Wie finde ich den richtigen Hörakustiker?

schwerhörig trotz Hörgerät

Die Wahl des richtigen Hörakustikers ist nicht leicht. In fast jeder Stadt tummeln sich gleich mehrere Hörakustikerfachbetriebe oder Filialen von Hörgeräte-Läden. Zu welchem soll man gehen? Wo ist man gut aufgehoben? Wir versuchen eine Antwort zu geben.

Zunächst einmal die ernüchternde Wahrheit: Alle Hörakustiker kochen nur mit Wasser.

Das bedeutet, dass Hörgerätetechnik keine Raketenwissenschaft ist. Die jahrelange Ausbildung, die vielen Fortbildungsmaßnahmen und die Schulungen der Hersteller ermöglichen es den Handwerksmeistern in einem Hörakustikfachbetrieb, Hörgeräte gut einzustellen. Ich finde, am Fachwissen und Können liegt es meistens nicht. Hier sind die Betriebe nahezu alle sehr gut aufgestellt.

Auch die technische Ausstattung eines Hörgerätegeschäftes spielt zunächst keine große Rolle. Der eine Betrieb glänzt mit modernsten Anlagen und ein anderer hat da weniger vorzuweisen. Aber um Hörgeräte gut einzustellen, benötigt man auch grundsätzlich keine High-Tech-Ausrüstung.

So gesehen sind die Grundvoraussetzungen bei allen Hörakustikern recht gut.

Doch der zweite Teil der Wahrheit ist: Obwohl alle nur mit Wasser kochen, kommt bei dem einen nur heißes Wasser heraus, und bei einem anderen eine schmackhafte Suppe.

Und das bedeutet: Trotzdem man annehmen könnte, dass alle Hörakustiker über ein vergleichbares Wissen und ähnliche Fertigkeiten verfügen, schafft der eine es, super super eingestellte Hörgeräte am laufenden Band zu liefern, während bei dem anderen die Kunden ihre Hörgeräte nach kurzer Zeit unzufrieden in die Schublade legen.

Doch was lernen wir daraus?

Ein schön gerahmter Meisterbrief an der Wand ist in diesem Zusammenhang nicht sehr aussagekräftig. Denn den müssen alle Hörgerätegeschäft-Inhaber haben.
Auch diverse Zertifikate von Hörgeräteherstellern sagen nicht viel aus. Der Kunde weiß nicht, ob sich dahinter ein ausführlicher Lehrgang oder nur die Teilnahme an einer Reklame-„Roadshow“ verbirgt.

Die sichtbare Ausstattung beim Hörakustiker kann ein unbedarfter Kunde auch nicht einordnen.

Wie also erkennen wir einen guten Hörakustiker, also so einen, der zwar auch nur mit Wasser kocht, aber nicht nur heißes Wasser, sondern eine leckere Supper daraus macht.

Sie erkennen einen guten Hörakustiker an der Atmosphäre und an Ihrem Bauchgefühl.

Sehen Sie das Ganze so: Sie begeben sich mit Ihrem Hörakustiker auf eine Reise. Diese Reise führt hin zum guten Hören.
Das Ziel ist also ein gut eingestelltes Hörgerät, mit dem Sie besser hören und das Sie gerne tragen.

Ziel ist es nicht, Ihnen das absolute Gehör oder das perfekte Hörgerät zu verschaffen. Wenn das unterm Strich für Sie dabei herauskommt, ist das umso besser.
Aber eine Höreinschränkung ist -auch wenn manche dieses Wort nicht gerne verwenden- ein Stück weit auch eine Körperbehinderung.
Das Hörgerät ist ein medizinisches Hilfsmittel, um Ihnen in dieser Einschränkung so weit wie möglich hilfreich zu sein.
Ein Hörgerät ist kein neues elektronisches Ohr. Mit anderen Worten: Selbst bei allerbester Einstellung und selbst mit dem teuersten Hörgerät der Welt müssen Sie immer klipp und klar wissen, dass Sie sich immer auf einen Kompromiss einlassen müssen.

Manche Hörakustiker und vor allem die Werbung der Hörgerätehersteller versprechen zwar etwas anderes, aber dieses Versprechen beschreibt den Idealfall, nicht die sicher erreichbare Mehrheit.

Das bedeutet für Sie als (künftigen) Hörgeräteträger: Schrauben Sie Ihre Erwartungen bitte etwas herunter, dann können Sie nur positiv überrascht werden.

Wenn Sie mit realistischen Erwartungen auf die gemeinsame Reise mit Ihrem Hörakustiker gehen, sagen Sie ihm deutlich, welche Sehenswürdigkeiten Ihnen wichtig sind.
Das heißt: Was wollen Sie hören? In welchen Hörumgebungen halten Sie sich wie oft auf? Was macht Ihnen Schwierigkeiten? Wo kneift es? Was soll das Hörgerät leisten?

Der Hörakustiker wird Ihnen verschiedene Hörgeräte empfehlen. Bitte versuchen Sie immer auch ein zuzahlungsfreies Hörgerät.
Ein guter Hörakustiker wird hier weder Schwierigkeiten machen, noch einen Satz sagen wie: „Das kommt für Sie nicht in Frage.“
Er wird Ihnen auch das „kostenlose“ Hörgerät sehr gut einstellen.

Meist haben die Kunden aber höhere Ansprüche, die von den Basisgeräten nicht befriedigt werden.
Auch weiß der Hörakustiker genau, welches Hörgerät für welche Art der Hörminderung besonders geeignet ist.
Deshalb ist es vollkommen in Ordnung, wenn er auf zuzahlungspflichtige Geräte zu sprechen kommt.

Das Wichtigste: Geben Sie sich, Ihren Ohren, Ihrem Gehirn und vor allem dem Hörgeräteakustiker viel Zeit.
Nicht 20 verschiedene Geräte in kurzer Zeit ausprobieren, sondern 3 oder vielleicht 4 über ein gutes halbes Jahr.

Es kann auch sein, dass Sie sehr schnell mit einem bestimmten Gerät zufrieden sind. Sie können verschiedene ausprobieren, müssen es aber nicht.

Und dann erst beginnt die gemeinsame Arbeit. Erinnern Sie sich bitte an die oben genannten Fragen: Was will ich hören? Welche Hörumgebungen? Was ist wichtig? usw.

In mehreren Sitzungen wird Ihr Akustiker sie an die Hand nehmen und Stück für Stück Ihr Hörgerät optimieren.

Wie gesagt: Er wird das für Sie Beste aus dem Gerät herausholen. Ein 100%iges Superergebnis wäre schön, ist aber in der Regel nicht erwartbar.

Und wenn Ihr Hörakustiker bereit ist, diese Reise mit Ihnen zu machen, dann haben Sie den richtigen Hörakustiker gefunden.



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