Fragen an die Redaktion

Hörakustiker will mich zum CI zwingen

Mittelohrimplantat

Mein Hörakustiker will mich zu einem CI zweingen oder doch zumindest überreden. Ich will aber nicht! Was kann ich tun? Ist das eine Mafia?

Hallo,

Werbung

ich trage seit über 30 Jahren Hörgeräte. Meine Schwerhörigkeit ist links altersbedingt, und auf dem rechten Ohr bin ich praktisch taub, weil mir ein Kind im Kindergarten damals mit einem Tischtennisschläger auf das Ohr geschlagen hat. Heute bin ich 64 Jahre alt und kämpfe mit der Tatsache, dass meine jetzigen Hörgeräte, Kassengeräte vom Typ Oticon Sumo DM, nicht mehr hergestellt werden. Und die sogenannten “modernen” Nachfolger? Die taugen überhaupt nichts.

Seit fast zwei Jahren versucht mein Hörakustiker, mich mit Nachdruck zu einem Cochlea-Implantat (CI) zu drängen. Seine Argumentation? Es gäbe kein Hörgerät mehr, das für mich stark genug sei, und mit einem CI könnte ich sogar wieder auf meinem tauben Ohr etwas hören. Ehrlich gesagt, es macht mich wütend, dass er ständig darauf herumreitet. Er scheint einfach nicht zu kapieren, dass ich mich mit so einem Gerät am Kopf niemals wohlfühlen würde.

Ich trage meine Hörgeräte schon so, dass meine Haare sie verdecken – damit niemand sie sieht. Ich hasse den Gedanken, dass jeder sofort sieht, dass ich ein CI trage. Und egal, welche “Argumente” mir präsentiert werden: Ich will das nicht, ich kann das nicht, Punkt.

Meine Kinder vermuten, dass mein Hörakustiker für jedes verkaufte CI eine saftige Provision kassiert. Und ehrlich gesagt, das erscheint mir logisch. Im Wartezimmer läuft auf einem Bildschirm sogar Werbung für Cochlea-Implantate. Das ist doch kein Zufall! Als ich ihn darauf angesprochen habe, dass meine Kinder das vermuten, ist er regelrecht ausgerastet. Er hat behauptet, das sei völliger Quatsch und er mache das nur aus Sorge um mich, weil es angeblich “keine andere Lösung” gibt. Aber ich kaufe ihm das nicht ab.

Neulich hat er sogar einen bekannten Arzt zu einem meiner Termine eingeladen. Dieser Spezialist aus einer Universitätsklinik hat mir ausführlich erklärt, warum ein CI für mich der einzig vernünftige Weg wäre. Angeblich hat er schon 800 Implantationen durchgeführt. Aber ich lasse mich nicht bequatschen! Ich bin überzeugt, die beiden haben sich abgesprochen, weil sie beide an mir verdienen wollen. Das ist doch eine Mafia!

Meine Skepsis ist gewachsen, als ich mir Zweit- und Drittmeinungen eingeholt habe. Drei andere Hörakustiker und ein HNO-Arzt kamen alle zu demselben Ergebnis: “Ein CI ist dringend erforderlich.” Ach ja, wie überraschend! Das zeigt doch nur, wie sehr die alle unter einer Decke stecken.

Aus genau diesem Grund bin ich ein entschiedener Gegner der elektronischen Gesundheitskarte mit zentraler Patientenakte. Die sorgt doch nur dafür, dass jeder Arzt sofort weiß, dass mir ein CI empfohlen wurde, und dann auf denselben Zug aufspringt.

Momentan teste ich wieder ein neues Hörgerät, aber ich bin mir sicher, dass der Hörakustiker absichtlich an den Einstellungen herumpfuscht, damit ich frustriert aufgebe und sage: “Na gut, dann eben ein CI.” Aber das werde ich nicht tun! Lieber lerne ich Gebärdensprache, bevor ich mit einem solchen Ding am Kopf herumrenne.

Ich habe großen Respekt vor Menschen, die ein CI tragen und damit klarkommen. Aber ich? Ich kann das einfach nicht. Und ich lasse mich auch nicht dazu zwingen. Ende der Diskussion.

Vielen Dank für Ihre ausführliche Schilderung. Ihre Situation ist zweifellos komplex und emotional aufgeladen, was vollkommen verständlich ist. Hörverlust ist nicht nur eine physische Herausforderung, sondern bringt auch viele persönliche, soziale und psychologische Aspekte mit sich. Lassen Sie uns die verschiedenen Punkte, die Sie ansprechen, sachlich betrachten und aufklären.

Hörakustiker: Unternehmer mit wirtschaftlichem Interesse

Zunächst einmal ist es wichtig, das Geschäftsmodell eines Hörakustikers richtig einzuordnen. Hörakustiker sind keine karitativen Einrichtungen, sondern wirtschaftlich orientierte Unternehmen. Das bedeutet, dass sie auf Gewinn ausgerichtet sind und von Verkäufen sowie Dienstleistungen leben. Das gilt jedoch unabhängig davon, ob Sie sich für ein herkömmliches Hörgerät oder ein Cochlea-Implantat entscheiden. Der Akustiker macht in beiden Fällen Gewinn, sei es durch den Verkauf eines Hörgeräts, Zubehörs, Serviceleistungen oder durch die Anpassung und Betreuung rund um ein CI.

Die Annahme, dass ein Hörakustiker „nur auf ein CI drängt, um mehr Geld zu verdienen“, greift daher zu kurz. Tatsächlich haben Hörakustiker wenig Anreiz, ein CI zu empfehlen, da die Anpassung von Hörgeräten einen großen Teil ihres Geschäfts ausmacht. Ein CI bringt für den Akustiker nur begrenzte finanzielle Vorteile, da der Großteil der Kosten durch den Hersteller und die Klinik verursacht wird und diese auch die Zahlungen dafür erhalten. Der Vorschlag für ein CI basiert in den meisten Fällen tatsächlich auf medizinischen und audiologischen Erfordernissen, nicht auf wirtschaftlichen Interessen.

Warum wird Ihnen ein Cochlea-Implantat empfohlen?

Die Empfehlung für ein CI erfolgt in der Regel dann, wenn Hörgeräte die Hörfähigkeit nicht mehr ausreichend verbessern können. Bei einer einseitigen starken Schwerhörigkeit oder Taubheit kann ein CI oft das einzige Mittel sein, um auf dem betroffenen Ohr überhaupt wieder eine Form des Hörens zu ermöglichen. Der Grund, warum mehrere Hörakustiker und HNO-Ärzte unabhängig voneinander zu dieser Empfehlung kommen, liegt darin, dass bei Ihnen anscheinend keine herkömmlichen Hörgeräte mehr stark genug sind, um die notwendige Unterstützung zu bieten.

Ein Cochlea-Implantat mag auf den ersten Blick einschüchternd wirken, aber es bietet vielen Menschen eine neue Lebensqualität. Es ersetzt nicht das natürliche Hören, aber es ermöglicht eine verbesserte Kommunikation, die mit Hörgeräten allein nicht mehr erreichbar ist. Es ist verständlich, dass Sie skeptisch sind, aber die Vielzahl an Empfehlungen zeigt, dass dies für Sie die beste audiologische Option sein könnte.

Ängste und Vorurteile gegenüber einem CI

Ihre Abneigung gegen ein Cochlea-Implantat scheint zum Teil auf ästhetischen und emotionalen Gründen zu beruhen. Sie möchten nicht, dass das Gerät sichtbar ist, und fühlen sich unwohl bei dem Gedanken, dass andere Ihr CI sehen könnten. Diese Gefühle sind legitim, aber es lohnt sich zu bedenken, dass moderne Cochlea-Implantate immer unauffälliger werden. Außerdem empfinden viele Menschen nach einer gewissen Eingewöhnungszeit weniger Scham und mehr Stolz darauf, dass sie eine Technologie nutzen, die ihre Lebensqualität verbessert.

Das Cochlea-Implantat ist keine Pflicht

Niemand kann oder sollte Sie zu einem CI zwingen. Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie diesen Schritt gehen möchten oder nicht. Wenn Sie sich bewusst dagegen entscheiden, ist es wichtig, dass dies auf einer fundierten Basis geschieht. Sie sollten sich fragen: Bin ich bereit, mit den bestehenden Einschränkungen zu leben, oder könnte ein CI mir doch Vorteile bringen? Die endgültige Entscheidung liegt bei Ihnen.

Vertrauensverhältnis zum Hörakustiker

Die Beziehung zu Ihrem Hörakustiker scheint durch das Gefühl belastet zu sein, dass Sie beeinflusst oder gedrängt werden. Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihr aktueller Akustiker Ihre Wünsche nicht respektiert, könnte es sinnvoll sein, über einen Wechsel nachzudenken. Ein guter Hörakustiker wird Ihnen alle Optionen erklären, ohne Druck auszuüben. Er sollte auch offen für Ihre Bedenken sein und Ihnen die Zeit geben, die Sie für Ihre Entscheidung benötigen.
Überlegen Sie sich aber genau, ob nicht vielleicht Ihre grundsätzliche Haltung zum CI für die Situation verantwortlich ist. Was, wenn der Hörakustiker und die anderen Befragten recht haben und Sie tatsächlich nur in einem CI eine Lösung finden würden?

Fazit

Letztendlich geht es darum, dass Sie die beste Lösung für sich selbst finden. Ob Sie sich für ein Cochlea-Implantat oder ein neues Hörgerät entscheiden, es ist wichtig, dass die Entscheidung gut informiert und frei von Druck getroffen wird. Denken Sie daran, dass Hörakustiker und Ärzte in den meisten Fällen das Ziel haben, Ihnen zu helfen, und dass wirtschaftliche Interessen dabei keine übergeordnete Rolle spielen. Wenn Sie Unterstützung bei der Entscheidungsfindung benötigen, können Sie auch auf unabhängige Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen für Hörgeschädigte zurückgreifen.

Es ist Ihr Leben und Ihr Hören – und die Wahl liegt ganz bei Ihnen.

a6a66da23ebc4b3e9c33bc2c16b28969

Hashtags:

Ich habe zur besseren Orientierung noch einmal die wichtigsten Schlagwörter (Hashtags) dieses Artikels zusammengestellt:

#Ablehung #ci #cochlea implantat #drängen #Druck #hörakustiker #überreden #Zwang #zweingen

Lesezeit ca.: 10 Minuten | Tippfehler melden


Lesen Sie doch auch:


(©si)