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EarBuds und AirPods kein Ersatz für Hörgeräte

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In den Medien herrscht derzeit ein riesengroßer Hype um AirBuds, EarBuds und frei verkäufliche Ohr- und Kopfhörer, die Hörgeräte quasi ersetzen können sollen.

Seit vielen Jahren gibt es neben den medizinischen Hörgeräten, die vom Ohrenarzt verschrieben und vom Hörakustiker angepasst werden, auch Hörhilfen, die man ohne Verordnung teilweise sogar im Supermarkt spätestens aber über das Internet günstig kaufen kann.
Solche Hörhilfen ähneln Hörgeräten in Aussehen und Funktion, sind aber deutlich günstiger. Das Problem: Die Geräte werden ohne Anpassung eingesetzt und können das Gehör nachhaltig schädigen. Teilweise sind dort Lautstärken möglich, die eine Schwerhörigkeit eher verschlimmern. Eine exakte Einstellung auf die von der Schwerhörigkeit betroffenen Frequenzen ist so gut wie nie möglich.

Unter ähnlichen Vorzeichen werden jetzt zunehmend Ohrhörer, die eigentlich für den reinen Musikgenuss gedacht sind, mit Funktionen ausgestattet, die man sonst eher bei den medizinischen Hörgeräten findet. Zu nennen wäre hier eine Hintergrundgeräuschunterdrückung und eine Sprachanhebung.

Damit können solche Hobbygeräte durchaus für Personen mit einem ganz leichten Hörverlust eine gute Unterstützung beim Sprachverstehen sein, das ist nicht von der Hand zu weisen.

Dennoch aber ist vor diesen Geräten zu warnen

Es gibt gute Gründe, hier einmal eine Warnung auszusprechen, diesen Hörgeräte-Ersatz unbedarft zu verwenden. Medizinische Hörgeräte werden ja nicht ohne guten Grund von Fachleuten verordnet und angepasst und von den Krankenkassen bezahlt (bezuschusst).

  1. Bevor Hörgeräte oder diese Hobby-Geräte verwendet werden, muss eine Untersuchung beim HNO-Arzt vorangehen. Dieser muss ausschließen, dass nicht eine andere Erkrankung (beispielsweise ein Tumor) Grund für die Schwerhörigkeit ist. Würden hier einfach Hörhilfen zur Linderung des Symptoms eingesetzt, könnte die zugrunde liegende Krankheit unbeobachtet weiter voranschreiten und die Gesundheit des Betroffenen gefährden.
  2. Richtige Hörgeräte müssen angepasst werden. Man wird üblicherweise nicht auf der gesamten Breite aller Frequenzen schwerhörig. Besonders typisch ist es, dass vor allem die hohen Frequenzen betroffen sind. Daher werden richtige Hörgeräte vom Hörakustiker ganz exakt anhand einer Messkurve eingestellt. Es wäre schädlich für das Gehör, wenn alles einfach nur über alle Frequenzen hinweg lauter gemacht würde. Das tun aber Hörhilfen für gewöhnlich.
  3. In Hörgeräten stecken Jahrzehnte audiologischer Erfahrung. Die Hörgerätehersteller investieren Millionen in die Entwicklung und Weiterentwicklung ihrer Hörsysteme. Dadurch sind Hörgeräte absolute Spezialgeräte, die über Funktionen und Techniken verfügen, die in Kopf- oder Ohrhörern nicht vorhanden sind. Viele Eigenschaften von Hörgeräten werden in diesen Ersatzgeräten nur per Software nachgeahmt.
  4. Hörgeräte sind hochentwickelt. Kaum ein anderes elektronisches Gerät kommt so lange mit der zur Verfügung stehenden Energie aus Akku oder Batterien aus, wie ein Hörgerät. Spezielle Batterien und Akkus mit einer an die Gesundheitsanforderungen angepassten Entladungskurve sorgen für extrem lange Laufzeiten von vielen Tagen und Wochen. Akkus und Batterien aus der Unterhaltungselektronik können das nur bedingt. Eher kurze Laufzeiten und häufiges Nachladen sind hier typisch.

Ursachenforschung ist wichtig

    Wenn Sie bei sich eine Hörminderung feststellen, gehen Sie bitte zum HNO-Arzt und lassen Sie sich untersuchen. Stecken Sie sich nicht einfach selbstgekaufte Ohrhörer zur Verbesserung des Hörens in die Ohren. Lassen Sie die Ursache Ihres Hörverlusts feststellen.

    Bevorzugen Sie im Zweifelsfall Hörgeräte vom Hörakustiker. Mit einer Verordnung vom Ohrenarzt kosten diese für gesetzlich Versicherte nichts. Selbst die einfachsten medizinischen Hörgeräte bieten mehr Sicherheit und Funktionen, als die Hörunterstützer aus der Unterhaltungselektronik.

    Moderne Hörgeräte bieten alle Funktionen, die AirPods, Earbuds und Kopfhörer auch bieten: Musikhören, TV-Ton drahtlos und Freihandtelefonie.

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Bildquellen

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Lesezeit ca.: 4 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: | DocRiemenschnayder 22. Januar 2023

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