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Die Freizeit geniessen mit Hörgeräten

Fotomodell Josie Weaver

Ich muss mal eine Lanze brechen für meine Hörgeräte. Seit meiner Geburt höre ich schlecht. Ich bin quasi schon mein ganzes Leben auf Hörgeräte angewiesen.

Glücklicherweise stagniert der Hörverlust seit Jahren und deshalb komme ich mit guten, normalen Hörgeräten gut klar.
In meiner Kindheit und in der Schule wurde ich manchmal gehänselt, aber das hielt sich in Grenzen. Schlimmer fand ich den Umgang der Erwachsenen mit mir. Claudia tu dies nicht, Claudia tu das nicht. Geh nicht in den Regen, pass auf die teuren Geräte auf. Verliere Deine Hörgeräte nicht! Tobe nicht herum, sei nicht so wild.
Und die Lehrer haben mich teilweise behandelt, als hätte ich eine geistige Behinderung.

Übrigens, das sollte ich mal deutlich sagen: Es hat mir immer geholfen, offensiv auf die Leute zuzugehen und Klartext zu reden. An der Uni habe ich zu einem Professor gesagt: „Es reicht vollkommen, wenn Sie deutlich sprechen. Ich höre nicht gut, aber ich bin nicht geistig behindert.“

Meine Eltern hatten ja Recht. Die Hörgeräte waren damals (wie auch heute) sehr teuer, und es wäre eine Katastrophe gewesen, wenn sie kaputt gegangen wären.
Aber mit den aktuellen Modellen ist das ja vorbei. Heutige Hörgeräte sind wasserdicht, Regen und mal versehentliches Duschen macht ihnen nichts mehr aus. Schwitzen beim Sport ist auch kein Problem. Und rausfallen tun die, dank einer gut sitzenden Otoplastik auch nicht.
Ich kann in meiner Freizeit alles machen, was andere Leute in meinem Alter auch machen, ohne Einschränkung. Okay, eine Einschränkung gibt es: Bunjee-Jumping kommt für mich nicht in Frage, aber das liegt nicht an meinen Hörgeräten, sondern an meiner Höhenangst 🙂

Ohne Hörgeräte könnte ich das alles nicht. Manchmal nehme ich sie raus, einfach nur mal, um zu vergegenwärtigen, wie sich die Welt für mich ohne meine „Computerohren“ anhören würde.
Sogar die laute Musik im Club dringt nur als dumpfes Wumm-Wumm an meine Trommelfelle. Stimmen höre ich tief, verzerrt und absolut unverständlich. Straßen- und Verkehrslärm höre ich gar nicht, nur ein Rauschen.

Für mich sind die Hörgeräte ein Segen. Und ich fiebere immer den neuesten Geräten entgegen, weil ich alles, was die Geräte können auch intensiv nutze.
Sie sind für mich keine technische Spielerei oder eine Hörprothese. Nein, das sind meine Computerohren, ohne die ich aufgeschmissen wäre.

Claudia B., Berlin (28)

Foto:
Fotomodell Josie Weaver, Symbolbild



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Lesezeit ca.: 3 Minuten



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