Sind Sie sicher, dass Sie noch gut hören?

Sie hören bestimmt noch gut. Ihr Gehör ist geschärft. Sie hören noch genau so gut, wie vor 15 oder 20 Jahren.
Das glauben Sie, so wie viele Menschen es tun. Doch ein Besuch beim Hörgeräteakustiker zeigt dann schnell, dass tatsächlich so manches im Argen liegt.

Der Clou: Unser Gehirn kann uns lange etwas vormachen. Eine Schwerhörigkeit entsteht meistens nämlich nicht urplötzlich, sondern schleichend.
Und wenn wir nur ein bißchen weniger hören, beginnt unser Gehirn dem entgegenzuwirken. Ein Wunder der Natur.
Wir achten dann mehr auf das Gesagte, beginnen unbemerkt auch von den Lippen abzulesen und unser Gehirn verwendet mehr Rechenleistung auf das Hören.

Deshalb fällt es anfangs gar nicht auf, wenn wir schwerhörig werden.

Meist sind es die Angehörigen oder Arbeitskollegen, die dann auf einmal so Sätze sagen wie: „Sag mal, hörst Du schlecht?“ oder „Ich glaub Du brauchst ein Hörgerät!“.
Das wird im Spaß gesagt, weil Sie häufiger nachfragen müssen, weil Sie etwas nicht verstanden haben.
Zu Hause beschweren sich meist die Kinder oder die Ehefrau, weil man den Fernseher angeblich viel zu laut aufdreht.
Und immer häufiger kommt es vor, dass man meint, die anderen Leute sprächen undeutlich oder würden nuscheln.

An eine Schwerhörigkeit denkt da zunächst niemand. Denn erstaunlicherweise hat eine Schwerhörigkeit selten etwas damit zu tun, dass zunehmend alles leiser wird.
So stellen sich ja viele das Schwerhörigsein vor: Alles wird langsam immer leiser, bis man irgendwann, wie Beethoven, gar nichts mehr hört.

Aber das Gegenteil ist in den meisten Fällen richtig: Die Lautstärke nimmt gar nicht ab. Wir empfinden nach wie vor alles als laut genug.
Denn in Wirklichkeit sind die Sinneszellen betroffen, die für das Verstehen der unterschiedlichen Tonhöhen (Frequenzen) verantwortlich sind.
Zuerst gehen meist die hohen Töne verloren.

Der Schwerhörige hört alles zwar noch laut genug, kann es aber nicht mehr richtig verstehen. Denn der Hörverlust bei den hohen Frequenzen entspricht genau dem Frequenzmuster der menschlichen Sprache. Da der Betroffene keine Erklärung dafür hat, denkt er, es läge an der Lautstärke und versucht das Nichtverstehen eben durch Aufdrehen der Lautstärke zu kompensieren.

Und das ist gefährlich! Denn ein Hörverlust wird die allermeisten von uns irgendwann betreffen. Hierbei hat man meist keine völlige Ertaubung zu befürchten.
Aber die Schwerhörigkeit wird mit zunehmendem Alter, so ab 40 Jahren etwa, immer deutlicher.
Da wir das zu kompensieren versuchen, ohne davon zu wissen, geraten wir in einen Teufelskreis.

Denn wenn unser Gehirn sich mehr anstrengen muss, um das Gehörte aufzunehmen, verschenken wir Gehirnkapazität, die wir eigentlich benötigen würden, um das Gesagte nicht nur zu hören, sondern auch zu verstehen und zu verarbeiten.

Im Alter kann schlechtes Hören eine Demenz ganz eindeutig beflügeln. Studien haben gezeigt, dass schwerhörige Menschen eher und stärker dement werden, als Personen, die gut hören oder mit Hörgeräten versorgt sind.

Deshalb gilt unser Rat an jedermann: Gehen Sie mindestens alle 2 Jahre bei einem Hörakustiker vorbei und lassen Sie einen kostenlosen Hörtest machen.
Das dauert nicht lange. macht sogar Spaß und tut vor allem nicht weh.

Bild: Pixabay.com



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