• Hörgeräte selbst programmieren und einstellen -3-

    Hörgeräte selbst programmieren.
    In unserer kleinen Serie erklären wir Ihnen, was Sie alles berücksichtigen müssen, um Hörgeräte selbst einstellen und anpassen zu können.

    Es gibt einige Gründe, die gegen das Selbstprogrammieren von Hörgeräten sprechen.

    Wir haben schon darauf hingewiesen, dass eine Fehleinstellung der Hörgeräte auch gesundheitliche Schäden verursachen kann. Eine dauerhaft zu hoch eingestellte Lautstärke kann eindeutig Schäden verursachen.
    Das wird von den „Selbstfittern“ oft verneint und von denjenigen, die entsprechende Anleitung verteilen auch verschwiegen.

    Es gibt Risiken

    Und es kann auch sein, dass man sein Hörgerät durch fehlerhafte Programmierung kaputt-optimiert. Ein mechanischer oder elektronischer Schaden wird kaum auftreten können, aber Sie können es schaffen, dass die Programmeinstellungen auch den sogenannten Bootloader zerschießen und das Hörgerät, das ja ein kleiner Computer ist, dann nicht mehr bootet. Abhilfe kann hier dann nur noch der Fachmann schaffen, nämlich der Hörgeräteakustiker, indem er das Gerät meist kabelgebunden ganz neu aufsetzt.

    Dem gegenüber steht das Argument, dass sich jedermann auch mit einem zu lauten Ohrhörer an seinem Handy die Ohren „abschießen“ kann.
    Ebenso wie beim Umgang mit diesen Ohrhörern sind vom „Selffitter“ eine gewisse Verantwortung und ein behutsames Vorgehen gefordert.

    Das sollten Sie unbedingt beachten

    • Der wichtigste Wert ist der MPO (maximum output pressure). Er dient dem Schutz der Ohren. Um Hörschäden zu vermeiden wird in Ihren Hörgeräten der maximale Schalldruck begrenzt. Das geschieht mittels mehrerer Methoden. Beispielsweise über eine automatische Verstärkungsregelung des Ausgangsschalldrucks (AGCo) oder auch mittels einfachen Peak-Clippings (PC).
    • Der Hörakustiker wird im Hörtest die Unbehaglichkeitsschwelle (US) für verschiedene Frequenzen ermitteln. Anhand dieser Werte legt er fest, was in sein Anpassungsprogramm eingetragen wird, damit die Software in Ihrem Hörgerät den maximal zulässigen Schalldruck begrenzen kann. Hier sind richtige Werte wichtig, denn korrekte US-Werte sind entscheidend für den Schutz der Ohren.
    • Ändern Sie nicht zu viele Einstellungen auf einmal und ändern Sie diese nicht zu oft. Denn auch Ihr Gehörsinn benötigt Zeit. Sie benötigen wenigstens 7-14 Tage, manchmal sogar Monate, bis sich Ihr Gehör auf eine veränderte Akustik eingestellt hat. Erst dann können Sie beurteilen, ob eine Änderung das Gewünschte bewirkt hat.
    • Verändern Sie alle Parameter nur in winzigen Schritten. Oft reicht eine Winzigkeit, um das Gewünschte zu erreichen. Wenn Sie immer von einem Extrem ins andere fallen, werden Sie am Ende nicht mehr entscheiden können und es fehlt Ihnen die Erkenntnis, welche Wirkung Zwischenschritte gehabt hätten.
    • Führen Sie unbedingt ein Hörtagebuch. Notieren Sie die vorgenommenen Veränderungen und schreiben Sie Ihre Erfahrungen nieder. So behalten Sie einen Überblick, was was gebracht hat.
    • Stellen Sie Ihr Hörgerät nicht zu bequem und komfortabel ein. Es soll kein reiner Hörverstärker sein, der alle Höreindrücke schön und rund wiedergibt. Ein Hörgerät ist eine Prothese für Ihr Ohr und kein Stereo-HiFi-Equipment. Es soll auch in Extremsituationen funktionieren und in erster Linie eine bessere Sprachverständlichkeit bringen.

    Beschädigung der Geräte oder Garantieverlust

    Sie erhalten das Hörgerät von einem zertifizierten Händler für Medizinprodukte. Dieser erhält von der Krankenkasse auch eine Bezahlung für eine 6-jährige Wartung und Reparatur der Geräte.
    Letztendlich dürfen Sie nicht erwarten, dass der Hörakustiker mit diesem Etat dafür geradesteht, um Fehlanpassungen, die Sie selbst verursacht haben, wieder geradezubiegen.
    Außerdem sollten Sie sich vorher absichern, dass durch Ihre selbst durchgeführten Eingriffe nicht die Garantie verlorengeht.



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