Während wir in Deutschland noch auf den Marktstart warten, ist Phonaks neue Hörgerätegeneration in den USA bereits angekommen. Ende August 2026 hat Sonova die neue Phonak-EON-Plattform vorgestellt. Im September sollen die Geräte auch in Deutschland erhältlich sein.
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- Drei Modelle zum Start
- Ein zweiter Prozessor nur fürs Sprachverstehen
- EON ist kein Software-Update für vorhandene Infinio-Geräte
- Kleiner trotz mehr Rechenleistung
- Bis zu 38 Stunden ohne Steckdose
- AutoSense OS AI 8.0 entscheidet im Hintergrund
- Dem Wind soll es ebenfalls an den Kragen gehen
- Bluetooth bleibt – Auracast kommt hinzu
- Welches EON ist für wen gedacht?
- Wann kommt EON zu uns?
- Was wir von EON halten
- Bildquellen:
EON ist dabei offenbar mehr als die nächste Modellpflege. Phonak setzt auf neue Hardware, einen eigenen KI-Prozessor für die Sprachverarbeitung, längere Akkulaufzeiten und ein deutlich kompakteres Gehäuse. Vor allem aber nimmt der Hersteller wieder jenes Problem ins Visier, das viele Hörgeräteträger nur zu gut kennen: Man hört zwar – versteht aber trotzdem nicht, was der Gesprächspartner sagt, sobald mehrere Menschen durcheinanderreden.
Drei Modelle zum Start
Die neue EON-Familie besteht zunächst aus drei Varianten. An der Spitze steht das Audéo EON Sphere. Es enthält Phonaks neuen HYPERSONIC-Chip und damit die leistungsfähigste Technik zur Trennung von Sprache und Störgeräuschen.
Daneben gibt es das Audéo EON R. Auch dieses Modell ist wiederaufladbar und bietet die neue EON-Plattform, verzichtet jedoch auf den zusätzlichen KI-Chip des Sphere-Modells.
Das CROS EON R richtet sich schließlich an Menschen mit einseitiger Taubheit beziehungsweise einem Hörverlust, bei dem ein Ohr nicht mehr sinnvoll mit einem normalen Hörgerät versorgt werden kann. Der Schall von dieser Seite wird aufgenommen und drahtlos auf die besser hörende Seite übertragen.
Ein zweiter Prozessor nur fürs Sprachverstehen
Besonders interessant am Audéo EON Sphere ist der neue HYPERSONIC-Chip. Dabei handelt es sich nicht einfach um einen schnelleren Hauptprozessor. Phonak verwendet einen zusätzlichen, spezialisierten KI-Prozessor, der sich gezielt mit der Sprachverarbeitung beschäftigt.
Darauf arbeitet Spheric Speech Clarity 3.0.
Die Aufgabe klingt einfach, ist technisch aber ausgesprochen anspruchsvoll: Sprache soll möglichst zuverlässig aus einer akustisch chaotischen Umgebung herausgelöst werden. Das betrifft beispielsweise das Restaurant, die Familienfeier, eine Veranstaltung oder das Gespräch mit mehreren Personen.
Phonak verspricht dabei erhebliche Verbesserungen. Nach Herstellerangaben soll die Wahrscheinlichkeit, einzelne Wörter aus unterschiedlichen Richtungen zu verstehen, gegenüber einem Betrieb ohne diese Funktion deutlich steigen. Gleichzeitig soll die Höranstrengung sinken.
Solche Herstellerangaben sollte man natürlich nicht mit dem Versprechen verwechseln, dass jeder Hörgeräteträger plötzlich jedes Gespräch im vollbesetzten Restaurant mühelos versteht. Gerade beim Sprachverstehen spielen Hörverlust, Anpassung und individuelle Voraussetzungen eine erhebliche Rolle. Interessant ist aber, wohin die Entwicklung geht: Immer mehr Rechenleistung wird nicht dafür eingesetzt, alles lauter zu machen, sondern Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden.
EON ist kein Software-Update für vorhandene Infinio-Geräte
Das ist ein wichtiger Unterschied zur letzten Modellpflege.
Der Wechsel von Infinio zu Infinio Ultra ließ sich teilweise als Weiterentwicklung der vorhandenen Plattform verstehen. Beim EON Sphere steckt dagegen neue Hardware im Gerät. Der HYPERSONIC-Prozessor lässt sich selbstverständlich nicht nachträglich per Software in ein vorhandenes Hörgerät hineinzaubern.
Wer ein aktuelles Infinio oder Infinio Ultra besitzt, bekommt aus seinem Gerät daher durch ein Firmware-Update kein EON Sphere.
Das bedeutet allerdings ebenso wenig, dass ein Infinio plötzlich veraltet oder schlecht wäre. Bei Hörgeräten sollte man sich ohnehin davor hüten, den jährlichen Produktzyklen der Unterhaltungselektronik hinterherzulaufen. Ein gut angepasstes Hörgerät wird nicht schlechter, nur weil sein Hersteller einen Nachfolger präsentiert.
Kleiner trotz mehr Rechenleistung
Bei der ersten Audéo-Sphere-Generation war die zusätzliche Rechenleistung noch deutlich am Gehäuse zu erkennen. Der technische Aufwand brauchte Platz und Energie.
Hier scheint Phonak bei EON einen bemerkenswerten Schritt gemacht zu haben. Das neue Audéo EON Sphere soll nach Herstellerangaben 25 Prozent kleiner und 20 Prozent leichter als die vorherige Sphere-Generation sein.
Damit nähert sich das KI-Spitzenmodell äußerlich wieder stärker einem gewöhnlichen RIC-Hörgerät an.
Das ist nicht nur Kosmetik. Hinter dem Ohr konkurriert ein Hörgerät schließlich mit Brillenbügeln, Haaren und gegebenenfalls weiteren Hilfsmitteln um erstaunlich wenig Platz. Ein kleineres und leichteres Gehäuse kann deshalb im Alltag durchaus einen Unterschied machen.
Bis zu 38 Stunden ohne Steckdose
Auch beim Energieverbrauch hat Phonak gearbeitet. Für Audéo EON Sphere und Audéo EON R werden bis zu 38 Stunden Akkulaufzeit genannt.
Bei intensiver Bluetooth-Nutzung soll die Laufzeit naturgemäß geringer ausfallen. Genannt werden für starkes Streaming Größenordnungen um 22 Stunden. Für einen normalen langen Tag dürfte das immer noch reichlich Reserve bedeuten.
Das ist gerade beim Sphere-Modell interessant. KI-Berechnungen in Echtzeit benötigen Energie, und bei der vorherigen Generation war der zusätzliche Strombedarf einer der Preise für die aufwendige Signalverarbeitung. Der neue HYPERSONIC-Chip soll erheblich effizienter arbeiten.
AutoSense OS AI 8.0 entscheidet im Hintergrund
Ebenfalls weiterentwickelt wurde Phonaks automatische Situationserkennung. Sie heißt nun AutoSense OS AI 8.0.
Das Prinzip kennen Phonak-Nutzer schon lange: Das Hörgerät analysiert permanent seine akustische Umgebung und entscheidet selbstständig, welche Einstellungen gerade sinnvoll erscheinen.
Man muss also idealerweise nicht vor dem Restaurantbesuch erst das Smartphone herausholen und ein Programm „Restaurant“ auswählen.
Mit zunehmender KI-Unterstützung wird genau diese automatische Entscheidung immer wichtiger. Ein modernes Hörgerät verfügt über zahlreiche Verfahren zur Richtwirkung, Störgeräuschunterdrückung und Sprachoptimierung. Entscheidend ist deshalb nicht nur, was ein Hörgerät kann, sondern auch, ob es die richtige Funktion im richtigen Augenblick aktiviert.
Dem Wind soll es ebenfalls an den Kragen gehen
Eine weitere Neuerung trägt den Namen WindBlock 2.0.
Wind ist für Hörgeräte ein ausgesprochen unangenehmer Gegner. Er erzeugt direkt an den Mikrofonöffnungen Turbulenzen und damit Geräusche, die mit dem eigentlichen Umgebungsschall wenig zu tun haben.
Phonak verspricht für WindBlock 2.0 eine erhebliche Reduzierung dieser Störungen. Das dürfte vor allem Menschen interessieren, die viel spazieren gehen, Fahrrad fahren, im Garten arbeiten oder sich aus anderen Gründen häufig draußen aufhalten.
Wie gut das unter realen Bedingungen funktioniert, wird allerdings interessanter sein als jeder Laborwert.
Bluetooth bleibt – Auracast kommt hinzu
Bei der drahtlosen Verbindung hält Phonak an einem seiner traditionellen Vorteile fest. Die Hörgeräte sollen nicht nur mit bestimmten Smartphones funktionieren, sondern mit einer breiten Palette Bluetooth-fähiger Geräte.
Hinzu kommt nun Auracast.
Auracast dürfte in den kommenden Jahren für Hörgeräteträger zunehmend interessant werden. Vereinfacht gesagt können öffentliche Einrichtungen einen Audiostream aussenden, in den sich kompatible Hörgeräte einklinken können.
Denkbar sind etwa Flughäfen, Bahnhöfe, Kirchen, Theater, Konferenzräume oder Vortragssäle. Statt den Ton über einen Lautsprecher im Raum verstehen zu müssen, gelangt er direkt ins Hörgerät.
Noch ist Auracast längst nicht überall vorhanden. Die entscheidende Frage wird deshalb weniger sein, ob Hörgeräte die Technik beherrschen, sondern wie schnell entsprechende Sender im öffentlichen Raum Verbreitung finden.
Welches EON ist für wen gedacht?
Das Audéo EON Sphere dürfte vor allem für Menschen interessant sein, die regelmäßig mit schwierigen Hörsituationen kämpfen: Restaurants, Familienfeiern, Besprechungen, Veranstaltungen und Gruppengespräche. Genau dort soll der zusätzliche HYPERSONIC-Prozessor seine Stärken ausspielen.
Wer hauptsächlich ein modernes, wiederaufladbares Hörgerät mit guter Konnektivität benötigt und auf die aufwendigste KI-Sprachtrennung verzichten kann, findet mit dem Audéo EON R die konventionellere Variante.
Und CROS EON R erweitert die Plattform auf Menschen, bei denen eine Seite nicht mehr regulär mit einem Hörgerät versorgt werden kann.
Welche Variante tatsächlich die bessere ist, entscheidet aber weiterhin nicht das Datenblatt. Hörverlust, Sprachverstehen, persönliche Hörsituationen und eine gute Anpassung durch den Hörakustiker sind wesentlich wichtiger als die Anzahl der KI-Schlagwörter auf der Verpackung.
Wann kommt EON zu uns?
In den USA begann die Markteinführung am 24. August 2026. Deutschland und weitere europäische Märkte sollen nach Angaben von Sonova im September 2026 folgen.
Einen konkreten deutschen Verkaufstermin und endgültige Preise gibt es bislang noch nicht.
Damit lohnt sich vorerst tatsächlich der Blick über den großen Teich. Dort werden in den kommenden Wochen die ersten Erfahrungen von Hörgeräteträgern und Hörakustikern auftauchen. Und die sind für uns mindestens ebenso interessant wie die technischen Daten des Herstellers.
Was wir von EON halten
Auf dem Papier ist EON eine interessante Weiterentwicklung. Besonders bemerkenswert ist weniger irgendein einzelner Superlativ als die Kombination aus mehr spezialisierter Rechenleistung, geringerem Energieverbrauch und kleinerem Gehäuse.
Die grundsätzliche Entwicklungsrichtung stimmt ebenfalls: Die eigentliche Herausforderung moderner Hörgeräte ist längst nicht mehr, einen Ton hörbar zu machen. Die schwierige Aufgabe lautet, in einer komplexen Geräuschkulisse herauszufinden, welcher Ton gerade wichtig ist.
Genau dafür wird künstliche Intelligenz im Hörgerät zunehmend eingesetzt.
Ob Phonak EON dabei tatsächlich einen großen Sprung macht oder am Ende doch eher eine sehr gute evolutionäre Weiterentwicklung der Sphere-Technik darstellt, werden erst unabhängige Tests und Erfahrungen aus dem Alltag zeigen.
Bis dahin gilt: Wir schauen gespannt über den Atlantik – und warten darauf, dass EON im September auch bei den deutschen Hörakustikern auftaucht.
Bildquellen:
- phonak-audeo-eon-chargergo_800x500: Phonak USA














