Hörgeräte aus dem Internet: Reinfall

Ich habe im Internet Hörgeräte bestellt und bin auf die Schnauze geflogen. Ich geb’s zu, ich wollte Geld sparen. Am Ende ist nun alles teurer als ich dachte. Und Ärger mit der Firma habe ich nun auch.

Das schreibt Willi Humboldt. aus Detmold.
Ja, das Angebot klingt verlockend: Statt zum Hörakustiker zu gehen und sich dort Hörgeräte auszusuchen, soll man auf der Webseite eines Anbieters Hörgeräte online aussuchen. Das tat auch Herr Humboldt. Er klickte sich sein Portfolio zusammen: ein Hinter-dem-Ohr-Hörgerät sollte es sein, gutes Sprachverstehen wollte er haben und er wollte vor allem nichts dazu bezahlen.

Schnell hatte er ein paar Geräte auf dem Bildschirm und entschied sich für ein Hörgerät des Herstellers Resound.
0 Euro sollte das kosten.
Im weiteren Verlauf sollte er sich einen Hörakustiker aussuchen. Etliche Akustiker aus seiner Stadt waren in der Liste der „Partner“ des Versandbetriebs gelistet.

Also bestellte Herr Humboldt das Hörgerät. Am Nachmittag bemerkte er seinen Fehler, denn er benötigt 2 Hörgeräte, also je eins für rechts und links. So schrieb er eine Mail an die Internetfirma und die teilte ihm mit, die Hörgeräte würden direkt an den Partner-Akustiker in seiner Stadt geschickt. Der erhielt dann auch zwei Resound-Hörgeräte.
Doch der Hörakustiker machte keinen glücklichen Eindruck. Ja, er stelle Herrn Humboldt die Geräte zwar ein, aber besser wäre es gewesen, Herr Humboldt sei direkt zu ihm gekommen, da würde er die gleichen Preise bekommen, wie im Versand. Und außerdem verdiene er ja jetzt am Geräteverkauf gar nichts mehr.

Herr Humboldt schreibt dazu:

„Das wusste ich nicht. Ich dachte, so Partner verdienen gemeinsam an den Hörgeräten. Aber der Akustiker bekam nur eine Abwicklungspauschale. Am nächsten Tag hatte ich dann die Rechnung über mehr als 350 Euro vorliegen. Ich sollte für das zweite Hörgerät nun 121,- Euro zuzahlen und die Otoplastiken auch selbst bezahlen. Dabei wollte ich doch kostenlose Hörgeräte. Ich meine, die ganze Branche wirbt doch mit den Nulltarif-Hörgeräten.

Ich habe das dann abgebrochen und bin zum meinem Stammakustiker. Als ich ihm davon erzählte, schlug er die Hände überm Kopf zusammen! Sofort legte er mir die gleichen Resound-Hörgeräte hin und sagte: Bei mir inklusive Otoplastiken garantiert NULL EURO!!!!“

Der Ärger begann aber nun. Die Firma wollte die Hörgeräte nicht zurücknehmen, der „Partner-Akustiker“ gab zu verstehen, dass er die erste Anpassung auch nicht gratis gemacht hätte.

Herr Humboldt: „Dabei habe ich die Dinger nur im Laden anprobiert, nicht mitgenommen und die Otoplastiken waren auch nur abgeformt, aber noch nicht bestellt.“

Das war vor 14 Tagen.
Heute ist Herr Humboldt glücklicher Träger von 2 tollen Resound-Hörgeräten, die genau so funktionieren, wie er sich das vorgestellt hat.
Und: Er hat keinen Cent dafür bezahlt2.

Das Hin und Her mit der Internetfirma entpuppte sich als – nennen wir es so – Missverständnis.
Wählt man dort nur 1 Ohr und nur 1 Hörgerät aus, wird ein anderer Preis errechnet, als wenn man 2 Ohren/Hörgeräte auswählt.
In letzterem Fall bietet das Unternehmen leider keine zuzahlungsfreie Variante.

Selbstverständlich hat Herr Humboldt auch für die Beratung beim „Partner-Akustiker“ nichts bezahlen müssen und ist schadlos aus der Sache herausgegangen.

Ende gut, alles gut.

Herr Humboldt meint: „In Zukunft gehe ich gleich wieder zum Hörakustiker hier an der Ecke. Wenn man mit dem redet, bekommt man auch „den besten Preis“.

1 Name von der Red. geändert
2 10 Euro pro Ohr Zuzahlung als gesetzl. Anteil



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