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Was wären wir gerne Hörakustiker geworden

Überall lese und höre ich, wie schwierig es ist, geeignetes Fachpersonal zu finden. Das gilt auch für den Beruf der Hörakustiker. In ganz vielen Geschäften tun eilig ausgebildete Hörberater ihren Dienst, deren Qualifikation nicht einheitlich geregelt ist. Theoretisch kann sich jeder Hörberater nennen. Oder es arbeiten Personen, die das Rentenalter längst erreicht haben, wenn diese sogar nicht nur ihren Meisterbrief vermieten.

Zwar bilden die Hörakustik-Meisterbetriebe aus, wie sonst kaum ein anderes Handwerk, aber dennoch wird überall Fachpersonal gesucht. Egal ob Auszubildende, Gesellinnen und Gesellen oder Meisterinnen und Meister.

So, wie es bei den Hörakustikern aussieht, sieht es in vielen anderen Branchen auch aus.
Paradiesische Zustände für angehende Auszubildende. Nie hatten sie es so einfach und nie hatten sie eine so große Auswahl.

Ich selbst bin 1959 geboren, mithin ein Kind der geburtenstarken Jahrgänge. Das Wirtschaftswunder der 50er und 60er Jahre verschaffte den Menschen nicht nur bescheidenen Wohlstand, sondern auch Vertrauen in Politik, Staat, Zukunft und Wirtschaft. Kein Wunder also, dass man erstmals nach dem Krieg bewusst und gerne wieder Kinder in die Welt setzte. Die Folge waren die geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 19691.

Als unsere Generation Ende der 1970er Jahre die Schule beendete, war der Druck auf dem Arbeits- und Fortbildungsmarkt sehr groß. Aufgrund der hohen Bewerberzahl konnten die Ausbilder (die damals noch Lehrbetriebe oder Lehrherren hießen) die Besten der Besten abschöpfen. Manch ein Lehrling nahm verzweifelt „irgendeine“ Stelle an, um ja nicht ganz aus dem System zu fallen.
Studienplätze waren rar, der numerus clausus hoch und die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze schickte manchen Studierwilligen in die ferne Fremde. Und so mancher, der gerne Medizin studiert hätte, musste sich mit Betriebswirtschaftslehre oder Sozialpädagogik zufrieden geben.

Einen der besten Mitschüler traf ich viele Jahre später. Ich weiß nicht, ob es den oben beschriebenen Umständen oder seinem persönlichen Lebensverlauf geschuldet war, aber jedenfalls verdiente er sein Brot mit dem Auffüllen von Zigarettenautomaten. So wie ihm ist es damals vielen gegangen.

Augenoptiker, Hörakustiker, medizinisches Fachpersonal, Polizei, Feuerwehr, kommunale Behörden, sie alle bildeten aus, doch gab es einfach nur ganz wenige Lehrstellen. Ich glaube in der ganzen Stadt Essen wurden damals gerade 3 Stellen für Augenoptiker und 2 für Hörakustiker ausgelobt. Auf eine Lehrstelle kamen gefühlt über 100 Bewerberinnen und Bewerber.

Erstaunlich ist es für mich, dass das Hochschulstudium für viele meiner Altersgenossen gar keine Option war. Damals galt das Handwerk noch als was. Und wer eine Stelle in einem so schönen Beruf, wie dem des Orgelbauers oder Fernsehtechnikers bekam, schätzte sich glücklich.

Schade, dass heute die Bildungswelt sich so verändert hat. Das gezielte Kaputtmachen der Hauptschule, das Hubschrauberelterntum und sehr hochgestecktes Anspruchsdenken spielen hier sicher eine Rolle. Nur sind eben YouTube-Influencer und Callcenter-Agent sowie Handyverkäufer keine wirklich echten Berufe. Das sind allenfalls Lebensstationen. Aber keinen dieser Berufe macht jemand 40 Jahre lang.

Ich selbst habe mir eine abwechslungsreiche Vita gönnen können. Deshalb bin ich der Letzte, der fordern würde, dass jeder Mensch 40 Jahre im gleichen Beruf bleiben muss.
Auf der anderen Seite stelle ich immer wieder fest, dass es in der Berufswelt kaum eine Komponente gibt, auf die man so fest bauen kann, wie auf Erfahrung. Je mehr Erfahrung jemand in seinem Beruf hat, umso leichter wird er ihm von der Hand gehen.

Tip: Werde auch Du Hörakustiker

Deshalb kann ich nur an alle jungen Menschen plädieren, sich doch auch einmal den Beruf der Hörakustikerin bzw. des Hörakustikers anzuschauen. Es gibt viele Betriebe, die Euch ausbilden möchten. Die Konditionen sind gar nicht mal schlecht. Euch erwartet ein spannender Beruf an der Schnittstelle zwischen Handwerk, modernster Technik und Medizin.

Informationen bekommt Ihr bei jedem Hörakustiker. Einfach mal vorbei gehen, Termin vereinbaren und dann über den Beruf reden.
Ihr werdet sehen: Das ist ein sehr zukunftsträchtiger Beruf, der Spaß macht.

1 Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Baby-Boomer
Grafik: Von Stefan Silies – Statistisches Bundesamt, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3146352



(si)





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Peter Wilhelm Hörgeräte-Experte
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