• Wenn der Opa absolut dement ist

    Hilfe! Ich habe ein großes Problem! Mein Vater, von allen nur Opa genannt, ist im Pflegeheim. Ich sage es jetzt mal so, wie es ist, er ist ein sabbernder Greis, der nichts mehr mitbekommt. Seit 12 Jahren leidet er an Alzheimer. Er erkennt niemanden mehr. Er zeigt auch keinerlei Regung wenn wir kommen. Der Mann liegt nur noch teilnahmslos im Bett. Sprechen kann er schon lange nicht mehr. Und wenn er mal was von sich gibt, ist das ein sinnlosen Stöhnen und Brummen.
    Wenn man ihn anspricht, geht nicht einmal ein Leuchten durch seine Augen. Der bekommt einfach nichts mehr mit.

    Jetzt war ein Arzt vom MKD da und hat ihn untersucht. Es ging um die Pflegestufe. Der Arzt hat angeregt, mein Vater müsse neue Hörgeräte bekommen. Die soll er dann permanent tragen. Jetzt ist es aber so, dass er bereits Hörgeräte hat. Die sind zwar etwas älter, aber die funktionieren noch. Die liegen aber seit Jahren ungenutzt in der Schublade, weil er sich die immer heraus reisst.
    Es war jetzt ein Hörgeräteverkäufer auf unser Bitten bei ihm und der hat gemeint, vernünftige Powerapparate würden so an die 2.200 Euro zusammen kosten.
    Die Heimunterbringung des Opas hat aber unsere ganzen Ersparnisse aufgefressen und obwohl wir ganz gut verdienen, ist einfach nicht genug übrig, um mal eben so 2.200 Euro aus dem Ärmel zu schütteln.
    Ganz ehrlich: Unser Hausarzt, der ihn regelmäßig besucht und versorgt, hat uns gesagt, dass es sowieso zu Ende geht. Er rät uns dringend davon ab.
    Halten Sie es nach Ihrer Erfahrung für notwendig, den alten dementen Mann mit neuen Hörgeräten zu versorgen?

    Nein.

    Sind wir jetzt doch mal ehrlich: Ihr Vater hat den Punkt, an dem ihm Hörgeräte in irgendeiner Weise einen Nutzen bringen könnten vermutlich schon länger überschritten.

    Hörgeräte dienen dazu, dem Menschen die Kommunikation zu erleichtern.
    Führt ein Mensch keine Kommunikation mehr, nutzen ihm auch Hörgeräte nichts.

    Hörgeräte können im Alter bewirken, dass eine Demenz verzögert wird oder ausbleibt.
    Hat ein Mensch die Alzheimer-Krankheit in einem fortgeschrittenen Stadium, dann können auch Hörgeräte nichts mehr bewirken.

    Ihr Vater verfügt bereits über Hörgeräte, die er nicht trägt.
    Es ist also anzunehmen, dass er auch die neuen nicht tragen wird.

    Der alte Herr ist so verwirrt, dass er sich die vorhandenen Hörsysteme aus den Ohren reißt.
    Somit liegt die Vermutung nahe, dass er das auch mit den neuen tun würde.

    Der Alzheimer-Patient kommuniziert nicht mehr, weil nach meiner Einschätzung die dafür zuständigen Gehirnareale schon von der Erkrankung betroffen sind.
    Das Nichtkommunizieren ist auch durch Hörgeräte weder zu beseitigen, zu lindern, noch in irgendeiner Weise zu beeinflussen.

    Aus meiner persönlichen Sicht wäre es Unfug, hier noch eine Hörgeräteversorgung vorzunehmen. Sie würde dem Schwerhörigen keinen Nutzen bringen.

    Hinweis: Diese Einschätzung beruht auf meinen persönlichen Erfahrungen und gibt ausschließlich meine Meinung wieder. Zu Rechts-, Steuer- und medizinischen Themen sollten Sie immer einen ausgewiesenen Fachmann fragen. Das ist oft günstiger als man denkt. Verlassen Sie sich nie auf Erkenntnisse, die Sie sich nur im Internet zusammengefischt haben!



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    Bild:
    geralt / Pixabay

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