• Hörtest – Wie aufwendig muss er sein?

    Wer schlecht hört, sollte unbedingt einen kurzen, schmerzlosen und aussagekräftigen Hörtest machen. Das geht am schnellsten und unkompliziertesten beim Hörakustiker. Damit der Hörtest aber auch vernünftige Ergebnisse liefert, ist etwas Zeit und Sachverstand nötig.

    Vor Jahren benötigte ich einmal eine neue Lesebrille.
    Ich erwartete, dass der Optiker meine Sehstärke mißt. Stattdessen gab er mir eine Tafel in die Hand, die so ähnlich war, wie die Titelabbildung zu diesem Beitrag. Man nennt das eine Nahleseprobe. Die Leseprobe oben stammt von der Firma HOYA, die gute Brillengläser fertigt.

    Auf dieser Tafel sollte ich dann ablesen und dann sagen, welche Größe ich nicht mehr gut erkenne. Aus der daneben stehenden Zahl leitete der Optiker meinen „Visus“ ab, also sozusagen meine Sehstärke. Anhand dieser Daten wollte er dann eine Brille bestellen.

    Ich bin dann noch zu einem anderen Optiker, der einen Refraktionsraum mit Stuhl und an die Wand projizierten Sehtests hat. Er ermittelte meine Sehstärke durch das Einklinken von verschiedenen Linsen in ein Testgerät vor meinen Augen. Die Werte wichen erheblich von denen des ersten Optikers ab. Außerdem wurde noch eine Hornhautverkrümmung festgestellt.

    Ich erzähle Ihnen das, um Ihnen zu zeigen, dass es immer mehrere Wege zum Ziel gibt.
    Nein, die Botschaft ist nicht, dass der zweite Optiker besser war. Das war er ohne Zweifel, weil es sich viel Mühe gegeben hat.
    Aber mit der einfachen Nahleseprobe und den angenäherten Werten hätte mir der erste Optiker ganz sicher eine Lesebrille gemacht, mit der ich sehr gut hätte lesen können. Denn so 100%ig kommt es bei einer Lesebrille gar nicht auf die Werte an. Man kann immer noch durch geringfügiges Verändern des Leseabstands „scharfstellen“.

    Was ich Ihnen klar machen möchte: Auch ein Hörakustiker verfügt über sehr viel Berufserfahrung. Er hat schon so viele Anpassungen gemacht, dass er in den meisten Fällen beim Betrachten eines Audiogramms schon weiß, wie die Hörgeräte eingestellt werden müssen.
    Deshalb müssen Sie sich keine Gedanken machen, wenn es bei den Hörtests etwas zügig zugeht. Sie müssen auch nicht in einem Spezialraum mit 46 Lautsprechern, die an einem hydraulischen Gestell von der Decke herabfahren, getestet werden.

    Wenn der Hörakustiker das macht: Bitteschön, gut so!
    Macht er das nicht, ist es aber auch gut.

    Denn der große Unterschied zur Brille ist: Eine Brille wird gemacht und muss dann funktionieren. Nachträglich noch nachschleifen geht nicht.
    Mit dem Hörgerät können Sie so oft zum Hörakustiker kommen, wie es notwendig ist. Er kann immer was nachregulieren.

    Wenn ein Hörakustiker gleich das ganz große Besteck auspackt und alle möglichen Tests mit allen möglichen modernen Geräten mit Ihnen macht, so ist das perfekt.
    Macht er nur einen Frequenzhörtest und einen Test bei dem es um das Silbenverstehen geht, hat er auch alles gut gemacht.

    Lassen Sie sich von aufwendigen Prüf- und Testmethoden nicht blenden. Die Kunst liegt in der anschließenden Feinanpassung gemäß Ihren Bedürfnissen.



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    Titelbild: © HOYA

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