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Wir sind verzweifelt: Die Hörgeräte sind schrecklich

Ich schreibe im Auftrag und gemeinsam mit meiner Mutter. Meine Mutter ist 65 Jahre alt und war Verwaltungsangestellte. Jetzt ist sie im Ruhestand. Seit Anfang des Jahres probiert sie Hörgeräte aus.
Der Hörakustiker in F. hat sehr viel Geduld mit uns und unternimmt alles Mögliche, um es meiner Mutter recht zu machen. Aber sie kommt mit den Hörgeräten einfach nicht klar. Es sind und bleiben störende Fremdkörper in ihren Ohren. Sie empfindet die Ohrstöpsel als drückend, verstopfend und nervend. Es ist so, als ob ihre Ohren zu sind.
Auch die Hörerlebnisse sind miserabel. Zuerst hatte sie Oticon, dann Widex und jetzt die Phonak Marvel 90, die neuesten.
Es ist irgendwie bei allen gleich, obwohl wir jetzt bei nahezu 6.000 Euro angekommen sind. Mehr geht ja wohl kaum. Also sind die Phonak Marvel doch die Mercedes unter den Hörgeräten. Aber sie hört eben nicht gut damit.
Alles ist dumpf, alles ist unnatürlich und vor allem ihre eigene Stimme klingt viel zu laut und absolut unnatürlich. Sie fragt immer wieder: „Wieviel Geld muss man eigentlich ausgeben, um gut hören zu können?“
Dabei ist ihr Hörverlust nur oben und nur mittel. Was würden Sie denn jetzt empfehlen?

Es ist natürlich nicht schön, dass Ihre Mutter so schlechte Erfahrungen macht.
Grundsätzlich ist es aber so, dass Hörgeräte medizinische Hilfsmittel sind und kein 100%iger Ersatz für das jugendliche Hörvermögen.
Niemand kann sich im übrigen daran erinnern, wie das Gehör in jungen Jahren einmal geklungen hat. Für so etwas haben wir schlichtweg keine Gedächtnisfunktion.
Wir können also nur in etwa annehmen, was sich einmal wie angehört haben mag.

Und genau das leisten Hörgeräte im Grunde genommen nämlich nicht: Das Wiedererlangen des 100%igen jugendlichen Hörens.
Ihre Mutter ist schwerhörig. Andere 65-jährige sind nicht schwerhörig. Aber auch diese 65-jährigen hören nicht mehr so, wie mit 20 Jahren.
Wenn Ihre Mutter gut angepasste Hörgeräte hat, kann sie darauf hoffen, so gut zu hören, wie andere 65-jährige ohne Hörschaden. Bei sehr gut eingestellten Hörgeräten hört sie eventuell sogar noch etwas besser, als ihre Altersgenossen.
Sie muss also ihre Erwartungen etwas herunterschrauben und sich dann über die eintretenden Erfolge freuen.

Jetzt probiert Ihre Mutter schon ein knappes halbes Jahr mit verschiedenen Hörgeräten namhafter Hersteller herum. Das ist eigentlich schon eine ausreichend lange Zeit.
Mit den Phonak Marvel Hörgeräten hat sie tatsächlich Spitzengeräte am Ohr. Aber ich sage es immer wieder und auch jetzt gerne nochmal:

Gutes Hören kann man mit Geld nicht kaufen.

Der Preis ist überhaupt nicht entscheidend für einen guten Hörerfolg.

Ich würde 4 Dinge vorschlagen.

1. Ihre Mutter soll sich nach flexiblen Otoplastiken mit einer möglichst großen Bohrung erkundigen. Diese Ohrpasstücke sind weich und anpassungsfähig. Sie stören nicht so sehr im Gehörgang, wie starre Teile.
Die große Bohrung sollte den Okklusionseffekt mildern. Dieser äußert sich im „Ohren-sind-zu-Gefühl“.

2. Ihre Mutter sollte die Hörgeräte bitte konsequent tragen. Das heißt: den ganzen Tag und jeden Tag. Außer beim Schlafen immer! Nur das garantiert eine gute Gewöhnung und vermeidet Anfangsschwierigkeiten.

3. Fragen Sie den Hörakustiker bitte einmal nach einem preiswerten, einfacheren Gerät, beispielsweise dem Phonak Vitus BTE. Der „Ohrenklempner“, ein erfahrener Teilnehmer im Schwerhörigenforum schreibt nämlich zu einem ganz ähnlich gelagerten Fall völlig richtig folgendes:

Zitat: „Das realistischste Hörerlebnis hast du mit einem möglichst einfachen Hörgerät. Je teurer das Hörgerät, desto mehr wird der Klang beeinflusst, bearbeitet, weichgespült und rundgelutscht. Lass dir spaßenshalber mal ein günstiges Gerät mit der Anpassformel DSLv5 auf 100% Zielverstärkung anpassen — DAS ist realistisch.

Quelle: Schwerhörigenforum

4. Mit der empfohlenen Anpassformel DSLv5 glauben auch wir, dass Ihre Mutter sehr gut bedient sein könnte.

Teure Hörgeräte sind besser. Sie können auf mehr Kanälen (Frequenzbereichen) angepasst werden und bieten natürlich auch viele Zusatzfeatures.
Es kann in manchen Fällen aber erforderlich sein, auf viele Automatiken und bessere Einstelloptionen zu verzichten und ganz einfach klassisch anzupassen. Hierfür sind dann teure Hörgeräte, wie die Marvels, quasi überqualifiziert. Deshalb unsere Empfehlung es versuchsweise einfach mal mit günstigeren, einfach gestrickteren Geräten auszuprobieren.

Melden Sie sich doch bitte gerne und berichten Sie uns, wie es verläuft.

Bild von ErikaWittlieb auf Pixabay



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