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10 häufigste Gründe, warum Leute keine Hörgeräte tragen

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Über neun Millionen Erwachsene in Deutschland schätzen ihre Hörfähigkeit als eingeschränkt ein. Trotzdem trägt mehr als die Hälfte von ihnen keine Hörgeräte – selbst dann nicht, wenn eine ärztliche Empfehlung vorliegt.

Die aktuelle EuroTrak-Studie Deutschland 2025 zeigt zwar deutlich: Hörsysteme steigern Lebensqualität, soziale Teilhabe und Sicherheitsempfinden erheblich. Doch zwischen medizinischer Einsicht und tatsächlicher Versorgung klafft weiterhin eine große Lücke.

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Warum ist das so? Die Gründe sind vielfältig – und oft weniger technischer als psychologischer Natur.

1. „Hörgeräte sind unangenehm“

Rund 40 Prozent der unversorgten Menschen nennen körperliches Unbehagen als Hauptgrund. Hörgeräte würden drücken, stören oder „man spürt ständig etwas im Ohr“. Dieses Bild stammt jedoch häufig aus einer Zeit klobiger Geräte mit schlechten Passformen. Moderne Hörsysteme sind heute klein, leicht, individuell angepasst und vielfach kaum noch wahrnehmbar. Dennoch hält sich das alte Klischee hartnäckig – oft bei Menschen, die noch nie ein aktuelles Gerät getragen haben.

2. „Meine Hörminderung ist nicht schlimm genug“

Etwa ein Drittel der Betroffenen stuft den eigenen Hörverlust als zu gering ein, um sich versorgen zu lassen. Die EuroTrak-Daten zeigen jedoch: Selbst leichte Hörminderungen erschweren Gespräche, erhöhen die geistige Belastung und beeinträchtigen das Sicherheitsgefühl, etwa im Straßenverkehr. Viele kompensieren unbewusst durch Raten, Lippenlesen oder das Meiden bestimmter Situationen – und unterschätzen dadurch den tatsächlichen Verlust.

3. Kosten als gedankliche Hürde

Besonders aufschlussreich: 64 Prozent der unversorgten Menschen wissen nicht, dass gesetzliche Krankenkassen den Großteil der Kosten übernehmen. Die Folge: Hörgeräte werden automatisch als „teurer Luxus“ eingeordnet. Diese Wissenslücke ist einer der zentralen Bremsklötze auf dem Weg zur Versorgung – obwohl eine solide Grundversorgung in Deutschland in der Regel ohne hohe Eigenanteile möglich ist.

4. „Im Alltag komme ich noch ganz gut zurecht“

Viele Betroffene empfinden ihr Hören im gewohnten Umfeld als ausreichend. Doch dieser Eindruck entsteht oft durch Anpassung: Man setzt sich anders hin, bittet seltener um Wiederholungen, meidet laute Restaurants oder größere Runden. Was wie „noch ganz gut“ wirkt, ist in Wahrheit häufig bereits ein Rückzug aus akustisch anspruchsvollen Lebenssituationen.

5. Die Einschätzung des HNO-Arztes

Nicht selten hören Patienten, ihre Hörminderung sei „noch nicht versorgungsbedürftig“. Solche Aussagen können – je nach Formulierung – den Eindruck vermitteln, man müsse warten, bis das Problem gravierend ist. Damit verzögert sich der Weg zum Hörakustiker oft um Jahre, obwohl frühe Versorgung nachweislich bessere Anpassungserfolge bringt.

6. Enttäuschte Erwartungen: „Normales Hören kommt ja nicht zurück“

Hörgeräte sind Hochtechnologie – aber kein Ersatz für ein gesundes Innenohr. Wer erwartet, wieder exakt so zu hören wie mit 20, wird zwangsläufig enttäuscht sein. Diese Erkenntnis schreckt manche bereits im Vorfeld ab. Dabei geht es in der Hörgeräteversorgung nicht um Perfektion, sondern um deutlich bessere Verständlichkeit, geringere Höranstrengung und mehr Lebensqualität.

7. Zweifel an der Leistung in lauter Umgebung

33 Prozent nennen schlechte Erfahrungen oder Befürchtungen bei Lärm als Grund. Gespräche in Gruppen, Restaurants oder auf Feiern gelten als „Härtetest“. Zwar sind diese Situationen auch heute technisch anspruchsvoll, doch moderne Systeme arbeiten mit komplexer Störgeräuschunterdrückung, Richtmikrofonik und KI-gestützter Signalverarbeitung. Die Leistungsfähigkeit hat sich in den letzten Jahren dramatisch verbessert – das Image jedoch deutlich langsamer.

8. Negative Eindrücke aus der Beratung

Auch der erste Kontakt mit einem Hörakustiker kann entscheidend sein. Fühlt man sich nicht ernst genommen, schlecht informiert oder unter Druck gesetzt, wirkt das nachhaltig. Die EuroTrak-Daten zeigen: Nicht jede Beratung wird als hilfreich erlebt. Umso wichtiger sind Zeit, Aufklärung und realistische Zielsetzungen.

9. „Andere gesundheitliche Probleme sind wichtiger“

Etwa 30 Prozent geben an, andere Erkrankungen hätten Vorrang – etwa Herz-Kreislauf-Probleme oder Mobilität. Dabei ist unbehandelte Hörminderung keineswegs ein „Luxusproblem“: Sie erhöht nachweislich das Risiko für soziale Isolation, Depressionen, Stürze und kognitive Abbauprozesse. Hörgesundheit wirkt langfristig auf viele andere Lebensbereiche.

10. Tinnitus als zusätzliche Hürde

Manche Betroffene empfinden ihren Tinnitus als Hauptproblem und sehen Hörgeräte nicht als Lösung. Dabei können moderne Systeme Tinnitus-Management, Entlastung durch bessere Hörbarkeit und spezielle Zusatzprogramme kombinieren. Wird Tinnitus isoliert betrachtet, bleibt dieses Potenzial oft ungenutzt.

Fazit: Wissen, Wahrnehmung und Stigma sind die größten Barrieren

Die EuroTrak Deutschland 2025 macht deutlich: Die Zufriedenheit der Hörgeräteträger ist sehr hoch. 97 Prozent berichten von besserer Lebensqualität, und fast zwei Drittel sagen rückblickend, sie hätten sich früher versorgen lassen sollen.

Die häufigsten Gründe gegen Hörgeräte liegen heute weniger in der Technik als in Vorstellungen, Fehleinschätzungen und Verdrängung. Dabei kann eine frühzeitige Versorgung nicht nur das Hören verbessern, sondern soziale Teilhabe, geistige Fitness und Selbstständigkeit langfristig sichern.

Quelle: pro.meinhoergeraet.de

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(©si)