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Beim anderen Akustiker doppelt so teuer – Hörgeräte

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin da einer Sache auf der Spur, die mir keine Ruhe mehr lässt.
Mein Ohrenarzt hat mir zwei Hörgeräte verordnet. Mit dem entsprechenden Rezept bin ich zu einem Hörakustiker in der nächsten Kreisstadt gefahren. Dort wurden mir zwei Hörgeräte gezeigt, die mir gut gefallen und die für mich auch passabel klingen. Der Preis soll für mich als Zuzahlung 935,- € betragen. Es handelt sich um die Filiale einer Hörgeräte-Kette.

Nun bin ich Ihrem Rat gefolgt und habe mir noch eine zweite Meinung bzw. ein zweites Angebot eingeholt. Also war ich bei einem kleineren Hörakustikerladen hier in unserer Ortschaft. Dort wurden mir zwei Hörgeräte angeboten für zusammen fast 5.000 €. Eigenanteil 1.812 €.

Der Witz: Es sind die gleichen Hörgeräte, bei der Kette als Eigenlabel, bei dem Hörakustiker ganz normal von Unitron.
Wie kann das sein, dass die Geräte bei dem kleineren Hörakustiker beinahe doppelt so teuer sind. Das ist doch Wucher, Betrug und Abzocke.

Ihre Meinung würde mich dazu sehr interessieren.

Herzlichen Dank für Ihre Zuschrift.

Aus meiner Sicht ist die Frage falsch herum gestellt. Die Frage müsste lauten: Weshalb kann eine große Hörgerätekette vergleichbare Hörgeräte für fast den halben Preis anbieten (Anm. d. Red.: Uns liegen beide Angebote als Kopie vor)?

Denn Ihre Frage erweckt den Eindruck, als würde der niedergelassene inhabergeführte Hörakustikbetrieb die Geräte zu teuer verkaufen. Der uns vorliegende Preis ist aber so wie bei fast allen anderen angefragten Hörakustikern auch. Somit sind die beiden Hörgeräte nicht überteuert, es handelt sich um den marktüblichen Preis.

Bleibt die Frage, weshalb die von Ihnen besuchte Filiale eines großen Filialisten so günstig anbieten kann.

Nun, dort wird aus Werbegründen direkt vom Kaufpreis jedes Hörgeräts ein Betrag von 100 € abgezogen. Das geschieht im Rahmen einer Werbeaktion und ist nicht von Dauer. Außerdem handelt es sich um Geräte eines Eigenlabels.

Was sind Eigenlabel-Hörgeräte?

Die großen Hörgerätehersteller gehen mitunter Kooperationen mit Hörakustiker-Einkaufsgemeinschaften oder Ladenketten ein. Für diese werden dann Hörgeräte unter einer anderen Marke gefertigt. Man kennt das beispielsweise auch aus dem sonstigen Einzelhandel, dort heißen solche Artikel dann auch „Hausmarke“, „Eigenlabel“ oder „No-Name-Produkt“.
Das bedeutet, man bekommt das Produkt eines Markenherstellers unter einem anderen Markennamen oft zu einem günstigeren Preis. Das ermöglicht den großen Herstellern eine bessere Auslastung ihrer Produktionskapazitäten, bringt ihnen einen zusätzlichen Umsatz und macht trotzdem den eigenen Markennamen nicht kaputt.

Die Gefahr:

Hörakustiker munkeln oft herum und behaupten, ein Gerät einer mehr oder weniger unbekannten Marke enthalte in Wirklichkeit Spitzentechnik von dem oder dem großen Hersteller. Hierfür haben Sie aber keine Garantie, und schriftlich bekommen Sie das auch nicht.
Außerdem kann es sein, dass Ihnen so Technik vom letzten oder vorletzten Jahr verkauft wird.

Unser Tipp: Schlagen Sie die Typenbezeichnungen im Heilmittelverzeichnis online nach und vergleichen Sie Baugleichheiten und technische Daten: https://www.rehadat-gkv.de

Der Hörgerätepreis beinhaltet nicht nur das reine Hörgerät, sondern auch das, was der Hörakustiker Ihnen zu bieten hat. Sie bezahlen sein Fachwissen, seine Geschäftsausstattung und sein Personal mit. Dass das in großen Filialbetrieben günstiger geht, als bei einem kleineren Einzelhandelsgeschäft, das hat uns Aldi schon seit Jahrzehnten verdeutlicht.

Man kann also im vorliegenden Fall feststellen, dass der Filialbetrieb Ihnen ein außerordentlich gutes Angebot über Hörgeräte gemacht hat. Der inhabergeführte Hörakustikbetrieb hat Ihnen ein marktübliches und vollkommen normales Angebot über Markenhörgeräte unterbreitet.

Hinweis


In „Fragen an die Redaktion“ finden Sie unsere Antworten auf Fragen von Leserinnen und Lesern. Diese Fragen sind Inhalte Dritter, die uns tagtäglich auf den verschiedensten Wegen erreichen und die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen. Es handelt sich also bei den Fragen um redaktionell nicht bearbeitete und auf ihren Wahrheitsgehalt hin nicht überprüfte Mitteilungen Dritter. Für die Fragen sind allein die Übersender der Mitteilungen verantwortlich, die Redaktion macht sich die Aussagen nicht zu eigen.




(si)





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Peter Wilhelm Hörgeräte-Experte
Links:
   Hörgeräte Edingen-Neckarhausen