• Wenn die Musik im Lokal zu laut ist – Störschall

    Hörgeräteträger leiden am meisten darunter, dass sogenannter Störschall die Sprachsignale überlagert.
    Manchmal machen Störgeräusche einen Restaurantbesuch zur Tortur. Was Sie dagegen machen können, verraten wir Ihnen in diesem Beitrag.

    Was ist Störschall?

    Als Störschall bezeichnet man im Zusammenhang mit Hörgeräten die Geräusche, kein Nutzsignale sind.
    Hörgeräte sind vor allem dazu da, um menschliche Sprache verstehbar zu machen.
    Es geht also nicht darum, Sprache hörbar zu machen. Das würde ja letztlich nur lauter bedeuten.
    Sondern vielmehr geht es darum, den Anteil der menschlichen Sprache an den gesamten umgebenden Geräuschen so zu verarbeiten, dass der Hörgeräteträger diese wichtigen Nutzsignale besser verstehen kann.

    Alles was sonst noch zu hören ist und vom Hörgerätenutzer gerade nicht benötigt wird, kann Störschall sein.

    Beispiele für Störschall:

    – laufende Motoren
    – Geräusche von Rolltreppen, Klimaanlagen und Ventilatoren
    – Stimmengewirr
    – Geraschel, Geklapper, Gläserklirren
    – Brumm- und Zischgeräusche
    – Knistern und Pfeifgeräusche
    – Musik- und Spracheinspielungen
    – Signal- und Piepsgeräusche

    Eine Beispielsituation könnte diese sein:

    Herr Löhmert ist Hörgeräteträger. Er geht mit seinen beiden Kindern in ein Fastfood-Restaurant.
    Dort sitzen sie sehr angenehm bei Hamburgern und Limonade.
    Auf einmal sind in der Kochzeile die Pommes fertig. Es beginnt im Sekundentakt zu piepsen.
    Gleichzeitig schäumt ein Mitarbeiter mehrere Cappuccino auf.
    Das Piepsen von drei Fritteusen und das Zischen des Kaffeeautomaten sind für Herrn Löhmert so laut, dass er an dem Gespräch mit seinen Kindern nicht mehr teilnehmen kann.
    Er merkt, dass sein Hörgerät versucht, automatisch die Programme zu wechseln. Da aber das Piepsen und Zischen in etwa im gleichen Frequenzbereich liegen, wie die menschliche Sprache, überlagert der Störschall die Stimmen seiner Kinder.

    Dies ist ganz sicher eine Grenzsituation. Hier zeigt sich auch, dass Hörgerät nicht unbedingt gleich Hörgerät ist.
    Ein anderes (und eventuell auch ((aber nicht unbedingt)) ein teureres) Hörgerät könnte mit dieser Situation besser zurecht kommen.

    Was können Sie als Betroffener tun?

    Es gibt kaum Maßnahmen, die Sie direkt ergreifen können. Die simpelste wäre ja, dass die Störgeräusche unterbleiben. Es ist aber unmöglich, die Mitarbeiter des Restaurants zu bitten, diese notwendigen Tätigkeiten einzustellen.

    Sie haben aber die Möglichkeit, über die Taster am Hörgerät oder mittels der Smartphone-App ein geeigneteres Hörprogramm auszuwählen. Das kann einen sofortigen Erfolg bringen.

    Als nächste Maßnahme empfiehlt es sich, die Sitzplatzauswahl zu überprüfen:

    – gibt es einen besser geschützten Tisch in einer ruhigeren Zone?
    – bringt es was, mit den anderen die Plätze zu tauschen?

    Außerdem sollten Sie die anderen bitten, etwas deutlicher zu sprechen.

    Ein ruhiger Platz ist für Hörgeräteträger Gold wert. Aber das Bild kann täuschen. Vielleicht hängt ein Lautsprecher mit Musik direkt über den beiden.

    Vermeidbaren Lärm abstellen lassen

    Als Gast in einem Restaurant haben Sie Anspruch auf eine angenehme Atmosphäre. Auch dieses Ambiente zahlen Sie ja mit.
    Wenn nun völlig unnötig permanent irgendwo Wasser läuft oder ein Kellner Besteck poliert und laut in die Sortierkästen wirft, können Sie ohne weiteres das Personal ansprechen. Machen Sie die Leute freundlich auf Ihre Einschränkung aufmerksam und fragen Sie, ob man nicht die Geräusche etwas reduzieren kann.

    Die allermeisten unserer Mitmenschen kommen gar nicht auf die Idee, dass es so etwas wie Störschall gibt.

    Die leidige Musik

    Es ist doch lieb gemeint, dass in Restaurants Musik gespielt wird.
    Dass das für uns Hörgeräteträger manchmal zu einem Problem werden kann, wissen die wenigsten.

    Ganz klar, wenn Sie in eine Musikkneipe gehen oder in ein Lokal, in dem Musik im Vordergrund steht, haben Sie schlechte Karten.
    Das gilt auch, wenn Gäste an einer Musikbox selbst Musiktitel auswählen können.

    Aber wenn Sie in einem Lokal sind, in dem Hintergrundmusik läuft, können Sie immer fragen, ob es nicht für eine halbe Stunde oder so ohne die Musik geht. Je weniger Gäste da sind, umso eher werden Sie Ihren Wunsch durchsetzen können.
    Wiese Sie auf Ihre Behinderung hin. Wenn die Musik nicht abgestellt werden kann, bitten Sie darum, sie etwas leiser zu stellen.
    Manchmal kann der Wirt auch die Lautsprecher in Ihrer Nähe abschalten. Oder aber bieten Ihnen einen Platz an, der weiter weg von den Boxen ist.

    Vorher schon Augen auf!

    Die beste Möglichkeit, sich dem zu entziehen, ist es, wenn Sie schon bei der Restaurantauswahl mit darauf achten.
    Nutzen Sie Bewertungsseiten wie TripAdvisor und andere, um Ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen.
    Bewerten Sie jedes Restaurant, dass Sie besuchen auch in Hinblick auf die Lärmkulisse.
    Machen Sie das konsequent. Wenn andere Hörgeräteträger das lesen, werden sie Ihnen dankbar sein und das eventuell auch machen.



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    Bilder: Free-Photos / Pixabay

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