Neue Betrugsmasche vor Supermärkten: Falsche Spendensammler missbrauchen das Thema Behinderung: Derzeit häufen sich Fälle einer perfiden Betrugsmasche vor Supermärkten und Geschäften. Dabei geben sich Täter als Spendensammler aus und behaupten, Geld für Menschen mit Behinderung oder für gehörlose Personen zu sammeln. Besonders perfide: Es wird gezielt mit dem Thema Hilfsbedürftigkeit und Inklusion gearbeitet, um Vertrauen zu gewinnen.
Mehrere Fälle dieser Art wurden in den vergangenen Wochen im Kreis Heinsberg angezeigt. Nach Angaben der Polizei wurden bislang mindestens fünf gleich gelagerte Vorfälle bekannt.
So funktioniert die Masche
Die Täter stehen vor Eingängen von Supermärkten oder auf öffentlichen Plätzen. Sie sprechen Passanten direkt an und geben vor, für einen wohltätigen Zweck Spenden zu sammeln. Häufig wird ein Betrag von 10 Euro vorgeschlagen.
Die Zahlung soll angeblich unkompliziert und bargeldlos per EC-Karte erfolgen. Hier kommt ein mobiles Kartenlesegerät zum Einsatz. Später stellen die Betroffenen jedoch fest, dass nicht 10 Euro, sondern deutlich höhere Beträge – teilweise 1000 Euro – von ihrem Konto abgebucht wurden.
Wie genau die Manipulation technisch erfolgt, ist Gegenstand laufender Ermittlungen. Möglich ist eine verdeckte Veränderung des Betrags auf dem Display oder eine bewusste Irreführung durch verdeckte Ziffern. Klar ist jedoch: Die Opfer bemerken die tatsächliche Höhe der Abbuchung meist erst später.
Auffällig ist, dass überproportional häufig Menschen über 60 Jahre betroffen sind.
Täter treten unterschiedlich auf
Ob es sich um eine organisierte Tätergruppe oder um unabhängige Einzelpersonen handelt, ist bislang unklar. In einigen Fällen wurden zwei Männer im Alter von etwa 25 bis 30 Jahren beschrieben. In einem anderen Fall trat eine junge Frau auf, die durch Gesten vorgab, gehörlos zu sein.
Gerade diese vorgetäuschte Betroffenheit dient offenbar dazu, Hemmschwellen zu senken und Mitgefühl auszunutzen.
Warum diese Masche besonders perfide ist
Das Thema Behinderung, insbesondere Gehörlosigkeit, wird hier gezielt instrumentalisiert. Menschen möchten helfen – und genau dieses soziale Verantwortungsgefühl wird missbraucht.
Seriöse Organisationen arbeiten in der Regel anders:
- Sie verfügen über überprüfbare Kontaktdaten.
- Sie haben transparente Informationsmaterialien.
- Sie ermöglichen Spenden über offizielle Wege.
- Sie drängen nicht zu sofortiger Kartenzahlung auf der Straße.
Eine spontane EC-Kartenzahlung vor einem Supermarkt ohne klar überprüfbare Organisationsstruktur ist ein deutliches Warnsignal.
Wie sollte man reagieren?
Es ist grundsätzlich Vorsicht geboten, wenn man auf öffentlichen Plätzen oder vor Geschäften zu Spenden aufgefordert wird.
Kartenzahlungen sollten nur durchgeführt werden, wenn die Seriosität der Organisation eindeutig nachweisbar ist – was unmittelbar vor Ort in der Regel nicht möglich ist. Sicherer ist es, sich Informationsmaterial geben zu lassen und gegebenenfalls später per regulärer Überweisung zu spenden.
Wichtig ist außerdem, sich nicht unter Druck setzen zu lassen. Besonders emotionale Appelle oder angstmachende Botschaften sind typische Mittel unseriöser Akteure.
Wer den Verdacht hat, dass eine Sammlung betrügerisch sein könnte, sollte umgehend die Polizei informieren. Eine zeitnahe Meldung ermöglicht es den Behörden, die betreffenden Personen noch vor Ort zu überprüfen.
Fazit
Die geschilderten Fälle zeigen, wie skrupellos Betrüger soziale Themen ausnutzen. Gerade Menschen, die sich für Inklusion und Unterstützung von Menschen mit Behinderung einsetzen möchten, geraten ins Visier.
Gesunde Skepsis ist kein Mangel an Mitgefühl, sondern ein notwendiger Selbstschutz. Wer helfen möchte, sollte dies über überprüfbare, etablierte Organisationen tun – nicht über mobile Kartenlesegeräte vor dem Supermarkt.
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Bildquellen:
- spendensammler1_800x500: Peter Wilhelm KI














