Zu teure Hörgeräte verkauft – Überversorgung bei 82-Jährigem

Leserzuschrift: Mein Mann ist 82 Jahre alt und seit einem schlecht behandelten Hörsturz auf Hörgeräte angewiesen. Da er vor allem bei Gesprächen in größeren Gruppen Schwierigkeiten mit dem Verstehen hat, ist er seit geraumer Zeit auf der Suche nach neuen Hörgeräten. Bei einem Akustiker in der Nähe von Stuttgart fühlt er sich gut aufgehoben. Dort hat man ihn umfassend beraten und ihm dann Geräte angeboten, die dem modernsten technischen Standard entsprechen und zur obersten Preisklasse gehören.
Da wir privat krankenversichert sind, gelten die Spielregeln für gesetzlich Versicherte für uns nicht.
Der Akustiker hat deshalb auch schnell die EC-Karte meines Mannes durchgezogen und ihn alles unterschreiben lassen. Jetzt sind über 7.000 Euro fort. Das Schlimme: Mein Mann hat nun zwar sehr gute Hörgeräte am Ohr, jedoch sind ihm diese viel zu kompliziert. Die Geräte haben Funktionen, die ein so alter Herr doch gar nicht mehr benötigt. Eine Windgeräuschunterdrückung, Komfort in halligen Räumen und Musikstreaming oder freihändiges Telefonieren.
Wir fühlen uns vom Hörakustiker schon etwas über den Tisch gezogen. Kann man da was machen?

Es ist immer das selbe alte Spiel. Ältere Leute sind froh, wenn ihnen geholfen wird und sie sind dankbar für Zuwendung und Aufmerksamkeit. Außerdem fühlen sie sich nach einer umfassenden Beratung fast schon verpflichtet, im Gegenzug auch etwas zu kaufen.

Diese Umstände werden nahezu überall im Handel von windigen Kaufleuten ausgenutzt.

Zu einer Hörberatung gehört in erster Linie auch die Bedarfsanalyse. Im Gespräch mit dem Kunden ermittelt der Hörakustiker die Lebensumstände und die verschiedenen Hörsituationen, in denen sich der Kunde bewegt. Anhand dieser Bedarfsanalyse können dann bestimmte Hörgeräte in die engere Wahl genommen werden. Dazu sollten, auch bei Privatversicherten, immer auch die für Kassenpatienten zuzahlungsfreien Hörgeräte gehören, denn auch diese bieten schon einen sehr guten Hörkomfort.

Mit Hörgeräten in größeren Gesellschaften oder lauten Restaurants sehr gut zu hören, ist für jedes Hörsystem eine große Herausforderung. Das gelingt in den seltensten Fällen ohne Probleme. Parallel zum Tragen der Hörgeräte ist es für den Schwerhörigen wichtig, dass die anderen möglichst nicht durcheinander reden, ihn beim Ansprechen anschauen und deutlich genug sprechen.

So kann sogar mit einfachen Hörgeräten ein sehr guter Hörkompromiss erreicht werden. Teurere Hörgeräte haben nochmals spezielle Filter und Programmsteuerungen, die Sprache noch intensiver hervorheben können. Ob diese Funktionen dem einzelnen Schwerhörigen helfen, muss bei einem ausreichend langen Probetragen herausgefunden werden.
Insbesondere hochbetagte Personen haben nicht mehr so ein abwechslungsreiches Hörleben und meist sind Hörgeräte mit sehr vielen Funktionen und Programmen hier erstens nicht gewünscht und zweitens auch eine Überversorgung.

Trotzdem sehen wir wenig Chancen, aus diesem Geschäft wieder herauszukommen. In einem Telefonat deuteten Sie an, einen Anwalt einschalten zu wollen. Halten Sie uns bitte gerne auf dem Laufenen.



(si)







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Peter Wilhelm Hörgeräte-Experte
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