• Hörgerät: Batterien leer da kam die Polizei

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    chwerhörig kann man sein, Hörgeräte helfen. Das ist eine anerkannte Tatsache. Aber wenn man Hörgeräteträger ist, oder wie in diesem Fall Hörgeräteträgerin, dann sollte man seine Hörgeräte auch tragen. Ja, und wenn man die Apparate schon trägt, dann bitteschön auch mit funktionierenden Batterien.

    Ich erzähle Ihnen heute, was ich selbst vor geraumer Zeit erlebt habe.

    Es war mitten in der Nacht. Ich glaube, die Uhrzeit 2 Uhr morgens kann man mit Fug und Recht als mitten in der Nacht bezeichnen.
    Wir und wahrscheinlich die gesamte Nachbarschaft lagen in tiefem Schlaf. Nur eine nicht, Frau Kohlhammer.
    Frau Kohlhammer wohnte gegenüber im zweiten Obergeschoss und litt mit ihren 89 Jahren an seniler Bettflucht. Damit bezeichnet man ja das Verhalten der Senioren, recht früh aufzustehen, weil sie meinen, ihr Schlafsoll erreicht zu haben.

    Ein bißchen Fernsehen am frühen Morgen sollte der alten Dame etwas die Zeit vertreiben. Natürlich legte sie, wie jeden Morgen, als erstes ihre beiden Hörgeräte an.
    Ihr Hörakustiker hatte ihr Geräte empfohlen, mit denen sie den TV-Ton direkt in ihre Ohren streamen konnte. Eine gute Idee, denn anders hätte sie kaum etwas verstehen können. Mit Kopfhörern und TV-Ton-Verstärkern kam die alte Frau nämlich nicht zurecht.

    Ein Gangsterfilm mit Humphrey Bogart lief an diesem Morgen.
    Es wurde viel geschossen, geschrien und alle naselang ertönten amerikanische Polizeisirenen.
    Woher ich das weiß? Nun, all diese Töne und Stimmen waren in unglaublicher Lautstärke in der ganzen Gegend zu hören.

    Frau Kohlhammers Fenster standen wegen der warmen Temperaturen weit auf, der Fernseher war voll aufgedreht.
    Nach und nach gingen in der ganzen Nachbarschaft die Lichter an. Dieser Lärm blieb keinem verborgen.
    Die ersten Nachbarn tauchten im Schlafanzug oder Nachthemd vor ihren Häusern auf.

    Erst war vielen gar nicht klar, woher der Lärm, die laute Filmmusik und das Geschrei kamen. Immer wieder peitschten Schüsse durch die Nacht, natürlich nur vom Fernseher her.

    Dann war Frau Kohlhammer als Verursacherin entlarvt und ein Nachbar klingelte bei ihr.
    Einmal, zweimal, dutzendmal. Die Frau reagierte nicht.
    Ob sie vielleicht gestorben sei, fragten sich die Leute.
    Und da es mittlerweile schon 3 Uhr geworden war, zückte ein Nachbar sein Handy und rief die Polizei.

    Die kam auch schnell, so nach 15-20 Minuten waren zwei Beamte da. Auch sie klingelten. Mehrfach. Vielleicht hat behördliches Klingeln ja eine andere Wirkung als nachbarschaftliches Läuten…

    Schließlich riefen die Polizisten laut nach oben. Aber es blieb wie es war, Humphrey Bogart und seine Spießgesellen schossen, kämpften fluchten und die Polizeisirenen verfolgten sie.

    Dann holten die Polizisten einen starken Handscheinwerfer aus dem Auto und blitzten damit grell in das geöffnete Fenster von Frau Kohlhammer.
    Die erschien dann auch erschreckt am Fenster und warf den Polizisten ihren Schlüssel runter.

    Die Beamten gingen hoch. 10 Sekunden später war der Krach vorbei.
    Des Rätsels Lösung: Die Batterien in Frau Kohlhammers Hörgeräten waren leer. Sie hatte den Fernsehton immer lauter gedreht, bis sie selbst durch ihre Otoplastiken hindurch genug verstehen konnte.
    Dabei dachte sie immer, der Ton sei nur in ihren Hörgeräten zu hören.



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    Es war dann doch kurz nach vier, bis alle wieder in ihren Betten lagen.
    Nur bei Frau Kohlhammer flackerte noch der Fernseher. Die Polizisten hatten ihr geholfen fix neue Batterien einzulegen.

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