Wer sich erstmals mit Hörgeräten beschäftigt, stößt schnell auf hitzige Diskussionen über technische Kennzahlen – besonders über die angeblich entscheidende Anzahl der Kanäle –, doch was davon ist wirklich relevant für gutes Hören im Alltag und was ist eher Marketing und Internetmythos?
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„Nur 8 Kanäle?“ – Warum diese Zahl weniger aussagt, als viele glauben
Zunächst einmal: Sie machen vieles genau richtig. Sie haben Ihre Hörgeräte in Ruhe probiert, sich Zeit zur Gewöhnung gegeben, Ihr eigenes Hören kritisch beobachtet – und Sie haben sich zusätzlich informiert, statt sich von lauten Stimmen im Internet verunsichern zu lassen. Das ist leider nicht selbstverständlich und verdient ausdrücklich Lob.
Dass Sie mit Ihren Hörgeräten gut hören, Sprache klar verstehen und sogar Ihre Frau eine deutliche Verbesserung bemerkt, ist kein Zufall. Das ist das wichtigste Kriterium überhaupt. Alles andere ist Technikdiskussion.
Was bedeuten „Kanäle“ bei Hörgeräten eigentlich?
Die oft zitierte Zahl der Kanäle beschreibt keine Klangqualität, keinen „HD-Sound“ und auch kein besseres Sprachverstehen an sich. Kanäle sind nichts anderes als Einstellbereiche, in die das Hörgerät den hörbaren Frequenzbereich unterteilt.
Je mehr Kanäle ein Hörgerät hat, desto feiner kann der Hörakustiker die Verstärkung in einzelnen Frequenzabschnitten anpassen. Man kann sich das wie ein Mischpult vorstellen: Mehr Regler bedeuten mehr Möglichkeiten zur Feinjustierung – nicht automatisch besseren Klang. Vielleicht kennen Sie auch den Equalizer, ein Gerät (heute meist eine Software) mit der man sich den Stereosound der HiFi-Anlage feinjustieren kann. Das ist mit den Kanälen vergleichbar.
Mehr Kanäle = besseres Hören? Nein, so einfach ist es nicht
Hier liegt der Denkfehler vieler Forendiskussionen. Mehr Kanäle ermöglichen präzisere Anpassungen, sie erzeugen aber keine zusätzliche Information für Ihr Gehör und schon gar kein besseres Sprachverständnis aus dem Nichts.
Laien und Ahnungslose denken natürlich, dass ein MEHR an Kanälen auch ein MEHR an Qualität bringen muss, der höhere Preis, der für mehrkanalige Geräte verlangt wird, spricht ja schließlich auch dafür.
Aber: Das Sprachverstehen entsteht im Gehirn. Das Hörgerät liefert lediglich ein möglichst sauberes, gut aufbereitetes Signal. Wenn dieses Signal für Sie gut verständlich ist – und das ist bei Ihnen der Fall –, dann erfüllt das Gerät seine Aufgabe.
Marketing und Stammtischlogik suggerieren gern: „Mehr Kanäle = besser hören“. Das ist aber, fachlich und praktisch betrachtet, Quark mit Soße.
Die Realität ist nüchterner: Mehr Kanäle = mehr Stellschrauben für den Fachmann. Ein guter Akustiker kann jedes Hörgerät gut einstellen, unabhängig von der Anzahl der Kanäle.
Ob diese zusätzlichen Stellschrauben in der Praxis überhaupt benötigt werden, hängt von Ihrem Hörverlust, Ihrer Hörbiografie und Ihren Alltagsanforderungen ab – nicht von einer Zahl auf dem Datenblatt.
Acht Kanäle sind absolut solide
Mit acht Kanälen sind Sie keineswegs unterversorgt. Für sehr viele, ja wahrscheinlich für die meisten Hörverluste lassen sich damit exzellente Anpassungen durchführen. Entscheidend ist, wie gut die Kanäle genutzt werden, nicht wie viele davon existieren.
Natürlich gilt auch: Wenn ein Wunschgerät mehr Kanäle bietet, ist das kein Nachteil. Es kann in komplexen Hörsituationen oder bei sehr differenzierten Hörverlusten zusätzliche Feinabstimmung erlauben. Aber es ist nicht der entscheidende Maßstab, an dem man ein gutes oder schlechtes Hörgerät festmacht.
Warum Ihr Eindruck zählt – nicht die Netzmeinung
Dass Sie gut hören, weniger nachfragen müssen und sich mit den Geräten wohlfühlen, ist das stärkste Argument überhaupt. Hörgeräte werden nicht aufgrund von Zahlen in den Datenblättern getragen, sondern für Gespräche, Alltag, Nähe und Lebensqualität.
Menschen im Internet vergleichen oft Zahlen, ohne das zugrunde liegende Prinzip zu verstehen. Das führt zu Verunsicherung – besonders bei Menschen, die sich gerade erst an Hörgeräte gewöhnen.
Sie hingegen haben:
- ausprobiert
- zugehört
- verstanden
- und sich informiert
Das Ergebnis spricht für sich.
Meine Schlussfolgerung
Meine Aussage in meinem Ratgeber „Hörgerät – Und nun?“ ist fachlich korrekt:
Die Anzahl der Kanäle entscheidet nicht darüber, ob Sie gut hören oder Sprache verstehen.
Acht Kanäle sind eine solide, alltagstaugliche Basis. Mehr Kanäle können zusätzliche Feinjustierung ermöglichen, sind aber kein Qualitätsversprechen und schon gar kein Muss. Entscheidend ist, dass Ihre Hörgeräte zu Ihnen passen – und genau das scheint bei Ihnen der Fall zu sein.
Kurz gesagt:
Lassen Sie sich Ihr gutes Hören nicht von Zahlenmadigkeit kaputtreden.
Bildquellen:
- kanaele_800x500: Peter Wilhelm KI
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