann das sofort in Minutenschnelle durch Austausch von Kabel und Ex-Hörer wieder in Ordnung bringen.
    Hierfür stellt er aber einen Betrag von durchschnittlich 70-80 Euro in Rechnung.
    Das können aber auch mal über 100 Euro sein und das kann auch schon mal auf Kulanz gemacht werden.

    Genau hier aber liegt das Problem. Sehr viele Geräte mit Ex-Hörer gibt es im Segment der Kassenhörgeräte nicht.
    Und bei denen, die es gibt, meinen die Hörakustiker einen vermehrten Ausfall der Ex-Hörer beobachten zu können.
    Fakt ist aber, dass sie von den kassenversorgten Patienten hier keine Zuzahlung zur Reparatur verlangen können.
    Alle Reparaturen müssen durch die Reparaturpauschale der Krankenkasse abgedeckt sein.
    Da aber jeder Ex-Hörer schon im Einkauf mit rd. 50 Euro zu Buche schlägt, wäre die Reparaturpauschale rasch aufgebraucht.
    Fallen dann größere Reparaturen an, ist kein Geld mehr übrig und der Hörakustiker müsste das aus eigener Tasche bezahlen.



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    Verständlich, dass viele Hörakustiker schon aus diesem Grund keine RIC-Geräte im Kassensegment anbieten.
    Zur Beruhigung: Wir sind der Meinung, dass die am Markt befindlichen RIC-Lösungen im zuzahlungsfreien Bereich auch nicht so richtig toll sind.

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