• BERA-Untersuchung, ich habe Angst

    Mein HNO schickt mich zu einer BERA-Untersuchung. Davor habe ich ungeheure Angst. Mir wurde in einem Forum als Antwort gegeben, das bei der Untersuchung von der Leiste aus ein dünner Draht bis in den Kopf in die Hörschnecke geschoben wird.
    Das geschehe unter Vollnarkose. Ist dieses Verfahren wirklich so gefährlich?

    Nein, dieses Verfahren ist vollkommen ungefährlich.
    Ihnen werden keine Sonden in die Hörschnecke geschoben.
    Es geht auch rein anatomisch nicht so ohne weiteres (wollte man den Tod des Patienten nicht in Kauf nehmen) einen Gegenstand von der Leiste aus bis ins Ohr zu schieben.

    Das Verfahren geht ganz anders.

    Sie werden sich hinsetzen oder -legen müssen. Dann wird man Ihnen wie einem EEG (Gehirnstromuntersuchung) Elektroden auf den Kopf setzen. Das tut nicht weh, da wird auch nicht gestochen.
    Nun bekommen Sie Töne über eine Art Kopfhörer in die Ohren gespielt.

    Auf dem Bildschirm sehen die Untersucher zunächst Ihre normalen Gehirnströme. Dann sehen sie die veränderten Ströme, wenn die Töne auf Ihren Hörsinn einwirken.
    Zieht man von dem letzten Ergebnis die normalen Hirnströme ab, filtert sie also raus, können die Untersucher sehen, was die Höreindrücke mit Ihnen machen.

    Das Ganze erklärt Dr. Draws (HNO-Arzt aus Celle) auch noch einmal sehr gut in diesem Video:

    Bei Wikipedia heißt es zu diesem Thema:

    Frühe akustisch evozierte Potentiale (FAEP) sind eine Untergruppe der akustisch evozierten Potentiale. Sie haben ihre elektrische Quelle in der Hörbahn zwischen Hörschnecke, dem Hörnerven bis zu verschiedenen Kerngebieten im Hirnstamm (Oberer Olivenkern (Nucleus olivaris superior), Laterale Schleife (Lemniscus lateralis), Unterer Vierhügelkern (Colliculus inferior)). Das FAEP-Signal besteht aus 5 Wellen, die nach den Erstbeschreibern Jewett und Williston (1971) mit J I bis J V durchgezählt werden [1]. Klinisch ordnet man den Ursprung jeder Welle einem Kerngebiet im Hirnstamm zu, obwohl intraoperative Messungen diese Interpretation nicht stützen [2].

    Die FAEP bzw. deren Messung werden auch als BERA (brainstem evoked response audiometry; deutsch: Hirnstammaudiometrie), ABR (auditory brainstem response) oder AEHP (akustisch evozierte Hirnstammpotentiale) bezeichnet.

    Warum macht man das so?
    Es ist eine Form des Hörtests, bei dem der Betroffene keine Rückmeldungen geben muss.
    Das Ergebnis kann abgelesen werden, ohne dass Sie mitwirken müssen indem Sie etwas über gehörte Töne sagen.
    Beispielsweise kann das weitere Aufschlüsse über Ihr Hörvermögen geben, die mit einem normalen Hörtest nicht zu bekommen wären.
    Außerdem ist das Verfahren für Kinder, die noch nicht sprechen können und Personen, die nicht mitwirken können, sehr gut geeignet.

    Sie müssen also überhaupt keine Angst vor dieser Untersuchung haben.
    Aber Sie sehen, dass Sie in diesen Frage-und-Antwort-Portalen meist keine guten Antworten bekommen.
    Sie richten die Frage dort an die Allgemeinheit und erhalten in aller Regel Antworten von Leuten, die keine Ahnung haben.
    Experten, die da mitlesen, haben dann meist schon keine Lust mehr, gegen diesen Blödsinn anzuschreiben.

    Bilder:
    TiteL KlausHausmann / Pixabay
    EEG: Hans / Pixabay

    Hinweis: Diese Einschätzung beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und gibt ausschließlich meine Meinung wieder. Zu Rechts-, Steuer- und medizinischen Themen sollten Sie immer einen ausgewiesenen Fachmann fragen. Das ist oft günstiger als man denkt. Verlassen Sie sich nie auf Erkenntnisse, die Sie sich nur im Internet zusammengefischt haben!



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