• Hörsturz: Hörgerät erforderlich?

    Ich hatte einen Hörsturz und bin bei einem Ohrenarzt in Behandlung. Er behandelt mich mit Kortison. In einem Forum für Schwerhörige las ich, dass andere mit großem Erfolg diese Erkrankung mit Höris behandeln. Ich denke, dass ich damit schneller wieder gesund werde.
    Ich plane also, morgen zu einem Hörgeräte-Geschäft zu gehen und nach passenden Hörgeräten zu fragen. Meine Frage an Sie: Welche Hörgeräte sind für einen Hörsturz geeignet?
    Im Forum wird das Gerät von Audio Service empfohlen. Das werde ich mir wohl kaufen. Bitte um Ihre geschätzte Einschätzung.

    Sie sind bei einem HNO-Arzt in Behandlung. Dieser hat einen Therapieplan für Sie erstellt. Wir empfehlen Ihnen, diesem Therapieplan zu folgen.
    Machen Sie keine eigenen Experimente.
    Es ist natürlich richtig, dass ein Hörsturz mitunter zu einer bleibenden Beeinträchtigung des Gehörs führen kann. Aber das ist nur in wenigen Fällen so.
    Bis zum Abschluss der Kortisonbehandlung und viele Wochen danach, kann überhaupt nicht beurteilt werden, wie und ob Ihr Gehör einen bleibenden Schaden davongetragen hat.

    Vor allem aber sind Hörgeräte kein Heilmittel. Niemand kann ein Hörgerät tragen, um damit eine Hörbeeinträchtigung oder die Folgen eines Hörsturzes zu heilen.
    Hier gehen Sie von einer falschen Erwartung aus. Hörgeräte sind dazu da, um Hördefizite auszugleichen. Eine Besserung des Hörens ohne Hörgerät ergibt sich durch sie nicht.

    Warum ist das so?

    Viele, die auf einmal nicht mehr gut hören können und die Diagnose Hörsturz bekommen, glauben, Sie müssten jetzt Hörgeräte tragen.
    Unsere Botschaft aber lautet: Abwarten und Tee trinken!
    Nur ganz wenige Menschen die einen Hörsturz haben, sind wirklich auf ein Hörgerät angewiesen.

    Zunächst wird Ihr Arzt anhand Ihrer individuellen Diagnose die für Sie geeigneten Therapieformen mit Ihnen besprechen.
    Wie bei Ihnen, sind das heute in aller Regel Kortisonpräparate, die hier sehr wirksam sind.
    Diese werden systemisch (im ganzen Körper) oder lokal (nur am Ohr) eingesetzt.

    Es gibt nicht nur den Hörsturz, sondern viele Typen. Es hängt also auch davon ab, welche Form des Hörsturzes vorliegt. Ein früher Therapiebeginn ist hier sehr günstig.
    Langes Abwarten und Verschleppen schadet also eher. Wer einen Hörverlust im Tiefton- oder Mittelfrequenzbereich bzw. eine von Anfang an nur leichtgradige Hörminderung erlitten hat, hat die günstigste Prognose. Laut Statistik kann diese Form des Hörsturzes bei frühzeitigem Therapiebeginn am wirksamsten bekämpft und gut wieder geheilt werden.
    Sogar bei schweren Fällen einer Innenohrschwerhörigkeit kann es durchaus zu einer kompletten Genesung kommen.
    Folgen Sie hier dem HNO-Arzt und seinen Anweisungen und vertrauen Sie auf ihn.

    Wichtig ist aber vor allem, dass Sie dem Arzt, sich selbst und Ihrem Gehör genügend Zeit geben. Ihr Körper reagiert nicht unverzüglich und so kann es eine ganze Weile dauern, bis Sie wieder genesen sind.
    Ein ungeduldiges Anschaffen von Hörgeräten ist hier eher kontraproduktiv.

    Selbst wenn Sie während der ersten Wochen unter einer sehr starken Hörminderung leiden, dürfen Sie darauf hoffen, dass alles wieder gut wird. Es besteht noch kein Anlass dazu, sich Sorgen zu machen.

    Und wenn nicht?

    Tja, wenn dann am Ende der Therapie immer noch keine wirkliche Besserung eingetreten ist, wird Ihnen Ihr Arzt vielleicht ein Hörgerät oder zwei Hörgeräte verordnen.
    Mit entscheidend ist das Audiogramm, das genau belegt, in welchem Frequenzbereich Hördefizite gegeben sind. Auch entscheidend ist, wie hoch der Leidensdruck ist.
    Es kommt also darauf an, wie störend sie die verbliebene Hörminderung empfinden. Hierbei kommt es nicht allein auf gutes Hören an, sondern in erster Linie auf gutes Verstehen von Sprache.

    Sie sollten das mit dem HNO-Arzt besprechen und dann einen guten Hörakustiker aufsuchen.
    Dieser kann Ihnen verschiedene Geräte zeigen, die Sie kostenlos mehrere Tage und Wochen ausprobieren können.

    In Internetforen können Sie immer nur Hintergrundinformationen finden, die auf den persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen von irgendwelchen Personen beruhen.
    Oftmals sind das aber Personen, sie selbst gar nicht davon betroffen sind, und nur irgendeine Meinung zu dem Thema haben. Und noch häufiger handelt es sich leider auch um Kinder und Jugendliche, die da schnell mal irgendeinen Unsinn herausposaunen.
    Bitte nicht falsch verstehen: Internetforen sind eine sehr gute Anlaufstelle, um an die benötigten Infos zu kommen. Aber leider ist es hier sehr schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen, denn selbst der größte Blödsinn wird da im Brustton der Überzeugung vorgetragen.

    Zumindest in dem von Ihnen besuchten Forum waren Sie aber offenbar an der falschen Adresse. Bei einer Zahl von rund 2.000 verschiedenen Hörgeräten auf dem Markt, ist es dummer Unfug, wenn Ihnen jemand schreibt, Sie sollen sich dieses oder jenes Gerät kaufen.

    Das kann nur der Hörakustiker mit Ihnen zusammen entscheiden. Keine Hörminderung gleicht der anderen und für alles gibt es geeignete Geräte und die passenden Geräteeinstellungen. Was dem einen hilft, kann dem anderen schaden. Vertrauen Sie also bitte in allen Fragen auf den HNO-Arzt und wenn nötig auf den Hörakustiker.

    Hinweis: Diese Einschätzung beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und gibt ausschließlich meine Meinung wieder. Zu Rechts-, Steuer- und medizinischen Themen sollten Sie immer einen ausgewiesenen Fachmann fragen. Das ist oft günstiger als man denkt. Verlassen Sie sich nie auf Erkenntnisse, die Sie sich nur im Internet zusammengefischt haben!



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    Bild: nonatickler / Pixabay

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