Kampf dem Lautstärkejunkie

Das Tragen eines Hörgeräts ist einerseits natürlich immer auch ein bisschen eine Qual, aber andererseits gewöhnt man sich schnell dran – UND ES HILFT!
Wichtig ist also für den Hörakustiker, dass er es schafft dem Kunden klar zu machen, dass der Nutzen der Hörgeräte größer ist als jedwede Unbequemlichkeit.

Das ist vor allem am Anfang recht schwer, wenn der Nutzen noch nicht in vollem Umfang gegeben ist. Die Kunden kämpfen da nämlich noch mit den Anfangsschwierigkeiten. Es will alles noch nicht so recht funktionieren, aber die Unbequemlichkeit ist noch da, das Ungewohnte stört.

Gerade in dieser Phase und auch danach beklagen sich die neuen Hörgeräteträger oft, ihre Hörgeräte seien zu leise eingestellt.
Der Akustiker folgt dann diesem Wunsch und stellt die Geräte lauter.

Der Hörgeräteträger verspürt sofort eine Steigerung der Hörgerätefunktion. Das kann soweit führen, dass Hörgeräte so laut eingestellt werden, dass der Anwender dauern viel zu laut beschallt wird. Für ihn ist das scheinbar ein Nutzengewinn, da er leichter und vermeintlich „besser“ hört.
Tatsächlich stellt er sich aber mit immer mehr Verstärkung sogar noch besser als es eigentlich sein müsste.
Die zu hohe Verstärkung bringt letztendlich keinen Nutzen, da auch Störgeräusche verstärkt werden und es vermehrt zu pfeifenden Rückkopplungen kommen kann.

In solchen Fällen hilft eine Reduktionsdiät. Der Hörakustiker muss die Hörgeräte langsam wieder zurückdrehen.

Gerade anfangs wird ja oft der umgekehrte Weg gegangen, der mit entsprechenden Funktionen der Hörgeräte und Anpasssoftware sogar unterstützt wird.
Während der Gewöhnungsphase (die hier viel zu kurz bemessen ist) werden die Hörgeräte von einer schwächeren Leistung teilweise automatisch über einen gewissen Zeitraum immer stärker aufgedreht. So soll sich der Hörgeräteträger besser daran gewöhnen.

Viele Hörakustiker machen das nicht so, sondern bevorzugen 100% vom ersten Tag an.

Ganz egal, wie das abläuft, ob nun schleichend oder gleich „volle Pulle“, man muss aufpassen, dass sich der Hörgeräteträger nicht zum Lautstärkejunkie entwickelt.

Im Zuge der oben erwähnten „Reduktionsdiät“ werden die Hörgeräte nun vom Hörakustiker ganz langsam und über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder ein bisschen leiser gedreht.
So kommt der Kunde allmählich dahin, dass er so gut wie möglich versorgt ist aber eben nur mit so viel Power wie nötig.



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Lesezeit ca.: 3 Minuten



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