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Experten-Tipps für Musiker: So schützt du dein Gehör in Band oder Orchester

Musiker sitzt bei einem Hörakustiker im Behandlungszimmer und lässt sich in-ear-monitoring-Systeme zeigen

Musik ist Leidenschaft, Ausdruck und Lebensfreude – aber sie kann auch zur Belastung für die Ohren werden. Rund 16 Millionen Menschen in Deutschland musizieren regelmäßig, ob im Chor, in einer Band oder im Orchester. Dazu kommen fast 10.000 Profimusikerinnen und -musiker, die täglich mit hohen Lautstärken arbeiten. Doch genau das birgt Risiken: Dauerhafte Schallbelastung kann zu Hörschäden führen – oft schleichend, aber irreversibel.

Warum Musiker besonders gefährdet sind

In einer Band oder einem Orchester entstehen enorme Lautstärken, häufig direkt am Ohr. Bläser, Schlagzeuger oder Gitarristen sind oft über viele Stunden hinweg Pegeln ausgesetzt, die deutlich über 85 Dezibel liegen – der Grenze, ab der das Gehör dauerhaft geschädigt werden kann. Das gilt unabhängig vom Musikstil: Klassik, Rock, Pop oder Jazz – entscheidend ist nicht die Musikrichtung, sondern die Intensität und Dauer der Beschallung.

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Der Präsident der Bundesinnung der Hörakustiker, Eberhard Schmidt, erklärt: „In einem Orchester oder einer Band werden durch Instrumente und Verstärker enorme Lautstärken erreicht. Das erhöht das Risiko für Hörschädigungen bei Musikerinnen und Musikern, besonders bei stundenlangem Proben und häufigen Auftritten.“ Eine Studie der Universität Oldenburg und der TU Graz zeigt: Zwei Drittel aller befragten Musiker berichten von Hörproblemen – ein alarmierendes Ergebnis.

Musik genießen – trotz Gehörschutz

Viele Musiker fürchten, dass Gehörschutz den Spaß an der Musik mindert. Doch diese Sorge ist unbegründet. Es gibt heute maßgefertigte Gehörschutzlösungen speziell für Musiker, die im Gehörgang kaum zu spüren sind. Eingebaute Filter dämpfen nur die gefährlichen Lautstärken, nicht aber die Klangbalance. So bleiben Stimme, Instrumente und Raumakustik klar und natürlich. Der Musikgenuss bleibt erhalten, das Risiko sinkt.

Ein weiterer Tipp: In-Ear-Monitoring (IEM). Diese Systeme sind nicht nur Profis vorbehalten. Sie liefern jedem Bandmitglied einen individuell abgestimmten Soundmix direkt aufs Ohr. So hört man sich selbst optimal und kann die Gesamtlautstärke im Umfeld reduzieren. Das schützt das Gehör, verbessert das Zusammenspiel und erhöht den Komfort bei Auftritten.

Soundcheck fürs Ohr: Hörtests als Routine

Nach der Probe klingeln die Ohren, alles klingt dumpf oder es rauscht? Das ist ein Warnzeichen. Solche Symptome deuten auf eine Überlastung des Gehörs hin und sollten ernst genommen werden. Hält das Ohrgeräusch an, ist ein Besuch beim HNO-Arzt oder Hörakustiker dringend angeraten. Möglicherweise steckt ein beginnender Tinnitus oder eine Hörminderung dahinter.

Eberhard Schmidt empfiehlt Musikerinnen und Musikern, ihr Gehör regelmäßig überprüfen zu lassen: „Wie der Soundcheck vor dem Konzert sollte der jährliche Hörtest zur Routine gehören.“ In rund 7.500 Hörakustiker-Fachbetrieben in Deutschland können solche Tests kostenlos durchgeführt werden. So lassen sich Veränderungen früh erkennen – und mit passenden Maßnahmen ausgleichen.

Fazit

Musik ist ein Geschenk – und gutes Hören ihr wertvollster Begleiter. Wer regelmäßig musiziert, sollte sein Gehör schützen, ohne die Freude am Klang zu verlieren. Individueller Gehörschutz, In-Ear-Monitoring und regelmäßige Hörtests sind einfache, aber wirkungsvolle Wege, um die Ohren langfristig gesund zu halten. Denn nur wer gut hört, kann Musik wirklich genießen.


Quellen: Deutsches Musikinformationszentrum (2025), unisono Deutsche Musik- und Orchestervereinigung (2024), Universität Oldenburg & TU Graz (2024).

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(©si)