Hörgerät selbst anpassen? Alles Doofe?

Hörgeräte sind hochkomplexe elektronische Hilfsmittel. Die korrekte Programmierung und Nacheinstellung führen hochspezialisierte Hörakustiker durch.
Sie haben diesen Beruf gelernt und werden ständig durch die Hörgerätehersteller geschult.

Trotzdem gibt es eine kleine Zahl von Abtrünnigen, die sich und ihre Hörgeräte keinem anderen anvertrauen.
Diese Leute sind Selbstanpasser bzw. Selffitter. Sie programmieren ihre Hörgeräte selbst.

Dazu sind PC-Kenntnise, die entsprechende Hardware und ein umfangreiches Know-How in puncto Audiologie und Hörgerätetechnik notwendig.

Hörakustiker belächeln diese Menschen oft und unter Hörgeräteträgern werden sie oft als doofe Sonderlinge gesehen.

Aber: Das ist gar nicht so.

Diese Selffitter passen ihre Hörgeräte ja nicht aus Bosheit oder Dummheit selbst an, sondern weil sie es entweder besser können als ihr Hörakustiker oder weil sie nur sich selbst vertrauen, oder aber auch weil sie Geld sparen wollen oder weil sie ganz einfach Spaß daran haben.

Können die Selffitter das besser als ein Hörakustiker?

Nun ja, wenn ich mir so manches Hörgerät anschaue, das auf meinem Tisch landet, und wenn ich dann sehe, wie die Messwerte des Schwerhörigen sind, dann frage ich mich, ob er das Hörgerät von einem Hörakustiker oder von einem Klempner bekommen hat. Das kommt nur selten vor, aber manchmal muss man einfach feststellen, dass sich Hörakustiker auch keine Mühe geben.
Es kann auch sein, dass der Hörakustiker bei einen übersensiblen und überkritischen „Patienten“ irgendwann einfach die Flinte ins Korn geworfen hat.

Warum vertrauen die Selffitter nur sich selbst?

Es ist so eine Sache. Manchmal taugt der Akustiker eben nichts und manchmal ist der Hörgerätekunde auch einfach extrem schwierig oder besonders anspruchsvoll. Deshalb finden dann der Hörspezialist und sein Kunde nicht zusammen. Und so kommt dann der versierte Kunde auf die Idee, sich in die Materie einzuarbeiten und alles lieber selbst zu machen. So gibt er die Kontrolle selbst über Feinheiten nicht aus der Hand.

Können die Selffitter Geld sparen?

Aber natürlich. Sie können Supergeräte gebraucht kaufen und auf ihre eigenen Bedürfnisse anpassen. Sie sparen beim Kauf bis zu 90% des ehemaligen Preises und zahlen auch nichts für Anpassungen usw.
Das summiert sich im Verlauf der Jahre auf mehrere tausend Euro.

Macht denen das wirklich Spaß?

Ja klar! Es macht jedem, der sich damit auskennt, Spaß, diese hochkomplexen Hörcomputer zu beherrschen.
So wie es manchen Spaß macht, an Computern herumzubasteln, macht es diesen Leuten Freude, aus ihren Hörgeräten das Letzte herauszukitzeln.
Sie können sich Aspekten des Hörens widmen, die viel weiter und tiefer gehen, als es der Durchschnittsakustiker machen würde.

Ist das auch was für mich?

Vermutlich nicht. Schauen Sie, es gibt Leute, die bauen ihre nagelneue Automatikarmbanduhr komplett auseinander, studieren das Innenleben und setzen das wertvolle Stück dann Zahnrad für Zahnrad wieder zusammen. Würden Sie sich das zutrauen?
Vermutlich nicht. Ihnen fehlte das passende Werkzeug und Sie wüßten auch gar nicht, wie das geht.
Ähnlich ist das beim Selffitting bei Hörgeräten.
Das ist nur etwas für jemanden, der sich über Jahre da eingearbeitet hat und auch Rückschläge in Kauf nehmen kann.

Kann da was passieren?

Zunächst einmal geht die Garantie verloren, wenn man selbst an Hörgeräten herumschraubt.
Aber auch beim Programmieren kann man viel falsch machen. Eine zu hohe Lautstärke, falsche Frequenzen und fehlende Begrenzungen können unter Umständen das noch intakte Restgehör dramatisch schädigen.

Fazit

Hut ab vor denen, die das Selbstanpassen von Hörgeräten beherrschen.
Wer Spaß daran hat und sich ausreichend in die Materie eingearbeitet hat, findet hier ein interessantes Betätigungsfeld.
Das ist aber nichts für jedermann. Deshalb sollte im Normalfall Ihr Weg immer zum Hörakustiker führen.
Wenn Ihr Hörakustiker nicht weit genug auf Ihre Wünsche eingeht, wechseln Sie den Betrieb.



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