• Ein Plädoyer für die T-Spule und die induktive Höranlage

    Es gibt immer mehr Hörgeräte, die gar keine T-Spule mehr haben.
    Die T-Spule ist ein kleines Bauteil, das in Kassenhörgeräten und diversen zuzahlungspflichtigen Hörgeräten verbaut ist. Mitunter ist sie nicht von Anfang aktiviert, dann kann der Hörakustiker das kostenlos freischalten.

    Ist die Spule eingeschaltet, kann der Hörgeräteträger sie auf Knopfdruck oder per App aktivieren.
    Wenn er sich dann in einem Raum befindet, der mit induktiver Hörtechnik ausgestattet ist, werden die Tonsignale in sehr guter Qualität direkt in sein Hörgerät übertragen.
    Vor allem öffentliche Räumlichkeiten sind mit dieser Technik ausgestattet, beispielsweise Kirchen, Theater, Museen usw.

    Aber auch beim Telefonieren ist die T-Spule hilfreich. Sie kann die Signale vom Telefonhörer drahtlos, induktiv abnehmen. Viele HG-Träger wissen das gar nicht. Dabei müssten Sie zum besseren Verstehen bei Telefonaten bloß ihr Hörgerät in den T-Spulen-Modus schalten.

    Immer häufiger treffen wir aber auf Hörgeräte und öffentliche Räumlichkeiten, in denen es keine T-Spule oder keine Induktionsschleifen gibt.
    Es scheint, als ob Bluetooth als allgegenwärtiger Standard die Induktionstechnik allmählich verdrängt.

    Bislang sind rund 82-85% aller Hörgeräte mit der induktiven Technik ausgestattet. Bluetooth hingegen soll erst bei 11% aller Hörgeräte verfügbar sein.
    Solange Bluetooth sich nicht „flächendeckend“ durchgesetzt hat, plädieren wir für die Beibehaltung der induktiven Höranlagen.



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    Vorteile

    • In der Regel verbessert sich durch den Einsatz einer induktiven Höranlage für die jeweiligen Nutzer das Signal-Rausch-Verhältnis oder genauer gesagt, das Stör- zu Nutzgeräuschverhältnis, da das reine Audiosignal selektiv über die Induktionsschleife übertragen wird und Nebengeräusche ausgeblendet bzw. erheblich reduziert werden.
    • Viele Vortragsräume (speziell Kirchen) haben eine Raumakustik, die die Verständlichkeit von Sprache durch Nachhall oder Echo negativ beeinflusst, was sich bei vermindertem Hörvermögen verstärkt auswirkt. (Nachhallzeit > 0,5 sek) Da das in die induktive Höranlage eingespeiste Signal mit einem Mikrofon direkt an der Schallquelle aufgenommen wird, können solche störenden Effekte wirksam gedämpft werden.
    • Störende Nebengeräusche, die nahe dem Hörgeräteträger erzeugt werden, können ebenfalls durch die induktive Übertragung ausgeblendet werden. Das gilt jedoch nur, wenn das interne Mikrofon des Hörgerätes bei Verwendung der Telefonspule abgeschaltet werden kann, was bei den meisten Geräten möglich ist.
    • Sie ist die einzige Höranlagentechnik, die weltweit und völlig Hersteller-unabhängig kompatibel ist.
    • Sie ist die einzige Höranlagentechnik, die als barrierefrei gelten kann, da für Hörgeräteträger keine zusätzliche Gerätschaften notwendig sind und sie sich nicht outen müssen, d. h. irgendwo als „Bittsteller“ ein am Übertragungsort notwendiges spezielles Gerät ausleihen müssen, wie das z. B. bei Infrarot oder Funktechnik der Fall ist oder ein eigenes Zusatzgerät mitbringen müssen, wie z. B. bei der Streamer-Technik ein Smartphone bzw. Tablet mit spezieller Hersteller-spezifischer App.
    • Sie ist die einzige Höranlagentechnik, die mindestens 85 % aller Hörgeräteträger erreichen kann.
    • Sie ist die einzige Höranlagentechnik, die für Hörgeräteträger keine zusätzliche Kosten verursacht, also sozial verträglich ist, denn alle Kassen-Hörgeräte besitzen die T-Spule, sie muss lediglich vom Hörgeräteakustiker kostenlos aktiviert, d. h. elektronisch freigeschaltet werden.
    • Sie ist die einzige Höranlagentechnik, die nicht in der Nutzeranzahl begrenzt ist. (Die alternative FM- bzw. IR-Technik ist begrenzt auf die Anzahl der vom Betreiber vorrätig gehaltenen Empfangsgeräte; die in Deutschland übliche Streamer-Technik ist begrenzt auf die pro Sendegerät festgelegten 50 Teilnehmer.)
    • Sie ist in aller Regel ohne bauliche Maßnahmen installierbar, da die Schleife (üblicherweise eine Standard-Leitung mit Querschnitt zwischen 0,75 und 2,5 mm²) auf dem Boden und nicht im Boden verlegt wird. Der Aufwand ist meist geringer als die Installation einer Lautsprecheranlage.
    • Die Kosten halten sich im Rahmen, meist zwischen 2000 und 3000 EUR pro zu versorgendem Raum.
    • Nutzt der Hörgeräteträger die im Hörgerät eingebaut T-Spule, wird seine Hörschädigung auf maximalem Niveau ausgeglichen, während die Nutzung eines üblichen FM- oder IR-Kinnbügel-Empfängers seine individuelle Hörschädigung nicht berücksichtigt, weil die Hörgeräte entfernt werden müssen, um mit dem Standard-Bügel-Kopfhörer zu hören. Letzteres wäre für hochgradig Schwerhörige völlig unzureichend.
    • Es gibt mobile (transportable) Anlagen, die innerhalb von einer Stunde funktionsfähig aufgebaut werden können. Allerdings muss dabei manchmal ein Hörgeräteträger mit Kompromissen und Abstrichen an der Qualität leben, da weder Zeit noch Qualifikation für eine Einmessung nach DIN EN 60118-4: 2014 vorhanden sind.

    Bild: Patrice_Audet / Pixabay

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